Seltenen Unken die Tümpel geschrubbt

Von: Johannes Mohren
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Ran’ an die Arbeit: Uschi Plebs aus Mausbach ist gemeinsam mit Fachmann Alexander Kerres unterwegs, um die Unkengewässer zu reinigen. Eine mühsame Aufgabe mit Sieb und Bürste. Foto: J. Mohren

Stolberg. Es ist 8:53 Uhr. Das erste Auto rollt auf den großen Parkplatz am Rande der Zweifaller Straße. Das Ziel ist die Hausnummer 162. Das große weiße Haus beherbergt die Biologische Station Aachen am Randes des Naturschutzgebietes der Steinbrüche Bernhards- und Binsfeldhammer.

Die Neuankömmlinge tragen bereits Gummistiefel; Schutzhandschuhe gehören ebenfalls zur allgemeinen Ausrüstung. Aus gutem Grund, denn ein Arbeitstag in der Natur steht an: Die Mitmachaktion „Naturschutz praktisch” ruft, unter der Leitung des Diplom-Biologen Herbert Theißen geht es mit Schubkarre, Schaufel, Hacke, Säge und jeder Menge guter Laune zu Fuß auf ins angrenzende Naturschutzgebiet.

Gewaltige Dimensionen

9:30 Uhr: Alle freiwilligen Helfer haben sich nun eingefunden. Über Absperrungen aus Geäst steigen Alexander Kerres von der Biologischen Station und Uschi Plebs aus Mausbach hinab in die Grube des Steinbruchs. Der Hang ist steil, Vorsicht ist geboten auf den unsicheren Trassen, die für Spaziergänger gesperrt sind. Wenige Minuten später stehen die beiden im Talkessel. Gewaltig erscheint die Abbruchkante, die sich bis zu 50 Meter hoch erhebt.

Die Aufgabe der beiden Helfer liegt jedoch nicht in luftiger Höhe, sondern auf dem Grubengrund. Die Unkengewässer müssen gereinigt werden, einige der über 20 im gesamten Naturschutzgebiet verteilten Wannen finden sich im direkten Steinbruchgelände. „Alle zwei Jahre müssen sie mal gesäubert werden. Denn auf der einen Seite dürfen sie nicht verdrecken, auf der anderen Seite wollen die Tiere auch ihre Ruhe haben”, berichtet Kerres. Gemeinsam mit Uschi Plebs beugt er sich über eines der kleinen Biotope, die Säuberung kann beginnen.

10 Uhr: Schubkarren werden geschoben, Steine geschleppt, Beton gemischt. Oben am Grubenrand hat sich eine weitere Gruppe rund um den „Chef” Herbert Theißen an die Arbeit gemacht. Hier soll ein Laichgewässer entstehen, das Loch ist bereits im Vorhinein mit einem Bagger ausgehoben worden. Trotz kalter Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt läuft so manch eine Schweißperle über die Gesichter der Männer, die Arbeit ist kräftezehrend. „Wir legen das Gewässer in Beton an, das erleichtert nachher die Säuberungsmaßnahmen, das Becken kann dann einfach ausgekehrt werden”, erläutert Theißen.

10:20 Uhr: Inzwischen haben Alexander Kerres und Uschi Plebs die Bürsten ausgepackt, es wird geschrubbt. „Als ich in ihrer Zeitung über die Aktion gelesen habe, wusste ich: Das ist mein Einsatz”, lächelt Plebs. Die Mausbacherin fühlt sich dem Naturschutzgebiet eng verbunden: „Heute gehe ich hier gern und oft spazieren, als Kinder waren wir immer am Jungfernstein Maiglöckchen pflücken”, erzählt sie und genießt die Gespräche mit Fachmann Kerres über ihre Heimat und die einzigartige Flora und Fauna im Naturschutzgebiet. 15 Unken-Gewässer stehen an diesem Tag an. Das Wasser wird den Wannen entnommen, dann beginnt die „Waschaktion”.

11 Uhr: Spitzhacke und Schaufel prägen das Bild im angrenzenden Waldstück. „Der Boden ist wirklich hart”, stöhnt Wolfgang Cornely. Auch er nimmt als Helfer an der Aktion teil, und trotz der Anstrengung ist ihm der Spaß anzumerken. Gemeinsam mit Jörg Müller pflanzt er Buchenstecklinge.

Die Mulden, die hierfür in den Waldboden gegraben werden müssen, verlangen alles von den beiden ab. „Das ist eine Maßnahme zum Waldumbau, eine Initialpflanzung der Buche”, erläutert Theißen. Kalkbuchenwald solle wieder vermehrt das Naturschutzgebiet besiedeln, so der Biologe.

Europäisches Schutzgebiet

Ein Gebiet, auf das nicht nur Theißen außerordentlich stolz ist. „Es ist nicht nur nationales, es ist ein europäisches Schutzgebiet”, berichtet er. Ein Ort, mit ganz besonderer Flora und Fauna, mit besonderer Artenvielfalt, ein Ort, „einfach wunderschön”.

Er bedarf großer Pflege und „deshalb freuen wir uns, wenn uns hier Menschen helfen”, betont Theißen. Bis in den Nachmittag sind die Naturfreunde im Schutzgebiet unterwegs, am Ende der Aktion ist vieles geschafft. Gemeinsam gearbeitet, gemeinsam erlebt - ein anstrengender, aber schöner Tag für alle Beteiligten. Und eins steht fest: „Die nächste Mitmach-Aktion wird kommen”, verkündet ein strahlend der Koordinator von der Biologischen Station. Dann wird auch Herbert Theißen wieder zum Schöpflöffel greifen: Denn das gemeinsame Essen, wenn der Magen knurrt, das gehört natürlich auch dazu.
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