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Schwanger! Und wie geht es jetzt weiter?

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Beratungsgespräch beim SkF: Diplom-Sozialarbeiterin Katja Bock informiert über Vereinbarkeiten von Beruf und Familie und auch über Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Eine Schwangerschaft ist die Vorbereitung auf das schönste Ereignis der Welt. Oft ist sie jedoch problembehaftet oder unerwartet und bringt statt Freude zunächst Sorgen oder Ängste. Dann braucht die Schwangere schnellen, kompetenten Rat und Hilfe. „Manchmal ist ein Kind Stress, manchmal passiert ein Kind.“ Nora Kaußen-Jensen sagt das aus dem Bauch heraus, in einem Nebensatz.

Dabei schaut die Leiterin der SkF-Beratungsstelle auf ein Foto, das in einer Info-Broschüre des Sozialdienstes katholischer Frauen abgebildet ist. Dieses Foto zeigt ein zerknautscht dreinschauendes, schreiendes Baby – willkommen im Leben, würden sich erfahrene Eltern bei diesem Anblick wohl denken. „Unterstützung“ steht in großen Buchstaben unter dem Bild.

Und dieses Wort umschreibt eigentlich auch am besten die Arbeit der drei Beraterinnen, die „Rat und Hilfe – die Schwangerschaftsberatung der katholischen Kirche“ anbieten. Claudia Blau, Katja Bock und Tanja Koglin haben Zeit für schwangere Frauen, deren Partner, deren Angehörige. Sie bieten eine umfassende Beratung in allen Fragen, die die Schwangerschaft betreffen sowie darüber hinausgehende Hilfen an. „Wir beraten Frauen in der aktuellen Krisensituation und begleiten sie bis zum 3. Lebensjahr des Kindes“, erklärt die Sozialpädagogin.

Anerkannte Beratungsstelle

Seit 1977 bietet der SkF in Stolberg als anerkannte Beratungsstelle individuelle Unterstützung an. Dazu gehört die psychosoziale Beratung für schwangere Frauen und ihre Angehörigen ebenso wie behördliche und rechtliche Unterstützung. Wenn Frauen sich über die Möglichkeiten der finanziellen Hilfe oder bei rechtlichen Fragen informieren lassen wollen, sich auf die Elternschaft vorbereiten und Elterntraining vor und nach der Geburt in Anspruch nehmen, Beruf und Familie miteinander vereinbaren möchten, Konflikte mit dem Partner oder den Eltern haben, sich um die eigene Gesundheit oder die ihres Kindes sorgen, zum Beispiel bei Risikoschwangerschaften, sind sie bei den Beraterinnen genau richtig. Natürlich auch, wenn bei dem Kind eine Behinderung diagnostiziert worden ist oder die Frauen sich über Methoden der Familienplanung und Fragen zur Sexualität beraten lassen wollen.

Der Beratungsbereich, der sich mit den Jahren und mit den Familien immer wieder verändert habe, ist facettenreich. Nur, um die Bandbreite zu verdeutlichen: Wer eine Tagesmutter zur Betreuung seines Kindes sucht, ist beim SkF genauso gut aufgehoben wie jemand, der nach dem Verlust seines Kindes durch Fehl- oder Totgeburt Begleitung und Kontakt wünscht. „Eine ausführliche psychosoziale Beratung einerseits und die Vermittlung konkreter Hilfen andererseits sind Inhalt unserer Arbeit mit den werdenden Müttern und ihren Familien“, so Blau.

Im vergangenen Jahr nahmen 526 Frauen die Hilfe der Schwangerschaftsberatung in Anspruch. „Der Anlass, den Kontakt zu uns zu suchen, ist hierbei sehr unterschiedlich“, sagt Katja Bock, „sowohl vielfältige persönliche Probleme als auch andere Fragestellungen zu zum Beispiel rechtlichen Ansprüchen führten die Frauen zu uns“. Auffallend sei hierbei die finanzielle Situation gewesen: Rund 46 Prozent aller Ratsuchenden haben angegeben, die Beratungsstelle wegen massiver finanzieller Schwierigkeiten aufzusuchen. Im Jahr 2011 waren es laut Jahresbericht rund 39 Prozent. In diesem Jahr erhöhte sich die ohnehin hohe Zahl von ALG II-Bezieherinnen unter den Klientinnen, nämlich von 25,5 in 2011 auf 27,7 Prozent in 2012. „Somit zeigt sich in unseren Beratungsgesprächen, was derzeit viel in der Öffentlichkeit diskutiert wird: Die Armut in Deutschland nimmt zu.“

Und so kann die Gründung einer Familie ein Armutsrisiko darstellen, erleben Claudia Blau, Katja Bock und Tanja Koglin. Viele Schwangere arbeiten mit befristeten Verträgen, die nicht verlängert werden, sobald der Arbeitgeber von der Schwangerschaft erfährt. Oder ihre Einkommen sind so gering, dass sie nach der Entbindung sofort in Arbeitslosengeld-2-Bezug rutschen, weil ihr einkommensabhängiges Elterngeld so niedrig ausfällt, wissen die Beraterinnen. Ähnlich düster sieht es dann bei den Männern aus. Viele (werdenden) Väter arbeiten bei Leiharbeitsfirmen. Der Lohn ist niedrig, das Risiko gekündigt zu werden dagegen groß, so dass es den Männern nicht möglich ist, ihre Familien aus eigenen Kräften zu ernähren.

Insgesamt haben, so steht es im Jahresbericht, im vergangenen Jahr die längerfristigen Beratungen weiter zugenommen. Über die finanziellen Schwierigkeiten und sozialrechtlichen Fragen hinaus ging es hier häufig um die Wohnungssuche, die physischen oder psychischen Belastungen durch die derzeitigen Lebensbedingungen, um Probleme in der Partnerschaft oder die Situation als zukünftig Alleinerziehende. 22 Frauen wurden beraten, weil sie Angst vor der Verantwortung als Mutter hatten und 55, weil sie ungewollt schwanger waren.

Verknüpfendes Angebot

Bei 42 Frauen wurde der Übergang zur Elternschaft intensiv thematisiert. „Hierbei war es sehr hilfreich, in unser Angebot ‚Guter Start ins Leben‘ vermitteln zu können und den werdenden Eltern dadurch eine intensive individuelle Form der Vorbereitung und Unterstützung zu bieten.“

Gerade dann, wenn finanziell kein Land mehr in Sicht ist, sollen sich die Frauen so früh wie möglich beim SkF in Stolberg melden, „das ist wichtig“, betont Katja Bock. Denn im Rahmen der Schwangerschaftsberatung gibt es auch ohne den Bezug von Arbeitslosengeld, mit Mitteln der Bundesstiftung Mutter und Kind, Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung.

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