Stolberg - Schuldenfalle schnappt immer häufiger zu

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Schuldenfalle schnappt immer häufiger zu

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Immer öfter muss der SkF in Stolberg Menschen helfen, die in Geldnot geraten sind.

Stolberg. Wenn die Wirtschaftsauskunftei „Creditreform” - wie in diesen Tagen geschehen - von einer rückläufigen Verschuldung spricht, kann Margret Clasen nur staunen. Zwar liegen ihr die Zahlen für das laufende Jahr noch nicht Schwarz auf Weiß vor.

Doch die Spezialistin für Schuldner- und Insolvenzberatungen beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Stolberg weiß die Erfahrungen aus ihrer täglichen Arbeit durchaus treffend einzuschätzen. „In Stolberg ist keine Entspannung der Lage in Sicht. Im Gegenteil: Wir können uns vor Anfragen nicht mehr retten.”

Die Krise der Wirtschaft hat auch eine Krise in vielen privaten Haushalten zur Folge. Die nimmt derart große Ausmaße an, dass der SkF mit seinen beiden halbtags beschäftigten Beratungskräften den Ansturm nicht mehr bewältigen kann. Einmal in der Woche gibt es ab 14 Uhr eine dreistündige, offene Sprechstunde in der Birkengangstraße.

„Mittlerweile bilden sich schon ab 12.30 Uhr lange Schlangen in unseren Fluren”, berichtet Clasen. Für viele Betroffene reicht die Zeit an einem solchen Tag nicht für eine Erstberatung. Sie werden in akuten Fällen dann zunächst vom allgemeinen sozialen Dienst im Haus betreut.

Weil das Thema komplex ist und die Probleme immer unterschiedlicher und vielschichtiger werden, nimmt das erste Gespräch sehr viel Zeit in Anspruch. „Wer hier rauskommt, weiß aber, welche Möglichkeiten sich ihm bieten, um aus der Verschuldung herauszukommen”, begründet Margret Clasen den Aufwand. Zumal es nicht nur um finanzielle, sondern oftmals auch um psycho-soziale Aspekte geht.

Wer sich für die Schuldnerberatung des SkF entscheidet, muss sich mit dem klar definierten Ablauf einverstanden erklären. Dem Erstgespräch folgen zwei verpflichtende Informationsveranstaltungen und erst dann die Aufnahme in die Warteliste für die langfristige Beratung.

Deren Ziel ist es, eine dauerhafte Entschuldung des Betroffenen zu erreichen. Das kann über eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern geschehen oder aber in die Eröffnung eines privaten Insolvenzverfahrens münden.

Erfolge verzeichnet Margret Clasen nach wie vor viele, dennoch bereiten ihr manche Entwicklungen Sorge. Da ist zum einen der dramatische Anstieg der Zahl der Hilfesuchenden, der sich im nächsten Jahr angesichts der prognostizierten höheren Arbeitslosigkeit noch beschleunigen dürfte.

Und da ist zum anderen eine deutliche Veränderung im sozialen Umfeld der Ratsuchenden. „Vor einigen Jahren noch hatte etwa die Hälfte der Menschen, die von uns beraten wurden, eine Arbeit. Heute leben rund 90 Prozent von ihnen vom Arbeitslosengeld II”, berichtet Clasen. Auffällig sei zudem, dass immer mehr junge Menschen in die Schuldenfalle tappen.

Die Ursachen für die Notlage sind in vielen Fällen gleich: Kreditkarten und Versandgeschäfte erweisen sich ebenso wie Handys vielfach als tückisch. „Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Menschen nicht richtig mit Geld umgehen können”, weiß die Fachberaterin.

Dabei kann auch Margret Clasen einen Beitrag zur aktuellen Bildungsdiskussion leisten. „Es besteht ein ganz enger Zusammenhang zwischen Bildung und Verschuldung. Fast alle Schuldner, die von uns beraten werden, haben keine Aus- und eine schlechte Schulbildung.”

Die Prävention, darauf verweist SkF-Geschäftsführerin Margit Schmitt, hat deshalb eine große Bedeutung. Und natürlich die fachkundige Betreuung der Betroffenen, die der SkF im nächsten Jahr angesichts des großen Bedarfs gerne ausweiten würde.

Die Verhandlungen mit der Städteregion über die Finanzierung laufen. Nicht nur die Beraterinnen würden eine schnelle Einigung der Verantwortlichen über die Aufstockung der Kapazitäten begrüßen. Auch die Schuldner, die in den Fluren Schlange stehen, würden es ihnen wohl danken.
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