Schießstand: Befürchtungen über verstärkten Lärm

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Rund 3500 Jäger nutzen die Schießanlage im Hammerwald. Immer wieder einmal klagen Anwohner des nahen Donnerbergs über Lärmbelästigung.

Stolberg. Günter Offermann möchte zurückschießen. Allerdings bezweifelt der 71-Jährige, dass er oder seine Mitstreiter in der Nachbarschaft gute Aussicht auf Erfolg haben werden. Zu lange hat sich der pensionierte Lehrer den Schlagabtausch gegeben mit Behörden und Lobbyisten, wie er sagt.

Und eigentlich wollte er die Angelegenheit auch nicht mehr ins Visier nehmen, aber der letzte Artikel in unserer Zeitung veranlasste Offermann, wieder nach seinen Ohrstöpseln zu greifen.

Der Kreisjagdverband hat die neue „Schießstand Hammerwald GmbH“ gegründet. Der Schießstand im Hammerwald besteht seit den 1950er Jahren, wurde kürzlich an eine Privatperson veräußert. Um einen langfristigen Pachtvertrag für die jagdliche Aus- und Weiterbildung abschließen zu können, wurde die GmbH gegründet. Der sei erst einmal bis ins Jahr 2043 geschlossen, sagte Geschäftsführer Peter Nürenberg unserer Zeitung. Für Günter Offermann bedeutet das: 30 weitere Jahre dem Lärm ausgesetzt sein, vorausgesetzt, er würde 101 Jahre alt werden.

Er wohnt auf dem Donnerberg und hat sich seit Ende 1996 als Sprecher der Bürgerinitiative gegen Lärmbelästigung durch den Schießstand Burgholzer Graben eingesetzt für die lärmgeplagten Anwohner im Bereich Hastenrather Straße bis Duffenter. Drei Jahre lang dauerte es allein, bis das Landesumweltamt seinerzeit eine Messeinrichtung auf Offermanns Balkon installierte, um die durch den Schießstand verursachten Geräuschimmissionen zu ermitteln. Besonders über den Krach, der beim Tontaubenschießen entsteht, hatte sich die Initiative beschwert. „Bis zu 21 Schüsse pro Minute, rechnen Sie das mal auf eine Stunde hoch. Ich kann da nicht mehr drüber lächeln, so wie manch ein Außenstehender das sicherlich tut, ich kann das nicht mehr aushalten“, betont Offermann.

Gemütlich draußen sitzen mit Gästen, ein Nickerchen in der Sonne machen, daran sei gar nicht zu denken, wenn der Wind aus Südwest komme und den Lärm der rund knapp 1000 Meter entfernten Schießanlage auf den Donnerberg trage. Die Bemühungen der Bürgerinitiative „endeten letztlich im Nichts“, so der 71-Jährige. Das vom Land NRW erstellte Gutachten gab, salopp ausgedrückt, den Grünröcken freien Schuss. Allerdings habe die Kreisjägerschaft schließlich Zugeständnisse gemacht, insofern als dass sonntags und in der Mittagszeit nicht mehr geschossen wurde.

Darüber hatte das damalige Umweltamt Aachen mit der Kreisjägerschaft einen Vertrag abgeschlossen. Die wichtigsten Regelungen des Vertrags lauten, so schrieb es Wulf Böckenhaupt: „Bei einer Windrichtung aus 200° ± 60° dürfen maximal 1000 Schuss pro Tag abgegeben werden. Diese Regelung gilt nicht an 12 Tagen pro Jahr. Die Kreisjägerschaft teilt schriftlich im Voraus die 12 Tage bis 15. November jeden Jahres mit.“ Die windrichtungsabhängige Schusszahlbegrenzung beruhe auf Messungen und Auswertung des Landesumweltamtes. Hierbei seien die Interessen der Nachbarschaft in hohem Maße berücksichtigt. Geschossen werden kann in der Regel mittwochs drei Stunden, samstags je drei Stunden vor- und nachmittags. An Sonntagen wird nicht auf Tontauben geschossen, aus Gründen des Lärmschutzes für Anlieger insbesondere auf dem Donnerberg, wie Peter Nürenberg betonte.

Günter Offermann traut dem Braten nicht. Er hat die Befürchtung, dass durch die Gründung der GmbH wieder mehr „geballert wird“.

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