Stolberg - Schullandschaft gibt zur Sorge durchaus Anlass

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Schullandschaft gibt zur Sorge durchaus Anlass

Von: Kolja Linden
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Wie wird sich Stolbergs Schullandschaft entwickeln? Genau unter die Lupe nehmen werden die Ratspolitiker die vom Bonner Büro Biregio vorgestellten Zahlen, bevor es im Januar dazu Handlungsempfehlungen gibt. Unser Bild zeigt den Unterricht an der Realschule Mausbach.

Stolberg. Auf den mit Spannung erwarteten Schulentwicklungsplan muss Stolberg noch ein bisschen länger warten, am Mittwoch gab es aber zumindest schon mal einen Sachstandsbericht, den das beauftragte Bonner Büro Bildung und Region (Biregio) dem Schulausschuss vorstellte.

Wolf Krämer-Mandeau hatte ein Zahlenwerk auf 43 Folien mitgebracht, das zunächst einmal den Ist-Zustand der Schullandschaft aufzeigte und mit einigen Prognosen zur demografischen Entwicklung verziert war.

Doch Krämer-Mandeau präsentierte nicht nur nackte Zahlen, er legte auch Finger in offene und weniger offene Wunden, analysierte mal pointiert, mal provokant. Was er sagte, gefiel nicht immer den Ratsmitgliedern, auch nicht den anwesenden Schulleitern. „Wenn man die Zahlen sieht, gibt es Einiges, was nachdenklich macht”, so Krämer-Mandeau, der für das kommende Jahr tiefgreifende Entscheidungen auf die Stolberger Politik zukommen sieht.

Sehr ausgedünnte Schülerzahlen sieht der Gutachter zum Beispiel bei beiden Stolberger Hauptschulen - mit Trend nach unten. „Die kriegen gerade noch zwei Eingangsklassen hin, das wird in Zukunft aber anders sein.”

Vital sei zwar die Realschullandschaft - noch, wie Krämer-Mandeau betont. Denn die beiden Schulen entwickelten sich sehr unterschiedlich, und das sei „noch ein paar Jahre mehr nicht mehr tragbar”.

Doch auch die beiden Gymnasien befänden sich nicht auf einer Insel der Glückseligen. Und das nicht, weil der Anteil der Gymnasiasten an der Gesamtschülerzahl in Stolberg geringer ist als zum Beispiel in Aachen oder anderen Städten. Die Stolberger Gymnasien müssten sich vielmehr fragen, warum ihre Schülerzahlen nicht steigen, obwohl zuletzt geburtenstärkere Jahrgänge gekommen seien und in jedem Jahr ein größerer Anteil der Viertklässler aufs Gymnasium geht. Weder das Goethe- noch das Ritzefeld-Gymnasium scheinen davon zu profitieren, glaubt man dem Gutachter. „Die neuen Leiter der Gymnasien müssen über ihre Angebotslage nachdenken”, empfiehlt Krämer-Mandeau deshalb.

Kritik übte der Gutachter auch mit Blick auf die Integration von Schülern mit erhöhtem Förderbedarf. Der Anteil von Förderschülern an der Gesamtschülerzahl in Stolberg sei mit 3,5 Prozent sehr hoch im Vergleich zu anderen Städten. „Es gibt keine Anzeichen, dass Integration oder Inklusion hier in irgendeiner Form betrieben wird”, so Krämer-Mandeau.

Mit genauen Zahlen beziffert hat Krämer-Mandeau auch die seit Jahren bekannte Abwanderung von Schülern in andere Städte. So hat Stolberg in den vergangenen drei Jahren zwischen 178 und 196 Fünftklässler abgegeben, die Zahl der Einpendler, also von Schülern, die aus anderen Städten nach Stolberg kommen, liegt deutlich darunter. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Realverlust von 154 im vergangenen Schuljahr, das sind fast 25 Prozent.

Zwar sind unter den Auspendlern auch zahlreiche Gymnasiasten, was die Position der beiden Gymnasien schwächt, die Allermeisten jedoch verlassen Stolberg in Richtung einer Gesamtschule. 125 waren es im Schuljahr 2009/10, zwischen 123 und 132 in den Jahren davor. „Sie haben heute schon eine Gesamtschule”, sagte Krämer-Mandeau deshalb auch an die Adresse der Politik, „Sie verleihen sie nur an Ihre Nachbarn.”

Bei diesem Thema stehe Stolberg vor einer Grundsatzentscheidung: „Die Zahlen sind eindeutig.”

Konkrete Vorschläge, wie die Stolberger Schullandschaft nun zu entwickeln sei, wird es voraussichtlich im Januar geben. Dann soll auch der Schulausschuss erneut zusammenkommen, sagte dessen Vorsitzender Patrick Haas unserer Zeitung.

Krämer-Mandeau hatte zum Schluss dann noch etwas Positives zu verkünden: „Die Chancen sind deutlich größer als das, was man bedauern muss. Ich wollte Sie aber bewusst nachdenklich machen.”
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