Sistermanns exotischer Privat-Zoo

Von: Heike Eisenmenger
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Da ist aber jemand müde: Ralf
Da ist aber jemand müde: Ralf Sistermann mit dem Nachwuchs seiner Nasenbärin. Der Stolberger Tierexperte hält sich allerlei exotische Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Seinen Rüssel steckt der junge Nasenbär im Grunde überall rein, fast jedenfalls. Neugierig schnüffelnd, sondiert er die Lage und ist ganz entspannt in der Hand von Ralf Sistermann.

Am liebsten würde man den Nasenbären knuddeln und streicheln, aber das wäre keine gute Idee. Der fremde Menschengeruch würde die Mutter derart beunruhigen, dass sie ihr Junges verstößt, sagt Sistermann.

„So niedlich der Kleine auch aussieht, darf man nicht vergessen, dass ein Nasenbär ein Raubtier ist”, sagt Sistermann, der im Garten auf dem Donnerberg in Stolberg ein 160 Quadratmeter großes Refugium für kleine Exoten geschaffen hat. Eine Art Privat-Zoo, in dem Kleinfleck-Ginsterkatzen, Stinktiere, Nasenbären, Fledermäuse, Rennmäuse, Goldhamster und andere Tiere leben.

Eine Zeit lang wohnten dort auch zwei Truthahngeier, die er liebevoll hochpäppelte und darauf vorbereitete, Leichen aus der Luft aufzuspüren. Einer der Geier starb, aber das überlebende Tier wird seit Monaten in einem Vogelpark von Spezialisten des Landeskriminalamtes Niedersachsen trainiert, Leichenfundstellen durch Kreisen in der Luft anzuzeigen.

Mit Vögeln hat alles angefangen. Sistermann wollte als Kind unbedingt einen Hund. Stattdessen bekam er einen Wellensittich. Der Wellensittich weckte sein Interesse für Exoten, und mit gerade mal zwölf Jahren beantragte Ralf Sistermann die Genehmigung zur Papageienzucht.

Noch immer macht es den Stolberger fassungslos, wenn er die Opfer vermeintlicher Tierliebhaber vor Augen sieht: Papageien, die sich vor lauter Einsamkeit und Monotonie ihre Federn ausreißen. „Papageien brauchen Gesellschaft, aber es ist keine Lösung, willkürlich unterschiedliche Arten zusammenzuhalten. Das ist ungefähr das gleiche, als würde ich Sie zusammen mit einem Affen in einen Käfig stecken. Sie wären zwar nicht allein, aber wirklich etwas anfangen können Sie mit einem Affen natürlich nicht.”

Mit 24 Jahren entdeckte Sistermann die faszinierende Welt der Goldhamster und Rennmäuse. Im Laufe der Jahre schreibt er Fachartikel über die Exoten und ist mit ihnen im TV zu sehen. Allein von seinem Gehalt als Lehrer für Biologie und Deutsch an einer Gesamtschule in Eschweiler kann er schließlich seinen kleinen Zoo nicht unterhalten. Frisches Obst und Gemüse, Küken, Ratten, Mäuse, Spezialfuttermischungen und der Tierarzt kosten Monat für Monat viel Geld.

Der kleine Nasenbär soll später in Filmen mitwirken und Kindern die Faszination der Tierwelt in Form eines lebendigen Biologieunterrichtes näher bringen.

Bei seinen Auftritten im Fernsehen hat Sistermann schon die Sorge, dass Zuschauer die Haltung eines Wildtiers mit der eines Pudels verwechseln. „Sie sehen nur das Niedliche, blenden die Bedürfnisse des Tieres aus oder wollen diese sie einfach nicht sehen.”

Eine artgerechte Haltung erfordere viel Wissen, setze ein Maximum an persönlichem Einsatz voraus und sei kostintensiv. „Urlaub ist da nicht drin”, stellt der 39-Jährige klar. Und was passiert, wenn er krank wird? „Für diesen Fall ist vorgesorgt”, sagt Sistermann. An jeder Box bzw. an jedem Gehege ist eine detaillierte Fütter- und Pflegeanweisung angebracht und er hat Freunde, die eingespielt sind.

Ein Biss in die Nase

Betreten dürfen Fremde zur Zeit den Pavillon mit überdachtem Gehege nicht: Die Tiere ziehen ihre Jungen groß und reagieren auf Störungen mit Stress. Die Mutter des kleinen Nasenbären hat Sistermann in die Nase gebissen. „Es ist meine Schuld, ich bin den Kleinen zu nahe gekommen, ich hatte gar nicht bemerkt, dass sie auf der Welt sind”, sagt Sistermann. Im Krankenhaus glaubte der behandelnde Arzt, Sistermann nehme ihn auf den Arm, als er erzählet, ein Nasenbär habe ihn in die Nase gebissen.

Welcher Natur ist die Beziehung zu seinen Tieren? „Sie brauchen mich nicht als Kumpel oder Herrchen, ich bin ihr Futtergeber”, sagt Sistermann. Die Faszination liegt für ihn darin, die Tiere zu beobachten, zu sehen, wie sie gedeihen und dass es ihnen gut geht. „Sicher reagieren sie auf mich anders als auf einen Fremden, aber es besteht keine Beziehung wie beispielsweise die, die man zu einem Hund hat.”

Seinen Kinderwunsch hat er sich erfüllt: Zwei äußerst verspielte Vierbeiner streichen um die Beine und stupsen den Besuch mit ihren feuchten Nasen.
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