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Schlecker: Der große Ausverkauf hat schon begonnen

Von: Anja Klingbeil
Letzte Aktualisierung:
Viele Regale sind schon leer:
Viele Regale sind schon leer: Marina Josten freut sich zwar über die Schnäppchen, wird den Schlecker vor Ort aber auch vermissen. Foto: A. Klingbeil

Stolberg. Marina Josten greift zu. Noch eine Packung Waschmittel, noch ein Duschgel, noch ein Cremetiegel, noch ein Hygienearitkel. Ihr Einkaufswagen füllt sich rasend schnell. Die Preisnachlässe sind aber auch nicht zu verachten.

30, teilweise sogar 50 Prozent gibt es auf die Artikel. Alles muss raus. Und zwar ganz schnell. Für den Abverkauf bleiben nur noch zehn Tage.

Was die Schnäppchenjäger freut, hat einen traurigen Hintergrund. Seit Mittwochmorgen steht fest, welche Filialen der Drogeriemarkt-Kette schließen. Fünf sinds in Stolberg: Schevenhütter Straße, Dechant-Brock-Straße, Sebastianusstraße/Ecke Goethestraße, Salmstraße und Werkstraße. Damit zieht sich Schlecker komplett aus der Kupferstadt zurück. Von wegen „For you. Vor Ort.”

Das Aus kam per Fax. Am Dienstagabend erst, so berichten die Angestellten, hatte jede Filiale eines erhalten. „Wir müssen Ihnen heute leider mitteilen, dass Ihre Verkaufsstelle nach vorläufigem Stand zum 24. März 2012 geschlossen wird”, heißt es darin. Wie es mit den Mitarbeitern weitergeht, ist immer noch unklar.

„In den vergangenen Wochen haben sich viele krankschreiben lassen oder haben ihren Urlaub genommen, damit der nicht verfällt”, sagt die junge Frau an der Kasse. Auch für sie ist die Schließung ein harter Schlag. Die alleinerziehende Mutter bangt um ihren Arbeitsplatz. „Und so welche wie mich, die gibt es bei Schlecker zur Genüge”, sagt sie. Ihren Namen wollen die Mitarbeiterinnen nicht in der Zeitung lesen. Sagen möchten sie trotzdem, dass sie sich bei ihrem Arbeitgeber sehr wohlgefühlt haben. Dass die Arbeitszeiten flexibel zu gestalten waren. Böse Worte fallen nicht - ganz im Gegenteil. Ende März sollen die Mitarbeiter dann die Gewissheit haben, wer bleiben darf und wer gehen muss. Ein Sozialplan wird derzeit ausgearbeitet.

Sein Bedauern über die Entwicklung drückt am Mittwoch auch Bürgermeister Ferdi Gatzweiler aus. „Wir als Stadt hatten aber keinerlei Einfluss auf diese Entscheidung”, sagt Petra Jansen, Referentin des Bürgermeisters.

Bedauern und Wut über die Schlecker-Entscheidung herrschen auch bei den Kunden vor. „In meinem Alter ist man dankbar, wenn man ein solches Geschäft vor Ort hat”, sagt Marianne Erkens. 86 Jahre ist sie alt. Den Drogeriemarkt in Zweifall erreicht sie bequem zu Fuß. „Wenn der Schlecker schließt, kann ich nur noch alle 14 Tage mit meiner Schwiegertocher mit dem Auto einen Großeinkauf machen”, ärgert sich Marianne Erkens. Mal eben schnell um die Ecke gehen und das einkaufen, was man im großen Supermarkt vergessen hat, ist dann nicht mehr drin. „Das ist einfach nicht zu begreifen”, schüttelt Erkens den Kopf.

Kopfschütteln auch bei Lore Schuricht: „Das ist auch für die Mitarbeiter ganz schlimm und für Mausbach.” Auch dort schließt die Filiale. Das Angebot schrumpft. „Hier ist doch ohnehin schon so wenig”, sagt die 82-Jährige und blickt auf Metzger, Bäcker und Post. Der Drogeriemarkt wird aus Mausbach verschwinden. „Wir haben nach extrem genauen betriebswirtschaftlichen Kriterien entschieden, welche Filialen geschlossen werden”, sagt Schlecker-Pressesprecher Dr. Alexander Güttler. Für Kunden und Mitarbeiter ist das nur ein schwacher Trost.

Auch für Marina Josten. Sie steht mittlerweile mit einem prall gefüllten Einkaufswagen an der Kasse. Das Band läuft, der Scanner piepst. Knapp 60 Euro stehen am Ende auf ihrer Rechnung. Und dennoch ist Marina Jostens Laune bedrückt: „Wir haben hier in Zweifall ja sowieso schon nichts. Schlimm ist es auch für meine Schwiegermutter. Sie hat kein Auto”, sagt Josten nachdenklich. Der nächste Schlecker ist in Roetgen.

Der Ausverkauf bei Schlecker läuft. „So viel wie heute hat die Kasse in den vergangenen Monaten nie geklingelt”, sagt eine Mitarbeiterin betrübt.
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