Soko schreckt Blitzeinbrecher nicht ab

Von: mabie/-jül-
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Beim zweiten Einbruch in Stolberg schlugen die Täter einfach das Fenster ein und bedienten sich. Foto: J. Lange
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Mit Brettern gesichert: Passanten können nicht glauben, was sie sehen. Schon wieder ist die Parfümerie an der Kleikstraße in Herzogenrath heimgesucht worden. Ähnliche Blitzeinbrüche gab es bisher auch schon in Alsdorf, Baesweiler, Kohlscheid , Wegberg, Hückelhoven, Geilenkirchen, Heinsberg und Stolberg. Der Schaden für die Parfümeriekette belief sich bis dahin bereits auf eine sechsstellige Summe. Foto: M. Bienwald

Stolberg/Herzogenrath. Der Polizeibericht bezeichnet es als „brachiale Gewalt“, die von unbekannten Tätern bei einem Einbruch in einer Parfümerie an der Kleik­straße angewandt wurde. Für die Mitarbeiterinnen des Ladens bedeutet das ein großes Gefühl von Unsicherheit und Unbehagen, wenn sie am Morgen erstmal das unfassbare Chaos beseitigen müssen. Geht die Serie in der Städteregion Aachen und im Kreis Heinsberg im Spätsommer weiter?

Ersten Erkenntnissen zufolge sind in Herzogenrath drei Täter mit einem dunklen Audi-Avant rücklings an ein Schaufenster des Geschäfts gefahren. Nach dem Aussteigen haben sie wohl in Teamarbeit wahrscheinlich mit einem Vorschlaghammer die Schaufensterscheibe zertrümmert, sind durch das Loch in den Laden eingestiegen und haben dann in mitgebrachten Wäschekörben hochwertige Parfümerieartikel verstaut.

Einer steht Schmiere

Der Einbruchalarm löste um 2.49 Uhr am Montag aus, in dem Moment, als die Scheibe eingeschlagen wurde. Während der mit großer Gewalt blitzschnell ausgeführten Aktion hat vermutlich einer der Täter Schmiere gestanden.

Für das hohe Tempo, mit dem die Täter vorgingen, spricht auch, dass auf dem Bürgersteig noch einige Parfümpackungen verstreut liegen blieben, die beim Abtransport der Beute wohl aus den Körben gefallen waren.

Und für die Sachkenntnis über den Wert der entwendeten Waren spricht, dass laut Polizei kostengünstigere Pflegeprodukte unberührt zurückgelassen wurden. Hingegen wurden zwei mit teuren Artikeln gefüllte gläserne Ausstellungsvitrinen im Laden ebenfalls mit dem Hammer zertrümmert.

Bis November bereits zehn Fälle

Am 13. November war zuletzt in dieser Zeitung zu lesen, wie die Raubüberfälle der Drogeriekette zu schaffen machen. Damals gab es sogar Schüsse auf das Tatfahrzeug, der Hubschrauber kreiste nachts über Büsbach. Zehnmal hatten die Täter bereits zugeschlagen. Sieben Filialen in der Städteregion und drei im Kreis Heinsberg waren das Ziel. Das Muster der Taten identisch: Drei bis vier maskierte Täter fahren mit einem zuvor gestohlen Fahrzeug vor den Laden, schlagen Türe oder Fenster auf, packen hochwertiges Parfüm aus den Regalen und brausen wieder davon. Unterwegs wird das Fluchtfahrzeug gewechselt.

Schüsse in Stolberg

Zum zweiten Mal war es im November für die Täter, die zum zweiten Mal die Stolberger Becker-Filiale überfielen, brenzlig geworden: Als ein Streifenwagen sich dem Tatort näherte, sprangen die Täter in ihr Auto und brausten davon. Dabei rammten sie auf der Rathausstraße den Streifenwagen, mit denen die Beamten ihnen den Fluchtweg abschneiden wollten. Als sie auf die Polizisten zufuhren, die ihr Fahrzeug bereits verlassen hatten, griffen die Beamten zur Waffe und schossen auf die Reifen. Aber den Tätern gelang die Flucht.

Über die Rathausumfahrt führte ihr Weg in Richtung Büsbach. Später fanden die Polizisten das Fluchtfahrzeug in Höhe des Hauses Büsbacher Berg 46 – leer, zumindest das zuvor erbeutete Parfüm war verschwunden. Das Auto war bereits am 23. Oktober in Herzogenrath gestohlen worden.

Zunächst flüchteten die Täter zu Fuß weiter, aber ihre Spur verlor sich schnell. Auch der angeforderte Polizeihubschrauber mit Infrarotkamera brachte nicht den gewünschten Erfolg. Lange kreiste die „Hummel“ über den Dächern des Ortes.

In Hückelhoven fast gefasst

Bereits in der Frühe des 30. Oktobers hatten Beamte der Heinsberger Polizei die Täter greifbar nah vor der Nase nach einem Einbruch in die Becker-Filiale in Hückelhoven. Auf der Flucht sichtete eine Streifenwagenbesatzung das Tatfahrzeug am Ende der Autobahn A 46. Als der Fahrer die Beamten bemerkte, wendete er und fuhr als „Geisterfahrer“ zurück in Richtung Hückelhoven. Erneut verlor sich die Spur der Räuber im Dunkeln der Nacht.

„Soko Duft“

Die Heinsberger Kreispolizeibehörde richtete eine eigene Ermittlungskommission ein, und nach der Tat in Stolberg sollte das Aachener Polizeipräsidium die Federführung übernehmen, versuchen, anhand des Strickmusters und von Zeugenhinweisen den Tätern auf die Spur zu kommen, die möglicherweise vom benachbarten Holland aus operieren.

18 Filialen in drei Kreisen

18 Filialen betreibt Willi Becker alleine in der Städteregion sowie in den Kreisen Heinsberg und Düren. Überfallen wurden sieben, die beiden in Herzogenrath sowie die Stolberger Niederlassung bereits mehrfach. Nicht zum Aktionsradius der Täter zählen bislang das Dürener Kreis- und Aachener Stadtgebiet. Auch die drei Filialen des Mitbewerbers Douglas in Eschweiler, Düren und Aachen blieben bis dato verschont.

Was die Täter mit ihrer umfangreichen Beute machen, weiß die Polizei noch nicht genau. Als sicher gilt, dass es einen Abnehmer und einen Markt für das duftende Diebesgut gibt.

Die zehn Einbrüche

Bereits am 10. April 2010 wurde ein erster Blitzeinbruch in Herzogenrath verübt. Am 24. August 2012 ging die Serie in Kohlscheid weiter. Die nächsten Tatorte waren am 3. Oktober Kohlscheid, am 4. Oktober Geilenkirchen sowie am 5. Oktober Herzogenrath. Am 18. Oktober schlug die Bande erstmals in Stolberg zu, am 23. Oktober in Wegberg, am 30. Okotober in Hückelhoven und in Baesweiler. Erneut folgte eine Pause, bevor am 12. November erneut die Stolberger Filiale das Ziel der Täter war.

In der Regel lagen alle Tatzeiten zwischen 1 und 3 Uhr; nur der Überfall in Hückelhoven erfolgte vor Mitternacht. Stets wurden zuvor entwendete Autos und Kennzeichen verwendet.

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