Sekundarschule wird zum Zankapfel

Von: Michael Grobusch
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Wie geht es weiter an der Koge
Wie geht es weiter an der Kogelshäuserstraße? Die Bezirksregierung Köln sieht das Anmeldeverfahren für eine Sekundarschule in Stolberg als gescheitert an - zumindest für das Schuljahr 2012/13. Damit würde die Hauptschule weiterbestehen. Foto: imago/Geisser/Kollage: H.-G.Claßen Foto: imago/Geisser/Kollage: H.-G.Claßen

Stolberg. Als NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann am Vormittag in Düsseldorf die 42 neuen Sekundarschulen im Land vorstellte, die im August an den Start gehen werden, fand Stolberg keine Erwähnung. Zu wenige Anmeldungen waren bis Freitag eingegangen, um die von der Bezirksregierung geforderte Mindestgröße von 75 Kindern zu erreichen.

Die Schlussfolgerungen aber, die aus diesem Umstand gezogen werden, könnten gegensätzlicher kaum sein. Denn während die Kölner Genehmigungsbehörde das Thema zumindest vorerst ad acta gelegt zu haben scheint, geht die Stadt als Träger weiter davon aus, die neue Schulform zum Schuljahr 2012/13 in den Räumen der bisherigen Ganztagshauptschule Kogelshäuserstraße eröffnen zu können.

„Wir haben Anfang Februar die Genehmigung erteilt bekommen. Und solange diese nicht widerrufen wird, sehe ich keinen Grund, unsere schulpolitischen Pläne in Frage zu stellen”, so Ferdi Gatzweiler auf Anfrage unserer Zeitung. Dabei verweist der Bürgermeister auf den aus seiner Sicht unzweideutigen Wortlaut des Schreibens, das unserer Redaktion vorliegt.

In diesem heißt es: „Die Sekundarschule wird mit drei Parallelklassen pro Jahrgang genehmigt. Ich behalte mir den Widerruf der Genehmigung für den Fall vor, dass bei der Errichtung die Zahl von 75 Anmeldungen von Kindern aus dem Stadtgebiet Stolberg unterschritten wird.” Der Vorbehalt und somit der Widerruf, so Gatz-weiler, sei lediglich eine Option. Doch genau das sieht die Bezirksregierung völlig anders.

„Die Genehmigung ist unter auflösenden Bedingungen erteilt worden”, betonte Pressesprecher Oliver Moritz gegenüber unserer Zeitung. „Wenn die erforderliche Anmeldezahl zum gesetzten Stichtag nicht erreicht worden ist, hat die Genehmigung automatisch keinen Bestand mehr.”

Besagter Stichtag war - nach einwöchiger Verlängerung der Anmeldephase - der 9. März, offiziell gemeldet worden sind der Bezirksregierung von der Stadt Stolberg laut Moritz lediglich 60 Einschreibungen.

Damit fehle ein Fünftel zum Erreichen des festgelegten Minimums, was aber unterm Strich unerheblich sei, denn: „Das Schulgesetz sagt ganz klar, dass 75 Anmeldungen erreicht werden müssen. Auch wir müssen uns an Recht und Gesetze halten, deshalb gibt es in dieser Sache keinen Handlungsspielraum”, erklärte Oliver Moritz.

Gerade diesen Spielraum will Ferdi Gatzweiler jedoch einfordern. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, die Genehmigung an eine solche absolute Zahl zu knüpfen. Ich kann nicht einsehen, dass davon unser gutes pädagogisches Konzept abhängen soll.”

Der Bürgermeister warnt die Bezirksregierung vor einem schweren schulpolitischen Fehler und zeigt sich zugleich weiter optimistisch, im Laufe der nächsten Wochen die Sollziffer 75 doch noch erreichen zu können.

„In den vergangenen Jahren hat es immer verspätete Anmeldungen gegeben. Außerdem rechnen wir noch mit Rückläufen von Stolbergern, die an den Gesamtschulen der Nachbarkommunen nicht angenommen worden sind.”

Ob diese allerdings tatsächlich noch eine Rolle für die Sekundarschule spielen könnten, ist völlig offen. Die Bezirksregierung hat gegenüber unserer Zeitung darauf verwiesen, dass die 60 angemeldeten Kinder nun auf eine andere Schule ausweichen müssten.

Da die beiden Gymnasien und die neue Gesamtschule die Höchstschülerzahlen bereits erreicht haben, blieben als Alternativen im Stadtgebiet lediglich die Realschule Mausbach und die dann nicht auslaufende Hauptschule Kogelshäuserstraße. Deren Leiter Jörg Klein, der zudem als kommissarischer Leiter der Sekundarschule benannt worden war, will seine Bemühungen um den neuen Schultyp aber nicht aufgeben. „Solange ich von der Bezirksregierung nichts Offizielles höre, gibt es für mich keinen Anlass, von einer Rücknahme der Genehmigung auszugehen.”

Noch einmal unterstrich Klein die aus seiner Sicht gegebene Notwendigkeit einer Sekundarschule für Stolberg. „Es ist völlig klar, dass an diesem Standort keine andere Schulform eine höhere Akzeptanz erreichen würde.” Das sieht Ferdi Gatzweiler genauso und kündigt deshalb an, für die Sekundarschule weiter kämpfen zu wollen: „Für mich ist das Verfahren nicht beendet.”

„Volle Unterstützung”

Dem Vernehmen nach wird im Rathaus sogar in Erwägung gezogen, juristische Mittel zur Durchsetzung des eigenen Standpunktes zu ergreifen.

Eine offizielle Bestätigung gab es hierfür nicht. Wohl aber ein deutliches Bekenntnis der großen Koalition: „Sollte die Verwaltung zu dem Schluss kommen, dass die Angelegenheit rechtlich geklärt werden muss, wird sie von uns volle Unterstützung erhalten”, kündigten die schulpolitischen Sprecher Patrick Haas (SPD) und Jochen Emonds (CDU) an.

Derweil geht die Hängepartie für die betroffenen Kinder und Eltern weiter. „Wir bieten jedem an, in einem persönlichen Gespräch über die aktuelle Situation aufzuklären”, so der Bürgermeister.
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