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Skulpturengarten in der Bleihütte eingeweiht: Mitarbeiter inspirieren Künstlerin

Von: Jürgen Lange
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Die überdimensionale Familie der Bleihütte: Robert Mertens, Werner Küsters, Anja Weinberg und Dr. Urban Meurer (v.l.) bei der Einweihung des Skulpturengartens mit dem Ensemble „Blei, Silber, Gold“, das in enger Kommunikation mit den Beschäftigten entstand. Foto: J. Lange

Stolberg. Es ist nicht nur ein außergewöhnliches Projekt, das die Stolberger Bleihütte einer begeisterten Belegschaft und faszinierten Öffentlichkeit präsentiert, sondern es unterstreicht deutlich das neue Selbstbewusstsein des heutigen Vorzeigeunternehmens. „Wir sind gut unterwegs“,formuliert Dr. Urban Meurer zurückhaltend; die Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer floriert, investiert, expandiert und stellt ein. Und die Mitarbeiter sind stolz, „op d‘r Hött“ zu sein.

Sie waren es auch, die ganz entscheidend zur Inspiration von Anja Weinberger beigetragen haben. Die Künstlerin wurde während ihres Schaffensprozesses zur Kollegin. „Blei, Silber, Gold“ ist der Titel der Skulpturengruppe, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Vater, Mutter und Kind – „die Mitarbeiter können sich in dem Ensemble wiederfinden“, würdigt Kunstkritiker Stefan Skowron das Ergebnis des interaktiven Schaffensprozesses.

Begonnen hat der eigentlich mit der Frage, wie der kleine Platz vor der Werkskantine genutzt werden kann, auf dem drei Mammutbäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden mussten. Schnell kamen in Gesprächen Dr. Urban Meurer und Robert Mertens von der Aachener Galerie „Freitag 18.30“ bei ihren Überlegungen, Kunst für alle zu schaffen, auf die Objektkünstlerin aus Wesel.

Die 42-jährige Autodidaktin hatte zwar schon lebensgroße Figuren erstellt, aber die Stolberger Dimensionen wurden dann doch zu einer Herausforderung, als sie am 22. Mai die Arbeit aufnahm und erst einmal sondierte. Und geleichzeitig sondiert wurde – durch die Belegschaft, wie Jürgen Mülle­jans humorvoll erzählt. „Zuerst hieß es, sie würde etwas schnitzen“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende von den Kommentaren der Kollegen. Und als die Künstlerin dann mit der Kettensäge anrückte, haben sie ihr die Arbeit zunächst nicht zugetraut. Erst mit und mit, als aus Baumstümpfen Figuren wurden, wuchs nicht nur die Achtung, sondern Anja Weinberg wurde quasi in die Belegschaft aufgenommen.

Gemeinsam wurde gegessen, viel miteinander gesprochen, und die Künstlerin machte die für sie neue Erfahrung, dass ihr bei der Arbeit regelmäßig über die Schulter geschaut wurde. Es entstand ein vertrautes Verhältnis. „Am Anfang überwog eine gewisse Skepsis“, erzählt Anja Weinberg bei der Vernissage. „Um so schöner war es, als ich merkte, jeden Tag ein bisschen mehr akzeptiert und eingebunden zu werden.“ Und das war das Ziel der Künstlerin, die Belegschaft mit zu nehmen bei dem Schaffensprozess und sie für Kunst zu begeistern. „Ich glaube, das ist gelungen“, sagt Anja Weinberg charmant mit strahlenden Augen und blickt in eben solche auf den Seiten der Belegschaft.

Kooperation mit Bio-Station

Die Mutter mit der Butterbrotdose, das Kind mit dem Ball und der Arbeiter mit Helm und Atemschutz – das sind überdimensionale Objekte, in denen sie sich wieder finden können. „Das Konzept, die Menschen im Spannungsfeld ihres Arbeitsplatzes und der Umwelt darzustellen, ist aufgegangen“, freut sich Dr. Meurer. Und wie wichtig der Bleihütte der Umweltschutz ist zeigt sich an einer weiteren Partnerschaft mit dem Nachbarn. Josef Wegge, Leiter der Biologischen Station der Städteregion, nutzt die Gelegenheit sich für das Engagement der Bleihütte zu bedanken.

Vielfältige Unterstützung erfahren die Naturschützer durch Berzelius. So ist beispielsweise das Projekt zum Erhalt der Flussperlmuschel nur dank der Förderung durch die Bleihütte möglich, die an ihrem Standort von europäischen Naturschutzgebieten umschlossen ist. Umweltschutz, Kreativität, Ingenieurskönnen und Kunst ergänzen sich hier bestens, so Wegge. „Ein vorbildliches Engagenemt“, hebt auch Bürgermeister Ferdi Gatzweiler in einer kurzen Würdigung hervor, bevor die zahlreichen Gäste der Vernissage die Figuren, zu deren Füßen Werner Küsters eine feine Grünanlage gestaltet hatte, aus der Nähe betrachten können. Eine Ausstellung mit kleinformatigen Werken von Anja Weinberg in der Kantine rundet die Einweihung ab. Und eins wird an diesem Vormittag deutlich: „Die Belegschaft der Bleihütte wird ihre Künstlerin vermissen und Anja Weinberg ihre neuen Kollegen“, sagt Dr. Urban Meurer.

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