Stolberg - So akkurat wie sie ist kaum eine Zweite

So akkurat wie sie ist kaum eine Zweite

Von: Mischa Wyboris
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Hat den Kniff raus: Céline Ackermann vom Stolberger „Hotel zum Walde” holt bei den Dehoga-Meisterschaften im IHK-Bezirk Aachen den zweiten Platz. Foto: M. Wyboris

Stolberg. Fernseher und Deckenlampe haben den Geist aufgegeben, im Mülleimer modert eine Bananenschale vor sich hin, Toilettenpapier und Handtücher sind unauffindbar, und in der Sofaritze steckt ein vergessener Schlüsselbund.

Wer dieses Hotelzimmer gebucht hat, wird als nächstes zum Hörer greifen, um die Rezeption anzurufen - und feststellen, dass die Leitung tot ist.

Besser, Céline Ackermann entdeckt diese Mängel, als wenn ein zahlender Gast es tut. Und die angehende Hotelfachfrau hat Glück: Sie findet fast alle „Fehler” im eigens für den Dehoga-Wettbewerb so hergerichteten Hotelzimmer und wird am Ende in ihrer Sparte unter acht Konkurrenten die zweitbeste Auszubildende im IHK-Bezirk Aachen.

„Die Arbeit mit Gästen liegt mir sehr am Herzen, weil jeder Tag etwas Neues bringt”, sagt die 22-Jährige aus dem Stolberger „Hotel zum Walde”. Ihre Chefin weiß die Leistung ihrer Auszubildenden gut einzuordnen: „Hotelfachleute findet man wie Sand am Meer, aber es gibt nur wenige, die zum Wettbewerb zugelassen werden - geschweige denn, unter den ersten Dreien landen”, sagt Hotelbetreiberin Eva Carlitz. Sie ist überzeugt: Die Tatsache, dass die ersten drei Plätze an Auszubildende privat geführter Betriebe gegangen sind, sei kein Zufall. „Bei Ketten-Betrieben herrscht deutlich mehr Fluktuation, die Privat-Hotellerie steht für Konstanz”, erklärt Carlitz.

Immer freundlich bleiben

Ein Ehepaar erscheint sichtlich genervt an der Rezeption. Das Bett sei durchgelegen, der Aufzuglärm unerträglich und die Kosmetikbehandlung vom Abend zuvor alles andere als zufriedenstellend. Auch bei dieser praktischen Prüfung im Zuge des Wettbewerbs behält Céline Ackermann einen kühlen Kopf. Was auch passiert: immer freundlich bleiben.

Dabei gehört zum Beruf der Hotelfachfrau weitaus mehr, als bloß höfliches Lächeln zu lernen. Küchendienst, Bardienst, Rezeptionsdienst, Schwimmhallendienst - wenn die 22-Jährige ihre Ausbildung im Juli nach drei Jahren beendet, weiß sie, was sie geleistet hat. „Ein Büro-Job wäre nichts für mich, ich muss mich den ganzen Tag bewegen”, sagt Céline Ackermann mit einem Lachen.

Das ist ihr kurz vergangen, als sie beim Wettbewerb plötzlich 20 verschiedene Lebensmittel benennen sollte. Nicht alles konnte sie erkennen - und was es war, das sie nicht erkannt hat, weiß sie bis heute nicht. „Das wird einem anschließend nicht verraten”, sagt Céline Ackermann. Genauso wenig weiß sie, welche Fehler sie im präparierten Zimmer übersehen hat. Zehn Minuten hatte sie während des Wettbewerbs Zeit, 15 Fauxpas zu entdecken. Im Ernstfall muss es sogar noch deutlich schneller gehen: Im Alltag bleiben für den Check jedes Zimmers oft nur drei, vier Minuten - so es keine gravierenden Mängel aufweist, erklärt Carlitz.

Auch wenn sich Céline Ackermann als Zweitplatzierte nicht für die Vorrunde zur Nordrhein-Meisterschaft qualifiziert hat: Sie ist aus einem anderen Grund froh, am Wettbewerb im Aachener Art-Hotel Superior teilgenommen zu haben. Da findet nämlich ihre Abschlussprüfung statt.
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