Schwangerschaftsbegleitung: Ausbildung zur „Doula“

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Schlummern friedlich: die Zwillinge Leonie und Lenny. Mutter Laura Kutsch und Vater Daniel Pohl wurden während Schwangerschaft und Geburt von der geburtserfahrenen „Doula“ Jennifer Dittrich (Mitte) begleitet. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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„Natürlich hätte ich meine Mama fragen können, aber ich wollte auch mal einen Außenstehenden fragen“, nennt Laura Kutsch einen Grund, warum sie sich für eine Doula entschieden hat.

Stolberg. Mamas Strapazen, ihr dicker Bauch, die geschwollenen Füße – alles vorbei. Übermorgen werden Leonie Sophie und Lenny Lennox schon einen Monat jung. Die Zwillinge haben am 28. Juli das Licht der Welt erblickt.

Wer jetzt denkt, dass mit den kleinen Babys der Trubel bei Mama Laura und Papa Daniel eingezogen hat, irrt. Die Zwillingseltern haben ihre neuen Aufgaben ungewöhnlich gut im Griff und gehen die neue Herausforderung vor allem ruhig und gelassen an. Das haben sie ein Stück weit Jennifer Dittrich zu verdanken.

Die 36-Jährige hat Familie Kutsch-Pohl in der Schwangerschaft sowie bei der Geburt begleitet und steht den jungen Eltern auch in der Wochenbett-Phase zur Seite. „Das ist nichts super Modernes, sondern diese Tradition ist sehr, sehr alt. Seit jeher haben Frauen diese Aufgabe in ihrer jeweiligen Kultur übernommen“, erklärt Jenny Dittrich. Sie selbst ist gelernte Krankenschwester, aber vor allem Mutter von drei Kindern, die „völlig unterschiedlich ihren Weg ins Leben gegangen sind“.

Zurzeit befindet sie sich in der Ausbildung zur „Doula“ bei „Doulas in Deutschland“. Die gebärende Frau wird zusätzlich zur Hebamme von einer ihr vertrauten, geburtserfahrenen Frau, Doula genannt, begleitet. In vielen Kulturen war und ist es üblich, dass eine Gruppe Frauen zusammenkam, um eine Frau während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu unterstützen und zu umsorgen.

In den 70er Jahren haben sich die Kinderärzte John Kennell und Marshall Klaus mit dem Phänomen „Doula“ beschäftigt und wiesen in Studien nach, dass die kontinuierliche Anwesenheit einer Person, die sich der Gebärenden positiv zuwendet, einen großen Einfluss auf die Geburtsdauer und die Häufigkeit der Schmerzmittelgabe hat.

Was sie in aussagekräftigen Studien über längere Zeit nachweisen konnten, ist verloren gegangenes Wissen alter Generationen und Kulturen. Sie waren es, die diesem neuen alten Beruf einen Namen gaben: die Doula. Dieses altgriechische Wort leitet sich von „doulalei“ ab und bedeutet „Dienerin der Frau“.

Zehn bis 14 Tage vor dem Entbindungstermin hat die Doula rund um die Uhr Rufbereitschaft. Sie steht der Gebärenden während der gesamten Geburtsdauer bei, stärkt sie emotional und bleibt an ihrer Seite, bis das Baby geboren ist. Da die Doula keinerlei medizinische Funktion hat, kann sie sich ganz auf die Bedürfnisse der werdenden Mutter und deren Partner konzentrieren.

Im Krankenhaus müssen Hebammen zum Teil mehrere Frauen gleichzeitig betreuen, auch die Ärzte können nicht ohne Pause am Bett ihrer Patientin ausharren. Laura Kutsch wünschte sich eine durchgehende Betreuung und entschied sich deswegen für eine Doula. „Ich ersetze weder den Mann noch die Hebamme, es gibt keine Konkurrenz“, betont Jennifer Dittrich.

Und so hatte Laura auch eine Hebamme und eine Doula an ihrer Seite. „Bei Jenny ging es ja nicht um medizinische Aspekte, sondern um Vertrauen, Sympathie, Emotion. Wir haben über alles Mögliche meine Schwangerschaft betreffend gesprochen“, ist die 21-Jährige froh um den Beistand.

Jenny steckte Wochenziele mit Laura ab, massierte ihre Hände, machte einen Abdruck vom Babybauch und ließ ihr jede Menge Aufmerksamkeit zuteil werden. „Ich habe das sehr Individuelle geschätzt“, sagt Laura.

In ihrer Arbeit als Doula möchte Jennifer Dittrich der Schwangeren vermitteln, dass trotz aller Veränderungen in der Geburtsmedizin Gebären die natürlichste Sache der Welt geblieben ist. Und sie möchte die werdende Mutter darin unterstützen, sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden und ihre persönlichen Vorstellungen von der Geburt umzusetzen.

„Ich möchte den Eltern helfen, dass ihre Babys selbstbestimmt auf die Welt kommen können – egal, ob im Krankenhaus, Geburtshaus oder bei einer Hausgeburt. Gerade auch in ‚Krisensituationen‘, zum Beispiel bei einer Fehlgeburt, stillen Geburt oder der Geburt eines behinderten Kindes, stehe ich an der Seite der Eltern“, betont Dittrich.

Und dann fügt sie noch schmunzelnd hinzu: „‚Friedliche Babys führen zu einer friedlichen Welt‘, hat mal jemand gesagt. Ich sehe das genauso und möchte mit meiner Arbeit ein bisschen die Welt retten.“

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