Schlangenberg wird zur Parklandschaft

Von: Jürgen Lange
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Mit dem Harvester werden die gefällten Bäume geschält, auf Länge zugeschnitten und sortiert: Stämme gehen in die Holz- und Spanplatten-Industrie, Äste und Schlagabraum werden für das Simmerarther Holzkraftwerk Foto: J. Lange

Stolberg. Zugegeben, ein wenig sieht es schon nach einer Großbaustelle aus. Und mancher Wandersfreund ärgert sich über die gefällten Kiefern, die in diesen Tagen noch die Wege versperren.

Andere Spaziergänger im Wald sind so fasziniert von den Arbeiten, dass die Mitarbeiter des Forstamtes trotz weiträumiger Absperrung immer wieder darauf achten müssen, dass ihnen kein allzu neugieriger Naturfreund in die Quere kommt, wenn die bis zu 60 Jahre alten, schweren Kiefern krachend zu Boden fallen. Doch zu erkennen sind bereits die ersten Konturen des neuen Gesichtes das der Schlangenberg in wenigen Wochen zeigen wird, und das doch sein altes ist.

Bäume als Konkurrenten

Bis in die 1950er und 60er Jahre, so dokumentieren es Luftbilder und Fotografien, war der Schlangenberg eine Heidelandschaft. Kaum ein Baum war auf den 50 Hektar zu finden. Erst die zur Preußenzeit importierten Kiefern sorgten im Laufe der letzten Jahrzehnte mit ihrer rasanten Ausbreitung - vorallem auch nach dem Ende der Nutzung als Truppenübungsplatz - für eine immer stärker zunehmende Bewaldung.

Doch was auf den ersten Blick schön Grün aussieht, ist beim genaueren Hinsehen das Ende eines weltweit einzigartigen Vorkommens einer ganz speziellen Pflanzengesellschaft: Die Schwermetallflora ist nur auf solch geogen belasteten Böden - schon die Kelten und Römer bauten hier Erze ab - wie dem Schlangenberg zu finden. Die wohl bekannteste Vertreter dieser aus Schwermetallböden ficierte Pflanzenfamilien sind Galmei-Veilchen, -grasnelke und -täschelkraut, die eine ebenso spezialisierte Tierwelt anziehen.

Während die Kiefern Licht und Standort streitig machen, führt die Rote Liste die Galmeiflora als stark gefährdet auf. Einige Arten sind weltweit nur noch in Stolberg zu finden. „Es ist Zeit zu handeln”, sagt Stolbergs Förster Theo Preckel in Abstimmung mit Landschaftsbehörden, Biologischer Station und dem Gutachter Dr. Richard Raskin. Auf den 50 Hektar werden die Kiefern entnommen.

Einzelne Bäume, insbesondere ältere Stämme, die Höhlenbrütern, wie Specht, Fledermaus und Hohltauben, ein Heim bieten, werden erhalten. „Eine parkähnliche Heidelandschaft entsteht”, erklärt Preckel und bittet die Waldbesucher um Verständnis, dass ihre beliebte Wanderstrecke für wenige Wochen als Arbeitsplatz den Forstmitarbeitern vorbehalten bleibt.

Das liegt auch daran, dass die Renaturierungsmaßnahme mit einem großen Aufwand verbunden ist. Seit zwei Wochen sind die Stolberger Forstbetriebswirte bereits damit beschäftigt, Baum für Baum zu fällen. Waldarbeiter ziehen dann jeden Stamm einzeln zum Wegesrand, wo er von einem Harvester genannten Spezialgerät weiter verarbeitet wird.

Hächsel für Holzkraftwerk

Der Harvester zersägt die Stämme in wirtschaftlich unterschiedlich zu nutzende Fraktionen. Mächtigere Stücke finden eine spätere Nutzung für die Kisten- und Verpackungsindustrie. Kleinere und krumme Stammstücke werden zerkleinert für die Herstellung von OSB-Platten. Und selbst für den Schlagabraum hat Preckel Abnehmer gefunden: Er wird komplett gehächselt und dient zur Stromgewinnung im Simmerather Holzkraftwerk.

„Etwa je zur Hälfte gehen die Stämme in die Sägewerke und Spanplatten-Produktion”, sagt der Stolberger Förster. Wenn die grobe Arbeit getan ist, werden große Teile der Schlangenbergs gemulcht, um auch dem Strauchbewuchs beizukommen. Möglichst wenig von der organischen Masse aus der Ernte soll zurückbleiben. Denn die Galmeiflora gedeiht am besten auf dem kargen schwermetallhaltigen Boden. Spätestens bis Mitte März will der Förster das immense Arbeitspensum geschafft haben.

„Sobald wir mit den Rekultivierungsarbeiten fertig sind, bringen wir auch wieder die Wege in Ordnung”, verspricht Theo Preckel, denn die vielen Besucher des Schlangenbergs sollen sich an der Rückkehr dieser einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt in die ursprüngliche Parklandschaft einer Magerrasen-Vegetation erfreuen können.
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