Stolberg-Zweifall - Schützen sollen wieder im Schulkeller schießen

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Schützen sollen wieder im Schulkeller schießen

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Sorgt beim Schützenumzug für Ordnung und beim Thema Schießstand für Diskussion: Peter Jussen, im Hauptberuf Polizist. Foto: J. Lange

Stolberg-Zweifall. Ein ganzes Jahr schon dreht man sich in Zweifall im Kreis, um für die dortigen St.-Sebastianus-Schützen eine neue Bleibe zu finden. Nun könnte sich der Kreis schließen - genau an der Stelle, wo der Ursprung der Suche und damit auch des Problems liegt: im Keller der Grundschule.

Die Stolberger SPD wird in ihrer nächsten Fraktionssitzung am 30. August einen Antrag des Ortsvereins Süd beraten, der vorsieht, die im vergangenen Herbst erfolgte Kündigung zurückzunehmen und den Schützen wieder zu erlauben, in der Grundschule zu schießen.

Nach 30 Jahren verbannt

Zur Erinnerung: Kinder und Schusswaffen unter einem Dach - diesen seit rund 30 Jahren anhaltenden Zustand wollte die Schule im vergangenen Jahr beendet wissen und hatte eigene Ansprüche auf den Kellerraum angemeldet, der von den Zweifaller Schützen als Schießstand genutzt wurde.

Noch im September vergangenen Jahres hatten Stadtverwaltung und Bürgermeister heftige Kritik dafür geerntet, dass sie den Wunsch der Schule zurückweisen und den Pachtvertrag mit den Schützen nicht kündigen wollten. Einen Monat später erfolgte diese Kündigung dann doch: Eine Woche, nachdem die Polizei den Schießstand in der Grundschule überraschend stillgelegt hatte, beschloss der Rat am 27. Oktober 2009 mit den Stimmen von SPD, FDP und Grünen die Kündigung des Pachtvertrags zum 31. Dezember 2010. In der gleichen Sitzung hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Wolf erklärt, man könne aus dem städtischen Haushalt kein Geld für die Schaffung einer Alternativlösung für die Schützen zur Verfügung stellen.

Nun also die Kehrtwende - zumindest möglicherweise. Auf Anfrage erklärte Hildegard Nießen, die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, dass es sich um den Antrag eines Ortsvereins handle, der wie alle anderen Vorschläge auch in der Fraktion beraten werde. Dieser Beratung wolle sie nicht vorgreifen, zumal es sich um ein heikles Thema und ein ungelöstes Problem handle: „Alle Lösungen, die bisher angesprochen wurden, haben sich als nicht realisierbar oder nicht bezahlbar herausgestellt.”

Genau deshalb will Peter Jussen auch zum alten Zustand zurückkehren. „Es gibt effektiv keine andere Möglichkeit als diese”, sagt der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Süd. „Und wenn die Schützen keine Alternative finden, dann ist das das Ende für den traditionsreichen Verein.”

Zahlreiche Alternativvorschläge sind im vergangenen Jahr diskutiert worden, doch egal ob ein Umzug ins ehemalige Sportheim des VfL Zweifall, ins evangelische Gemeindehaus oder in eine Gaststätte, alle Ideen sind letztlich gescheitert - am Geld oder an Verhandlungen mit möglichen Partnern. Noch vor zwei Monaten hatte die CDU den Dachboden der Zweifaller Turnhalle ins Spiel gebracht - ohne Erfolg. Aus statischen Gründen sei ein Umzug der Schützen dorthin nicht möglich, hieß es bei der Verwaltung.

In der Schule dagegen sei Platz genug, meint nun Peter Jussen. „Es ist nicht einzusehen, dass eine Schule mit rückläufigen Schülerzahlen, die gerade einen zusätzlichen Neubau bekommen hat, mit Raumnot argumentiert”, so der SPD-Mann, der allerdings überzeugt ist, dass dieser Antrag auf Widerstand stoßen wird. „Mir ist klar, dass es Diskussionen gibt”, sagt Jussen. „Aber ich denke, dass es sich vereinbaren ließe.”

Schüler und Schützen kämen gar nicht in Kontakt. Der Verein, mit dem Jussen nach eigenen Angaben den Vorschlag bereits besprochen habe, könne einen separaten Eingang nutzen und den Keller nach 18 Uhr belegen, also außerhalb der Schulzeiten.

Mit Vertretern der Schule hat Jussen bislang zwar nicht gesprochen, dennoch bestehe nach jüngsten Gesprächen und Informationen „die berechtigte Hoffnung, dass sich nach erneuter Kontaktaufnahme mit allen Beteiligten Möglichkeiten finden lassen, die allen gerecht werden”.
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