Stolberg - Schleicherpark erlebt einen großen Ansturm

Schleicherpark erlebt einen großen Ansturm

Von: Toni Dörflinger
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Großer Andrang herrschte am g
Großer Andrang herrschte am gestrigen Tag des offenen Denkmals seit dem Morgen bei den Führungen durch den Schleicherpark: rechts Stadtführerin Helma Foto: T. Dörflinger

Stolberg. „Das Spielgebiet meiner Kinderzeit”, sagt Frank Wilden, als er sich im Schleicherpark gemeinsam mit 40 anderen Interessenten auf rutschigen, laubbedeckten Wegen den Berg hinauf kämpft. Wilden beschreibt damit Szenen, die sich in den 1970er Jahren ereignet haben, als der heute 43-Jährige Mauern überwand, um verbotenerweise in den Schleicherpark zu gelangen.

Diesmal allerdings brauchten keine Mauern überwunden und Verbote ignoriert werden, sondern der Eigentümer - Klaus Schleicher - hatte das historische Terrain zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Auf dem von Fett- und Schlossberg sowie Kohlbuschweg begrenzten Areal spielten die von der Romantik beeinflussten Bauten und Gartenanlagen des 19. Jahrhunderts eine große Rolle. Schließlich hat sich Emil Schleicher, der das Gelände zwischen 1890 und 1910 anlegte, von den Ideen der Romantik leiten lassen.

Zusätzliche Führer nötig

Zurück zu den Besuchern: Die machten von dem Angebot in so großer Zahl Gebrauch, dass neben dem Stadtführer-Ehepaar Helmut und Katharina Schreiber Parkbesitzer Klaus Schleicher persönlich als zusätzlicher Führer einspringen musste. Begonnen hatten die Parkbesichtigungen, die die auf einer Anhöhe gelegene ruinenhafte Kapelle zum Ziel hatten, mit einem Rundgang auf dem Gelände des auch Burg Bleibtreu genannten Kupferhofes Unterster Hof. Dort machte im ehemaligen Mühlengebäude Friedrich Holtz per Diavortrag die Besucher mit den Sehenswürdigkeiten der Kupferstadt vertraut, und Stadtführerin Helma Prössl erläuterte die Besonderheiten der historischen Hofanlage.

Des weiteren hatte Klaus Schleicher in einer Garage auf Stellwänden Bilder platziert, die den Zustand der alten Parkanlage um 1911 dokumentieren. Um dem großen Andrang gerecht zu werden, trug die stellvertretende Leiterin der Stolberg Touristik, Sonja Erler, die Besucher in Wartelisten ein. „Die große Resonanz überrascht uns. Damit jeder Besucher in den Genuss einer Führung kommt, finden die Rundgänge nicht wie ursprünglich geplant stündlich, sondern halbstündlich statt”, erklärte Erler, die selbst als Führerin tätig wurde, wenn Engpässe entstanden, und darüber hinaus als Mitorganisatorin des Denkmaltages für das Management zuständig war.

Auch wenn es anfänglich in Strömen regnete und die von Totholz und störenden Gebüschen befreiten Wege immer rutschiger wurden, gestaltete sich der Parkbesuch für die Teilnehmer zu einem großen, nachhaltigen Erlebnis. „Das Gelände besitzt einen geradezu mystischen Charme. Schade, dass es nicht öffentlich zugänglich ist”, meinte Günter Lichtenthäler, als er auf der Anhöhe die alte, verfallende Kapelle erblickte. Die Kapelle - die im Untergeschoss liegende Gruft hatte Emil Schleicher einst zu seiner Grablege bestimmt - gehört zu den vielen Besonderheiten des Schleicherparkes. Besonderheiten, die nicht nur von einer Kapelle, sondern von Wasserfällen, Grotten, Seen, Gedenksteinen und Türmen gekennzeichnet waren.

Vandalismus und Pflegemangel

Auch wenn von dieser einstigen Pracht heute nicht mehr viel zu sehen ist - Vandalismus und mangelnde Pflegemaßnahmen haben dem im 19. Jahrhundert entstandenen Landschaftspark zu schaffen gemacht -, kamen die Besucher auf ihre Kosten. So gehörten Aussagen wie „toll”, „einzigartig” und „ein fantastisches Erlebnis” quasi zur Tagesordnung.

Von der Kapelle aus führte der Weg den Berg hinab zum „Godart-See”, wo die Besucher mit einem ehemaligen Luftschutzstollen vertraut gemacht wurden, der - Anfang des Zweiten Weltkrieges im Park angelegt - die Mitarbeiter des früheren benachbarten Metallwerkes vor möglichen Bombenabwürfen und Granateinschlägen schützen sollte.

Der Rundgang endete am Kohlbuschweg, wo die 1908 entstandene Toranlage aufgeschlossen wurde.
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