Stolberg - Skandal in Stolberg? Architekt bezahlt statt Spielzeug zu kaufen

Skandal in Stolberg? Architekt bezahlt statt Spielzeug zu kaufen

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Zäune bestimmen heute das Bild auf dem Büsbacher Schulhof: Drei defekte Spielgeräte sind so abgesichert. Die erst vor zehn Tagen vorgelegten Pläne für einen Ausbau als Spielplatz stoßen derweil auf Ablehnung der Schulleitung; sie müssten sich stärker an einer vorwiegend schulischen Nutzung orientieren. Foto: J. Lange

Stolberg. Zunehmend in die Schusslinie der Gestaltungsmehrheit gerät das Jugendamt der Stadt wegen einer schleppenden Vorgehensweise und unzureichender Informationspolitik bei der Einrichtung von Kinderspielplätzen. Grüne wie SPD machten ihre Kritik fest an den Projekten Friedrich-Ebert-Straße und Grundschule Büsbach.

„Ich bin entsetzt”, sagte am Mittwochabend Marita Stahl (Grüne) im Bauausschuss zu dem bereits eingeweihten Spielgelände in der Velau.

Das Entsetzen löste zwar weniger das handschriftliche Antwort-Fax aus der Verwaltung auf eine offizielle Anfrage, denn dessen Inhalt aus. Denn entgegen von Planung und Beschlusslage fehlen auf dem Spielplatz eine Schaukel und eine Bank.

Und zwei Wippen sollen von anderen Spielplätzen demontiert und dort aufgesetzt werden, zitierte Stahl aus dem Schreiben. Das eigentliche Entsetzen löste aber die Begründung dafür aus: Die Kosten für den Architekten, der den Spielplatz geplant hatte, waren so hoch, dass sie bei den Spielgeräten wieder eingespart werden mussten!

Auch die fachliche Erläuterung von Fachbereichsleiter Josef Braun über diese Maßnahme des Jugendamtes konnte die Verärgerung der Politik nicht besänftigen. „Die Mittel für den Spielplatzausbau waren begrenzt.” Ein Architekt habe mit der Planung beauftragt werden müssen, weil die Kapazität der Verwaltung dafür nicht ausreiche. Und mit dem limitierten Geld habe das Jugendamt auskommen müssen. „Dann hätte man den Rat zumindest darüber informieren müssen”, zeigte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Wolf in einer ersten Stellungnahme am Abend ebenso entsetzt.

Wolf hatte bereits am Vortag im Hauptausschuss das Jugendamt kritisiert, weil es über Monate die Leitung der Büsbacher Grundschule an der Planung des Spielplatzes auf dem Schulhof nicht beteiligt hatte und kein Einvernehmen herstellen konnte. Denn der Schule waren erst am Montag vergangener Woche die Pläne vorgelegt worden, dabei hatte die Grundschule erst „nach acht Monaten auf mehrfacher Nachfrage” erstmals Entwürfe zu Gesicht bekommen. Dagegen befand bereits am gleichen Abend die Schulkonferenz, dass sie einem solchen Entwurf unmöglich zustimmen könne, denn dieser „berücksichtigt nicht die weiter vorrangige Nutzung des Geländes als Schulhof für 360 Kinder”, die in der Ganztagseinrichtung unterrichtet werden. Die Schulleitung, die gegenüber der Initiative „Büsbach hat Zukunft” ihre grundsätzliche Bereitschaft zu den Spielplatz-Plänen signalisiert hatte, bemängelte die Details: Eine zusätzliche, 47 Meter lange Zaunanlage soll den Schulhof weiter verkleinern. Aus hygienischen Gründen einer wahrscheinlich missbräuchlichen Nutzung als Hunde- und Katzenklo wird ein Sandkasten abgelehnt. Kritisch gesehen werden Fragen des Lärmpegels bei laufendem Unterricht und Versicherungsfragen. „Eine Einschränkung des Pausen- und Schulbetriebs muss auf jeden Fall verhindert werden”, betont die Schulkonferenz.

Und Dieter Wolf betonte unmissverständlich, dass das Einverständnis der Schule zu dem Spielplatz-Projekt vorliegen müssen, denn „das ist der Schlüssel zum Erfolg.” Dass eine einvernehmliche Regelung noch immer nicht vorliegt, stößt bei der SPD auf „absolutes Unverständnis”. Schließlich ist die Büsbacher Spielplatz-Not seit Anfang 2007 ein Thema, für dessen schnelle Lösung sich die Sozialdemokraten stets stark gemacht hatten.

Zwar stellte der Hauptausschuss einstimmig die von der Verwaltung gewünschten Mittel - 60.000 Euro in diesem, 90.000 Euro im kommenden Jahr - bereit, warnte sie aber ebenso eindringlich davor, „auch nur einen Bagger anrollen zu lassen bevor nicht das Einvernehmen mit der Schule erzielt ist”, formulierte Wolf.
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