Stolberg - Sie fegen im Namen der Menschlichkeit

Sie fegen im Namen der Menschlichkeit

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Die Ahmadiyya-Muslime haben die Straßen vom Silvester-Müll befreit. Foto: D. Müller

Stolberg. Der Schnee rieselt einsam in den menschenleeren Straßen der Kupferstadt, und alle, die in der Nacht den Jahreswechsel feierten, sind froh, am Neujahrsmorgen ausschlafen zu können. Nur ein Dutzend fleißige Helfer belebt die Szenerie von der Mühle bis zum Bastinsweiher.

Ab 8.30 Uhr rücken die Männer in eisiger Kälte emsig den Silvester-Überbleibseln zu Leibe. Mit Besen, Greifzangen und Schubkarren ausgestattet entfernen sie den Müll, der aus abgefeuerten Raketen und Krachern besteht.

Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass sie keine Bediensteten der Stadt sind und nicht orangene Westen sondern Privatkleidung und auf dem Rücken ein Schild mit der Aufschrift „Liebe für Alle, Hass für Keinen” tragen.

„Das ist unser ,Neujahrs-Waqar-E-Amal, der mittlerweile fast schon eine Tradition ist. Bundesweit findet die Aktion zum 13. Mal statt, und hier in Stolberg machen wir im fünften Jahr am Morgen des 1. Januar sauber”, klärt Mohammad Tahir auf.

Er ist der Stolberger Generalsekretär der „Ahmadiyya Muslim Jamaat”, einer islamischen Reformgemeinde, die 1889 in Indien gegründet wurde. Wörtlich übersetzt heißt Waqar-E-Amal „ehrenvolle Arbeit”; durch ehrenamtliche Tätigkeiten soll insbesondere Jugendlichen der Grundsatz „sich selbst und anderen ohne Gegenleistung mit eigener Hand zu dienen” gelehrt werden.

So ist Haroon Ahmed, der jüngste freiwillige Helfer am Neujahrsmorgen, gerade einmal neun Jahre alt und schwingt den Besen wie ein Großer. „Wir beginnen das neue Jahr um 6.30 Uhr mit einem Gebet und frühstücken dann gemeinsam. Anschließend säubern wir einen Teil der Stadt. Wir reinigen die Straßen vom Mühlener Markt über die Salmstraße bis hin zur Rathausstraße um den Bastinsweiher”, beschreibt der kleine Haroon den Ablauf des ersten Morgens in diesem Jahr für die freiwilligen Stadtreiniger.

Gute Zusammenarbeit

Mohammad Tahir freut sich über die gute Zusammenarbeit mit der Kupferstädter Verwaltung, die die Aktion fördert und unterstützt, indem sie zum Beispiel Müllsäcke, Besen, Zangen und Handschuhe stellt. Der aus Pakistan stammende Ahmadiyya-Muslime weiß aus eigner Erfahrung, dass dies nicht selbstverständlich ist.

„Leider werden wir in vielen Ländern, wie Pakistan oder Malaysien verfolgt und dürfen unsere Religion nicht ausüben. Unsere Reformgemeinde nimmt ihr Motto ,Liebe für Alle, Hass für Keinen sehr ernst und arbeitet auch mit ,Humanity First zusammen. Die Menschlichkeit ist für uns der Religionszugehörigkeit übergeordnet und den Djihad, den Heiligen Krieg, lehnen wir strikt ab. Deshalb werden wir von islamischen Fundamentalisten oft angefeindet”, führt Tahir aus.

Weltweit integrieren sich die Ahmadiyya-Muslime in die Gesellschaften, in denen sie leben, dadurch dass sie sich ehrenamtlich einbringen - wenn man sie lässt.

Die Gemeinde unterstützt caritative Projekte und hilft tatkräftig, wenn Menschen, egal welcher Nation und Religion, von Katastrophen betroffen sind, wie bei dem Tsunami in Thailand oder dem Jahrhundert-Hochwasser in den neuen Bundesländern.
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