Stolberg-Werth - „Slotracing”: Alles andere als ein Kinderspiel

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„Slotracing”: Alles andere als ein Kinderspiel

Von: Heike Eisenmenger
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Konzentriert und begeistert: Mitglieder des 1. Stolberger Automodell Clubs beim Training. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Werth. Nicht die „Schieß-Stellung” einnehmen, schön locker hinstellen, und nur mit dem Zeigefinger die Taste fürs Gasgeben betätigen. Der Tipp der Modellauto-Enthusiasten ist Gold wert, schon klappt es deutlich besser. Bis der kleine Flitzer dann auf die gefährlichste Kurve der Rennstrecke zusteuert.

„Gas wegnehmen!”, hallt es noch, aber da ist es schon zu spät, und der Rennwagen schleudert aus der Spur, überschlägt sich und bleibt auf dem Dach liegen. In diesem Moment erinnert das Modellauto stark an eine Schildkröte auf dem Rücken - nur eben, dass statt der Beine vier Räder nach oben zeigen. Eins steht nach der Testfahrt beim „1. Stolberger Automodell Club 1963” fest: Es braucht viel Übung, um ein gutes Rennen fahren zu können.

Die Herren, die sich an diesem Abend in der ehemaligen Schule in Werth treffen, trainieren regelmäßig. In dem alten Gemäuer befindet sich der Vereinsraum. Was das Training angeht, haben die Modellautofans die Schlagzahl sogar erhöht: Denn gemeinsam mit Mitgliedern befreundeter Clubs bereiten sie sich auf das große Teamrennen am 24. Juni statt. Es findet im Rahmen der Veranstaltungsserie „Stolberg goes USA” statt. In ganz Stolberg werden im Juni die Vereinigten Staaten im Fokus stehen und auf unterschiedliche Weise den Interessierten nähergebracht. Dazu gehört auch, dass das legendäre „500-Meilen-Rennen von Daytona” nachgestellt wird - ein Slotracing-Rennen.

Kalle Stenten ist ein Slotracing-Enthusiast. Alle Mitglieder des 1963 gegründeten Clubs sind das. „Wir sind der älteste Slotracing-Club Deutschlands”, sagt der Breiniger stolz. Der Slotracing-Boom begann in den 60er Jahren. Von Großbritannien schwappte die Welle nach Deutschland über, und in Stolberg taten sich 1963 ebenfalls begeisterte Fans zusammen - es war die Geburtsstunde des 1. Automodell Clubs.

Das Teamrennen ist der Höhepunkt im diesjährigen Veranstaltungskalender des Clubs. Ein Sechs-Stunden-Teamrennen mit Riley-Slotcars von Sideway. Mit Slotit-Technik. „Sideway und auch Slotit sind Marken im Modellautobereich, so wie auch Carrera eine Marke ist”, erklärt der 63-jährige Stenten. Beim Rennen in Werth werden Teams gebildet. Jeder, der ein Slotcar (Maßstab 1:32) mitbringt, darf mitmachen.

Um die Rennstrecke kennenzulernen, bietet sich der Samstag (23. Juni) an: Den ganzen Tag lang können die Teilnehmer die Anlage testen, um die schwierigen Stellen ausfindig zu machen. „Dieses Rennen ist nichts für Kinder, das Hobby als solches auch nicht. Es braucht schon ein bestimmtes Alter, weil die Technik sehr anspruchsvoll ist”, stellt Kalle Stenten klar.

Echte Slotracing-Fans sind „Schrauber” vom Scheitel bis zur Sohle. Clubmitglied Markus Löhrer hat eines seiner Autos in die „Werkstatt” gebracht. Hier gibt es eine lange Arbeitsplatte mit Werkzeugkästen, dort lagern Reifen unterschiedlicher Machart, Bremsanlagen, Kabelrollen, Lötkolben - eben all das, was für die Instandsetzung der kleinen Flitzer nötig ist. Ohne Tuning könne man kein Rennen gewinnen, „das ist wie in der Formel I”, betont Löhrer. Dort seien ja auch die Wahl des richtigen Reifens und des Motors sowie Nuancen in der Feinabstimmung entscheidend dafür, ob man als Sieger aus dem Rennen hervorgehe oder nicht. „Der Aufbau des Chassis, der Motor und diese Dinge sind eine Wissenschaft für sich”, meint Löhrer. „Das hier”, sagt der Stolberger und nimmt das Modellauto in die Hand, „ist der Rennsport des kleinen Mannes”.

Sein Miniaturflitzer ist getunt und wird zurück auf die Anlage gesetzt. Die Rennstrecke bestimmt den kompletten Raum. 30 Meter lang, sechs Spuren. „Das ist die einzige Hochgeschwindigkeitsbahn aus Holz in der Region, die haben wir selbst gebaut”, so Stenten.

Auch das Modellauto von Günter Rüben von „Uwes Raceway”, ebenfalls ein Club aus Stolberg, zieht unermüdlich seine Kreise. Die Rundenzeiten werden natürlich gemessen, Ziel ist es, noch schneller zu werden. „Das Training vor dem Rennen ist sehr wichtig, um die Besonderheiten der Strecke zu verinnerlichen.” Doch das sei nicht der alleinige Grund, warum er hier sei. „Ich finde es einfach schön, mit anderen dieses Hobby zu teilen.” Alleine für sich in einem Keller zu fahren, findet er langweilig. „Einsam zu fahren, ist nie gut”, sagt Rüben.

Wer sich für Modellbau und Modellautos interessiert, ist zu den Clubtreffen eingeladen. Training ist jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat in der Werther Schule.

Die Geschichte des Slotracing (Englisch „slot” für Schlitz) beginnt 1950: In England kommt das „Railracing” in Mode. In Gaststätten werden mit selbst gebauten Modellautos Rennen gefahren.

Über eine Führungsschiene werden die Flitzer, die an der Unterseite mit einem Kontaktband ausgestattet sind, mit Strom versorgt. Gesteuert werden sie mit einem Handregler.

In den 1960er Jahren wird Slotracing zum Trend: In den USA locken Rennen mit attraktiven Preisgeldern. Der technische Höhepunkt ist in den 70er und 80er Jahren. In den 90ern kommt Carrera in Mode und der Boom um Slotracing ebbt ab.

Das Sechs-Stunden-Teamrennen im Rahmen von „Stolberg goes USA” startet am Sonntag, 24. Juni, in der ehemaligen Schule in Werth (Dorfstraße) um 11 Uhr. Zuvor bietet sich reichlich Gelegenheit zum Trainieren - am Samstag von 15 bis 20 Uhr und am Veranstaltungstag noch einmal von 8 bis 9.30 Uhr.

Das Startgeld beträgt 25 Euro. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es per E-mail unter mail@sac-stolberg.de oder auf der Homepage des Vereins.

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