Stolberg - „Schmiedeweihnacht“ wird zum Publikumsmagnet

„Schmiedeweihnacht“ wird zum Publikumsmagnet

Von: Heike Eisenmenger
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Schmied Michel Beken ist zufrieden: Der Metall-BH sitzt wie angegossen, und Marianne van Loorbeek, die spontan als Model eingesprungen ist, hat sichtlich Spaß. Foto: H. Eisenmenger
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Kunstschmied Ron van Loorbeek aus Brunssum mit zwei seiner zahlreichen Kupferfiguren.
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Hobbydrechsler Manfred Bayer aus Stolberg bei der Arbeit: Er macht zum ersten Mal bei der „Schmiedeweihnacht“ mit.
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Dafür braucht es schon Muskeln in den Armen: Zwei Schmiede bearbeiten ein Stück glühendes Metall. Wer die Herren in Aktion verpasst hat, kann sich trösten: Auch 2013 wird die „Schmiedeweihnacht“ stattfinden.

Stolberg. Der „Metall-BH“ sitzt wie angegossen. „Ist doch wunderbar, nicht?!“, dreht sich Marianne van Loorbeek aus Brunssum lachend im Kreis. Die Holländerin ist spontan als Model eingesprungen, um die Büste vorzuführen. Entworfen und geschmiedet hat sie der Belgier Michel Beken, der gleich gegenüber von der Schmiedestellen der Van Loorbeeks seine Esse aufgebaut hat. Es geht zu wie in einer großen Familie. Einer Schmiedefamilie eben.

„Bei uns ist es Usus, dass man einander hilft, und lachen tun wir auch gerne, man muss ja nicht alles so ernst nehmen“, sagt Mariannes Mann Ron van Loorbeek.

Nunmehr zum fünften Mal treffen sich Schmiede aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland in Stolberg und bereichern mit ihrem traditionellen Handwerk die „Kupferstädter Weihnachtstage“. Insgesamt zehn Schmiede, drei Drechsler und ein Glasmacher sind an diesem zweiten Advent-Wochenende gekommen und ziehen die Besucher in Scharen an. Die mobilen Essen konzentrieren sich auf den Rathausvorplatz, während die Holzdrehbänke und der Stand mit Glaskunst geschützt im Foyer untergebracht sind.

Erlebnis zu vorgerückter Stunde

Seit dem Mittag sind die Akteure der „Schmiedeweihnacht“ bei der Arbeit, aber zu einem echten Erlebnis wird ein Besuch erst zu vorgerückter Stunde: In der Dunkelheit kommen die Feuerstellen richtig zur Geltung und harmonieren mit den Lichtern des Weihnachtsmarktes auf dem Kaiserplatz, der sich gleich nebenan befindet.

Von der dichten Atmosphäre angetan sind auch Yvonne Muzek und Claude Eggert aus Stolberg. „Es wäre nur ein Weihnachtsmarkt wie viele, wenn es das hier nicht geben würde“, sagt Eggert, und sein Blick wandert über die Feuerstellen und die Schmiede, die mit Hämmern glühendes Metall in Form bringen. Funken sprühen, und der Atem wird zu Wolken, so kalt es ist – zumindest am winterlich-trockenen Samstag. Aber es ist angenehm kalt.

Genau richtig, um etwas Heißes zu trinken. „Im Anschluss trinken wir auf dem Weihnachtsmarkt noch einen Glühwein“, erzählt seine Begleiterin Yvonne Muzek. „Das würden wir aber wohl kaum vorhaben, gäbe es nur den Weihnachtsmarkt. Wir hätten eine Runde gedreht und das wär‘s gewesen, weil es im Prinzip nichts wirklich Neues gibt“, erklärt die 55-Jährige. Um so mehr freut es sie, dass mit der „Schmiedeweihnacht“ genau die Abwechslung geboten wird, die sie sich wünscht. „Stolberg hat eine sehr schöne Altstadt, da passt so etwas einfach wunderbar hinein“, sagt sie noch.

Also mehr davon, bitte: Der Tenor bei den Besuchern geht klar in diese Richtung. Für Kunstschmied Ron van Loorbeek sind Äußerungen wie die der beiden Besucher eine Bestätigung dafür, dass mit der Schmiedeweihnacht etwas Außergewöhnliches geboten wird. Das freut auch den Stolberger Adi Radermacher, der die „Schmiedeweihnacht“ mit aus der Taufe gehoben hat. „Wir wollen hier gemeinsam etwas zustanden bringen, das es nirgendwo in der Umgebung gibt, das Besucher aus dem gesamten Dreiländereck anzieht“, so der Kunstschmied aus Brunssum über die Pläne, die er gemeinsam mit Radermacher und Jürgen Gerres von der Stadt Stolberg umsetzen will. Das Trio will Schmiede nach Stolberg holen, die sich in ihrem Handwerk auf hohem Niveau bewegen.

So wie Johan van Eenoo, der als Teilnehmer einer belgischen Delegation die Welt-Schmiedemeisterschaft 2009 gewann. Oder eben Michel Beken, der Mann mit dem Metall-BH. „Seine mobile Esse ist einmalig auf der Welt, Vergleichbares habe ich nie gesehen“, schwärmt Ron van Loorbeek. Dass die mobile Schmiede von Beken etwas Besonderes ist, sieht auch ein Laie. Der Abzug über der Feuerstelle erinnert an eine Filmrequisite aus „20 000 Meilen unter dem Meer“. Der große Abzug ist spiralförmig und massiv. Handarbeit und nach eigenen Entwürfen gefertigt. Der Clou: Die Abzugshaube ist schwenkbar, „das ermöglicht mir, selbst drei Meter große Werkstücke zu bearbeiten“, erklärt Michel Beken und zwirbelt, fast schon ein bisschen verlegen angesichts so viel Lobs, an seinem Schnurrbart.

Traumhaft schöne Schalen

Bemerkenswert ist auch die Kunst von Adalbert Wolff aus Langerwehe. Sein Werkstoff ist Holz. Der Drechsler fertigt traumhaft schöne Schalen und Objekte, die an die Erdkugel erinnern. Mal glasiert er das Holz, mal wird es nur mit Öl behandelt, dann wieder bleibt es naturbelassen.

Der Impuls ist kaum zu unterdrücken – man möchte das Holz anfassen. Das dürfen die Besucher auch. Schließlich wird bei der „Schmiedeweihnacht“ ja Handwerk zum Anfassen geboten. Und das mit einem Schuss Nostalgie.

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