Stolberg - Signale schweben neben der Euregiobahn ein

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Signale schweben neben der Euregiobahn ein

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Die Bodencrew muss das geleife
Die Bodencrew muss das geleiferte Signal einfangen, auf dem Fundament platzieren und befestigen. Foto: J.Lange

Stolberg. Er muss Nerven wie Stahlseile und das Fingerspitzengefühl eines Uhrmachers haben: Torsten Koopmann braucht am Steuerknüppel seines Eurocopters AS 350 außerdem ein scharfes Auge. Es kommt auf Zentimeter und Millimeter an bei seinem Job am Hauptbahnhof und am Haltepunkt Altstadt.

15 Signale werden per Hubschrauber an ihre Standorte im Gleisfächer der regionalen Drehscheibe des Personen- und Güterverkehrs platziert - bei laufendem Zugbetrieb. Die Stolberger Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) präsentiert den Reisenden am Morgen Nervenkitzel und ein Schauspiel seltener Güte. Rasch zücken Passanten Fotoapparat oder Handy für ein Erinnerungsbild. Fahrgäste in ICE, Thalys, Regionalexpress und -bahn dürcken sich in der langsamen Vorbeifahrt die Nasen platt an den Waggonscheiben.

Bis zuletzt ungewiss blieb der Termin für diese Montageaktion, sagt EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil. Wetter- und vor allem Windverhältnisse müssen für den Helickoptereinsatz passen. Bei den Wind- und Regenböen am Vorabend machte sich noch ein ungutes Gefühl breit. Aber bei strahlendem Sonnenschein und ruhigen Windverhältnissen am Morgen laufen die Montagearbeiten dann schneller und problemloser als erwartet. Schließlich sind sie gut vorbereitet, wie Christian Seeleke versichert. Der Projektleiter von Siemens hat bereits mehrfach mit dem Helikopter-Unternehmen Koopmann aus Sommerland vor den Toren Hamburgs zusammengearbeitet. „Die Auslastung der Gleise des Stolberger Hauptbahnhofs gab den Ausschlag zum Einsatz des Hubschraubers”, erklärt Seeleke. Die Strecke zwischen Aachen und Köln ist eine der meist befahrenen Deutschlands. Der Stolberger Bahnhof der Dreh- und Angelpunkt für die Euregiobahnverbindungen; und hin- zu kommt der starke Güterverkehr. „Da hätten wir selbst nachts keine ausreichenden Zeitfenster gehabt, um vom Boden aus die Montage vorzunehmen”, sagt Seeleke. Zumindest nicht an den besonders sensiblen Stellen im breit gefächerten Gleisnetz mit zahlreichen Oberleitungen, Gebäuden und bestehender Signaltechnik. Aber für den Hubschraubereinsatz bot sich die geringere Auslastung des Schienennetzes an diesem Sonntagmorgen geradezu an.

Die Vorbereitungen für die Montage waren im Frühjahr noch im nächtlichen Einsatz erfolgt, als unter starken Sicherheitsvorkehrungen die Fundamente für die neuen Aus- und Einfahrsignale betoniert werden. Während sie aushärten, werden Kabel gezogen und die Installation vorbereitet.

Jetzt liegen die einzelnen Signalmasten durchnummeriert in einer abgelegenen Ecke des Rangierbahnhofs aufgereiht. Koopmann nimmt sie mit einem langen Seil unter seinem Eurocopter auf, fliegt den genau bestimmten Ort im Hauptbahnhofsbereich an, und lässt das Signal zwischen Hochspannungsleitungen und anderen Hindernissen punktgenau ab.

Die Bodencrew packt das unter dem Signal hängende Seil und lotst die 500 Kilogramm schwere Technik auf die wenige Quadratzentimeter großen Fundamente mit vier Gewindestangen an jeder Ecke. Per Funk gehen die Anweisungen vom Boden an den Piloten: „ein wenig nach rechts, etwas höher, etwas tiefer, jetzt...” Bis die Verschraubung angezogen ist, sichert der Hubschrauber das Signal; dann klinkt Torsten Koopmann das Seil aus und holt den nächsten Signalmast, während am Boden zwei Trupps von Standort zu Standort eilen. Natürlich unter großen Sicherheitsvorkehrungen durch Streckenposten und in ständigem Kontakt mit den Verantwortlichen im Stellwerk, die passgenau zum Bahnfahrplan für die Montage die jeweiligen Gleisabschnitte kurzzeitig sperren, während dafür andere Sicherheitsposten dort die Oberleitung erden.

Alles verläuft wie am Schnürchen. Eine Pause gönnt Koopmann seinem Eurocopter - zum Auftanken während der Durchfahrt des ICE nach Köln.

Die nutzen die EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil und Christian Hartrampf für einen aktuellen Blick in den Umbau des Empfangsgebäudes. In dem aus 1888 stammenden Gebäude werden die Kabel der installierten Signale und viele weitere mehr zusammenlaufen. Hier entsteht neben dem neuen Betriebssitz der EVS das zentrale Stellwerk für die rund 70 Kilometer „Nebenstrecken”. Im Dezember sollen die DB- und die EVS-Strecken technisch komplett getrennt werden. Nur die beiden Hauptgleise 1 und 2 bleiben in Stolberg in der Regie der Bahn. Das komplette übrige Euregiobahnnetz - von Langerwehe und Eschweiler über Herzogenrath und Alsdorf (dort werden im Dezember die drei neuen Haltepunkte Kellersberg, Mariadorf und Poststraße in Betrieb genommen) bis zum riesigen Stolberger Gleisfächer und der Altstadt-Route - wird dann vom Hauptbahnhof aus gesteuert.

Bis dahin müssen 88 Kilometer Kabel verlegt, 70 Weichenantriebe neu ausgestattet und 55 Signale installiert werden - die verbleibenden übrigens in konventioneller Bodenmontage.

Im September kann Siemens mit dem Einbau der modernen, computergestützten Technik im alten Bahnhofsgebäude beginnen. „Wir haben insgesamt 13 Monate Zeit für dieses Projekt, das unter anderer Regie sicherlich zwei Jahre dauern würde”, sagt Seneke zu dem sportlich ambitionierten Zeitplan. Und Thomas Fürpeil lobt die gute Zusammenarbeit „unter den Privatunternehmen”. Für die EVS geht dann der Ringschluss für das Euregiobahnnetz in die abschließende Phase: Die stillgelegte Strecke nach Alsdorf, vorbei an Steinbachshochwald und mit weiteren Haltepunkten in Merzbrück und St. Jöris wird reaktiviert. Die Arbeiten am neuen Kopfgleis vor dem Stolberger Hauptbahnhof haben bereits begonnen. Im Dezember 2012 soll die Route planmäßig in Betrieb gehen. Dann hat die Stolberger EVS neben der Anbindung Aachens über Würselen vor allem noch die Wiederinbetriebnahme des Breiniger Bahnhofs für den Regelbetrieb im Visier.

Testen kann man die Strecke übrigens wieder während des Stolberger Stadtfestes im September bei Sonderfahrten des AVV. Immerhin kann der Aachener Verkehrsverbund gemeinsam mit der EVS ein Jubiläum feiern: Mittlerweile seit zehn Jahren ist die Euregiobahn eine fest Größe im Öffentlichen Personennahverkehr - mit steigender Tendenz.
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