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Sollen 25,6 Millionen Investitionskredite umgeschuldet werden?

Von: -jül-
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Stolberg. Variabel und günstig, aber mit Risiko, oder langfristig und teuer, aber risikoarm? Diese Frage stellt der Kämmerer dem Stadtrat. Und es geht dabei um viel Geld. Um das Geld der Stolberger. Genauer gesagt um das nicht vorhandene, sondern geliehene Kapital. Exakt um 25.662.305,01 Euro.

Die hat sich die Stadt in Form von vier kurzfristigen Krediten bei Banken geliehen. Das ist zwar nur ein Bruchteil der Gesamtverschuldung der Kupferstadt, die kontinuierlich steigt und irgendwo jenseits von 250 Millionen Euro liegt, aber das Geld benötigt Stolberg, um investieren zu können.

Bislang ist die Stadt gut damit gefahren, sich die 25,6 Millionen Euro in kurzfristigen Darlehen zu besorgen. Drei Kredite über insgesamt gut 20 Millionen Euro sind täglich kündbar, 5,5 Millionen Euro monatlich. Aber zu den gleichen Zeitpunkten werden auch die Zinsen immer neu festgesetzt.

Das ist noch ausgesprochen attraktiv für die Kupferstadt, denn sie bezahlt vergleichsweise Kupfergeld als Zinsen dafür. Zwischen 0,3 und 0,7 Prozent lag der Zinssatz für solche Tageskredite im vergangenen Jahr.

Zinsniveau steigt an

Und damit rangieren diese deutlich unter dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB), der bereits seit geraumer Zeit bei einem Prozent liegt, und sind um ein Vielfaches günstiger als festverzinsliche Darlehen. Aber diese Entwicklung kann auch ebenso so schnell in die andere Richtung umschlagen.

Denn, so mahnt Kämmerer Dr. Wolfgang Zimdars in seiner Vorlage für den Stadtrat am 18.Januar, „ein Ansteigen der Zinsen sowohl im kurz- als auch im langfristigen Bereich ist in der letzten Zeit nicht zu übersehen.” So rangieren langfristige Darlehen mit einer Laufzeit von fünf bzw. zehn Jahren aktuell bei einem Zinssatz von 2,75 bzw. 3,5 Prozent - seit ihrem Tiefstand im Oktober mit steigender Tendenz.

„Was tun mit unseren Krediten?” bittet der Kämmerer den Stadtrat um Entscheidung. Denn der Kapitalmarkt ist in Bewegung. Nur in welche Richtung, wie schnell und wie hoch er sich bewegen wird, das kann niemand genau vorhersagen. Zu viele Faktoren spielen dafür eine Rolle.

Beispielsweise schöpft die EZB das Geld wieder ab, das sie zur Überwindung der Wirtschaftskrise dem Markt zur Verfügung gestellt hat; das hatte bereits im Herbst zu einem kurzzeitigen Anstieg der Tagesgeld-Zinsen geführt. Beispielsweise sorgt die finanzielle Unsicherheit in Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und den USA für steigende Zinsen. Beispielsweise prognostizieren Sachverständige eine Verlangsamung des deutschen Wirtschaftsaufschwungs. Beispielsweise haben Regierungen ein großes Eigeninteresse an einem niedrigen Zinsniveau.

Argumente pro und kontra

Vorhersagen, Prognosen, Prophezeihungen über die weitere Zinsentwicklung gibt es ebenso zahlreich wie gegensätzlich. „Fragen Sie zehn Volkswirte, Sie erhalten zehn Meinungen”, verdeutlicht Dr. Zimdars die Schwierigkeit einer realistischen Einschätzung. „Es gibt Argumente pro und kontra für die langfristige Zinsfestschreibung ebenso wie für die weitere Nutzung der günstigen variablen Konditionen”. Nach Abwägen aller Informationen und Analysen „vertritt die Verwaltung eher die Auffassung, die derzeit variabel geführten Investitions-Darlehen vorerst nicht in ein langfristiges Kapitaldarlehen umzuwandeln.”

Damit Stolberg nicht in eine Zinsfalle tappt, wird die Kämmerei die Aktivitäten am Finanzmarkt weiterhin intensiv beobachten und die Entwicklung dem Stadtrat stets aktuell vor Augen führen. Denn der ist es, der letztlich die Entscheidung treffen muss - zunächst einmal am 18. Januar über das weitere Schicksal der kurzfristigen Investionskredite über 25,6 Millionen Euro.
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