Städteregion - Sind Produktionsschulen in der Städteregion gefährdet?

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Sind Produktionsschulen in der Städteregion gefährdet?

Von: Michael Grobusch
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Theoretische und praktische Erfahrungen im Garten- und Landschaftsbau können Jugendliche und junge Erwachsene in der Produktionsschule des VabW in Alsdorf sammeln. Foto: VabW

Städteregion. Die Träger sprechen von einem Erfolgsmodell, das Land spricht von einer unzureichenden Erfolgsquote: An den Produktionsschulen scheiden sich offenbar die Geister. Und das wird, so hat es Karl-Josef Laumann (CDU) jetzt angekündigt, Konsequenzen haben: Im August will das Land die finanzielle Förderung der Produktionsschulen einstellen und stattdessen das Werkstattjahr wieder einführen.

Das Modell gab es schon mal im vergangenen Jahrzehnt. Der zuständige Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales hieß damals wie heute Laumann.

In der Städteregion gibt es drei Produktionsschulen an vier Standorten: im Nordkreis (Alsdorf und Herzogenrath), in Eschweiler und in Aachen. Allesamt werden sie von einem Verbund aus sieben freien Trägern betrieben – mit dem Ziel, schwer vermittelbare junge Menschen, die keinen ausreichenden Schulabschluss haben und die für die Regelangebote der Berufsvorbereitung nicht geeignet sind, an eine Ausbildung oder Erwerbstätigkeit heranzuführen. Insgesamt stehen 111 Plätz zur Verfügung – noch.

Voigt-Küppers ist entsetzt

Das Ende scheint besiegelt, die Pläne der Landesregierung stehen. Das hat Karl-Josef Laumann in seiner Antwort auf eine Anfrage von Eva-Maria Voigt-Küppers, die unserer Zeitung vorliegt, bekräftigt. Die SPD-Landtagsabgeordnete ist entsetzt: „Hier wird ohne Not ein System zerstört, das sich in der Praxis bewährt hat, weil es Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen, hilft.“

Es sei vielfach gelungen, junge Leute mit sogenannten Mehrfachverhinderungsgründen in einen strukturierten Tages- und Arbeitsablauf einzubinden. „Das funktioniert, weil der Anteil an Sozialarbeitern sehr hoch ist und das Wirtschaftliche nicht im Vordergrund steht.“

Im Werkstattjahr müssten die Teilnehmer hingegen bis zu sechs Monate in einem „normalen“ Betrieb verbringen. Und die Theorie werde überwiegend in Berufskollegs vermittelt. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das sehr oft nicht funktioniert“, betont Voigt-Küppers, die von 2000 bis 2010 selbst als Erzieherin in einer Jugendwohngruppe gearbeitet hat.

Die vom Land als Argument angeführten Zahlen hält sie für falsch: „Da ist von einer 60-prozentigen Abbruchquote die Rede, ohne dass berücksichtigt wird, dass die Hälfte dieser Abbrüche durch den frühzeitigen Übergang in ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis bedingt sind. Die Produktionsschule führt also in 70 Prozent der Fälle zum Erfolg und bewahrt die Betroffenen so vor einem vielleicht lebenslangen Sozialhilfebezug.“

Bei den städteregionalen Trägern stößt der Plan der Landesregierung ebenfalls auf wenig Verständnis. „Das Konzept der Produktionsschulen hat zwei bis drei Jahre gebraucht, um eine verlässliche und in der Region verankerte Arbeitsstruktur zu schaffen. Ich befürchte, dass wir jetzt ein erfolgreiches Angebot neu erfinden müssen“, schüttelt Frank Numan, Geschäftsführer des Vereins für allgemeine und betriebliche Weiterbildung (VabW), den Kopf. „Es gelingt uns, kaum beschul- und vermittelbaren Jugendlichen den Sinn und die Lust am Arbeiten und Lernen wieder zu vermitteln, indem wir sie an kompletten Produktionsprozessen – von der Akquise bis zur Abrechnung – beteiligen.“

Der entscheidende Vorteil der Produktionsschule sei, dass sie theoretische und praktische Elemente unter einem Dach vereine. „Die jungen Menschen müssen nicht in eine Regelschule oder in einen Regelbetrieb gehen. Dass dies jetzt wieder rückgängig gemacht werden soll, halte ich für pädagogisch sehr bedenklich.“

Ähnlich äußert sich Peter Brendel von der Low-tec gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft mbH. „Wir haben das Werkstattjahr zur Produktionsschule weiterentwickelt. Es kann doch nicht sein, dass es jetzt zurück zu den Anfängen gehen soll “, meint der Geschäftsführer. Das Land wolle zudem das Höchstalter von derzeit 25 auf 18 senken. Das sei völlig kontraproduktiv und führe am Bedarf vorbei.

Mit einer Bewertung hält sich Jonas Paul vom Bildungsbüro der Städteregion derweil noch zurück. „Die Produktionsschule ist ein integraler Bestandteil des Übergangssystems Schule-Beruf. Aber solange das neue Konzept noch nicht im Detail bekannt ist, ist es auch schwer zu beurteilen.“ Besagte Details dürften in Kürze folgen. Denn Karl-Josef Laumann hat angekündigt, dass die Ausschreibung der Werkstattjahr-Projekte bis Ende März erfolgen soll.

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