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Schülerprojekt „Das geht!“: Piratenpartei gewinnt Probeabstimmung

Von: Michael Grobusch
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Der städtische Jugendtreff Westside bot auf einem der sieben Workshops einen Einblick in die Arbeit beim Web-radio „Stimme Stolberg“. Das Interesse war auch hier groß. Foto: M. Grobusch
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Auf dem Markt der Möglichkeiten präsentierten knapp 30 Verbände, Vereine und Jugendorganisationen ihre Arbeit.
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In der „Arena“ stellten sich neun Politiker den Fragen der Moderatoren Verena Sauvage und Markus Schmitz sowie des Publikums.

Stolberg. Die Piratenpartei wird als stärkste Kraft in den neuen Stolberger Stadtrat einziehen. Zumindest, wenn es nach dem Willen von vielen Stolberger Schülern geht. Über 200 hatten sich gestern zur Abschlussveranstaltung des Projektes „Das geht!“ im Zinkhütter Hof versammelt.

 Und sie gaben nach der finalen Podiumsdiskussion zu mehr als 80 Prozent Maximilian Möhring ihre Stimme. Der „Pirat“ hatte offenbar geschafft, was weder Bürgermeister Ferdi Gatzweiler noch seinen Herausforderern und politischen Konkurrenten gelungen war: das Publikum von sich und seinen politischen Positionen zu überzeugen.

Nun hat das Ergebnis keinen repräsentativen Wert. Aber dennoch zeigt es, dass sich junge Menschen sehr wohl für Politik interessieren und sich ihre Meinung bilden. In diesem Sinne hätte der Name des Projektes, das vom Bildungsbüro der Städteregion geleitet und von der Aachener Stiftung Kathy Beys sowie dem Zeitungsverlag Aachen begleitet wird, kaum passender gewählt werden können.

Dass sich junge Menschen Politik vielfach anders wünschen, als sie derzeit praktiziert wird, war schon an den Spielregeln in der „Arena“ zu erkennen. Lange Rede, kurzer Sinn? Das war nicht gewünscht! Stattdessen blieb für jedes Statement maximal eine Minute, ausschweifenden Reden machte das laute Horn in den Händen von Bildungsbüro-Mitarbeiter Steffen Mingenbach ein Ende. Die neun Kandidaten passten sich nach kurzer Eingewöhnungsphase den Gegebenheiten an. Ferdi Gatz-weiler (SPD), Tim Grüttemeier (CDU), Klaus Kratz (UWG), Mathias Prußeit (Die Linke), Bernd Engelhardt (FDP), Dina Graetz (Die Grünen) Bert Kloubert (ABS), Maximilian Möhring (Piratenpartei) und der parteilose Bürgermeister-Kandidat Alex Kaldenbach äußerten sich zu den schlechten Busanbindungen in den Außenbezirken, zur Zukunft des Steinwegs und der Möglichkeit, den Vichtbach durch den Abriss von Häusern besser zugänglich zu machen. Die Unterschiede in den Statements hielten sich in Grenzen. Und mit ihnen die Resonanz bei den Zuhörern.

Dann aber kam das Publikum selbst zu Wort und die Diskussion in Fahrt. „Alle reden hier vom Steinweg. Aber was ist mit der Mühle? Sie ist in einem schrecklichen Zustand“, befand ein Schüler und forderte konkrete Verbesserungsvorschläge. Einen konnten Ferdi Gatzweiler und Tim Grüttemeier kurzfristig bieten: Die Heinrich-Heimes-Brücke müsse zumindest teilweise wieder geöffnet werden. „Warum werden wir Jugendliche immer dort, wo wir uns treffen, fortgejagt?“, wollte eine Schülerin wissen. Und darauf hinweisen, dass es nach wie vor zu wenige Anlaufpunkte für junge Menschen im öffentlichen Raum gibt. Maximilian Möhring brachte es aus Sicht der Jugendlichen auch hier auf den Punkt: „Es geht gar nicht so sehr um den Bau einer Skaterbahn. Die Arbeit der Jugendtreffs muss ausgebaut und besser publik gemacht werden.“ Tosender Applaus.

Den gab es auch, als sich eine Ritzefeld-Gymnasiastin zu Wort meldete: „Wenn diese Veranstaltung gleich zu Ende ist, müssen wir zurück in die Schule und haben noch bis 17.30 Uhr Unterricht. Das sind die Auswirkungen von G8.“ Der verkürzte Weg zum Abitur scheint bei den Betroffenen auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Allerdings verwiesen die Politiker unisono darauf, dass sie die falschen Ansprechpartner seien und eine Rückkehr zum Abitur in neun Jahren durchaus möglich sei, wenn denn die Schulkonferenz einen entsprechenden Beschluss fasse.

Sieben Wokshops

Die in den Mittelpunkt des Projektes gestellte Jugendpartizipation beschränkte sich auch gestern nicht nur auf Politik. In sieben Workshops hatten sich die Teilnehmer zunächst einem Schwerpunktthema gewidmet. So konnten sie beispielsweise Einblick nehmen in die Arbeit des Webradios „Stimme Stolberg“, an einer Redaktionssitzung des Jugendmagazins „Extrawurst“ teilnehmen oder sich vom Experten Michael Klarmann über die rechtsradikale Szene in der Region sowie über die Möglichkeiten, gegen sie anzugehen, informieren lassen.

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ präsentierten sich anschließend fast 30 Jugendorganisationen, Verbände und Vereine. Sie zeigten auf, welch vielfältige Möglichkeiten es gibt, sich gesellschaftlich einzubringen. Das Angebot stieß auf großes Interesse, zwischenzeitlich gab es kaum noch ein Durchkommen auf den Emporen des Museums.

Auch deshalb zeigte sich Michael Bossler am Ende des Tages sehr zufrieden. „Wir haben gezeigt, dass Stolberg zu Recht als eine von fünf Modellkommunen für Jugendpartizipation ausgewählt worden ist.“ Ein besonderes Lob zollte der städtische Jugendpfleger den 20 Mitgliedern der Stolberger Projektgruppe. „Sie sind extrem motiviert und haben sich unglaublich engagiert.“ Bosseler setzt auf eine nachhaltige Wirkung. „Meine Hoffnung ist, dass dieses Engagement nicht mit der Wahl am Sonntag enden wird, sondern dass die jungen Leute auch danach ihre Interessen vertreten werden, zum Beispiel im Jugendparlament.“ Außerdem strebt er einen regelmäßigen Dialog mit dem Bürgermeister und den Fraktionen an – wenigstens einmal im Quartal. „Es ist wichtig, dass Politik und Verwaltung aus erster Hand erfahren, welche Themen für junge Menschen in unserer Stadt wichtig und interessant sind.“ Neue Wege also bei der Jugendpartizipation. Michael Bosseler ist sicher: „Das geht . . .“

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