Sisyphos und der Stein, Paulus und die Löcher

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Um die Risse verschwinden zu lassen, verteilt Marco Isecke den Haftkleber, den Andreas Kreutz augebracht hat.
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Kraterlandschaft: TBA-Leiter Georg Paulus zeigt auf die zu flickenden Stellen auf der Straße Am Allmannshof. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Wer in Stolberg unterwegs ist, mutet seinen Stoßdämpfern mitunter einiges zu: Schlaglöcher machen die Straßen auf einigen Abschnitten zum Hindernisparcours. Nachdem der Frühling es nicht wirklich geschafft hat, die kalte Witterung abzulösen, sind in der gesamten Stadt die Straßenschäden erst seit einigen Wochen sichtbar.

Die Trupps des Technischen Betriebsamtes (TBA) sind nicht zu beneiden. Ihre Aufgabe gleicht der des griechischen Helden Sisyphos. Der wurde von den Göttern bestraft und musste sodann einen Stein bergauf rollen. Immer, wenn er dem Gipfel greifbar nahe war, rollte der Stein zurück. Ganz schön dämlich – an der Schlaglochfront geht es ähnlich: Kaum ist eines der Löcher gestopft, tut sich an anderer Stelle ein neues auf. Die Arbeit nimmt einfach kein Ende. Und dann ist da natürlich noch die Sache mit dem Geld.

Oder eher gesagt mit dem nicht vorhandenen: 420.000 Euro sind im aktuellen Haushaltsplan für die Unterhaltung von Straßen und Wegen vorgesehen, teilt Bernd Kistermann auf Anfrage. Davon sind 200.000 Euro beim städtischen Tiefbauamt angesiedelt, die anderen 22.0000 hat das Technische Betriebsamt angemeldet. Das ist eine Summe, mit der die Verkehrssicherheit gewährleistet werde, sagt der Fachbereichsleiter, „denn dafür treten wir an. Kosmetik und Schönheit können wir uns in der jetzigen Haushaltssituation nicht leisten“. Ein gesundes Maß an Unterhaltungskosten und Investition sei gefragt.

„Was wir hier machen, ist nichts für die Ewigkeit. Um die Straßen vernünftig zu machen, müssten sie ausgeschachtet und schon vom Unterbau an neu aufgebaut werden“, sagt Andreas Kreutz. Der Straßenwärter arbeitet seit 1979 beim Bauhof, er weiß, wovon er spricht, wenn es um Löcher und Risse in Stolbergs Straßen geht. Heute ist er mit seinen Kollegen Marco Isecke und Eduard Nickel den ganzen Tag in Mausbach unterwegs, „Decke machen“, wie er sagt.

„Decke machen“, das bedeutet Löcher flicken und den Straßenrand ausbessern, der wegzubrechen droht. „Das sind nicht nur klassische Frostschäden“, sagt TBA-Leiter Georg Paulus. Die Fahrspur auf der Straße Am Allmannshof ist dermaßen gerissen, dass es tatsächlich nicht mehr lange braucht, bis der Rand weg bricht. „Viele der Straßen waren früher Feldwege. Beim Bau legte man sie nicht so aus, dass sie in Zukunft einmal so hohe Radlasten tragen könnten. „Wenn hier 40-Tonner drüber fahren, ist es kein Wunder, dass sich die Ränder wegdrücken“, so Paulus. Aber immer nur flicken? Ist das nicht reine Flickschusterei? „Für den Moment ist es die günstigste Lösung, unsere Aufgabe ist die Reparatur und Instandhaltung, für mehr ist kein Geld da.“ Der Straßenneubau muss, wenn es nach Georg Paulus ginge, intensiver betrieben werden, um den Gesamtzustand einigermaßen passabel zu halten.

Um die Straße oberhalb von Werth und Mausbach wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen, schüttet Andreas Kreutz eine zähe Masse auf die Oberfläche. Eigentlich würde dieser Haftkleber per Anspritzpumpe aufgebracht werden, die hat aber gerade den Geist aufgegeben, so dass Handarbeit gefragt ist. Marco Isecke verteilt den Kleber mit einem Besen. Zwischenzeitlich holt Eduard Nickel Asphalt, der im zweiten Schritt aufgetragen wird. Zu guter Letzt wird das Ganze mit einer Walze verdichtet.

Schlaglöcher flicken ist laut Paulus kein ständiger Prozess, an erster Stelle stehe die Gefahrenabwehr. „Wir sind viel mehr für Pflaster- und Plattierungsarbeiten unterwegs, da ist das Gefahrenpotenzial einfach größer“, so der TBA-Leiter. Wenn der erste Grünschnitt vorbei ist – dieses Jahr war das erst im Mai – werden Löcher gestopft. So mühselig und vor allem endlos diese Arbeit auch zu sein scheint, Kreutz‘ Kolonne ist bester Laune. Nur wenn ein Auto zu schnell an der wandernden Baustelle vorbei heizt – und das kommt trotz entsprechender Warnsignale wie Pylonen und Blinklicht ziemlich oft vor – ärgert sich der Bauhof-Trupp. „Wir spielen hier jeden Tag mit unserem Leben, das ist nicht übertrieben“, sagt Andreas Kreutz.

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