Stolberg - Schattenwurf und Lärm auf dem Prüfstand

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Schattenwurf und Lärm auf dem Prüfstand

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
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So könnte der Blick über Zweifall demnächst aussehen. Mit mehr als 200 Meter hohen Windrädern, die reichlich nahe an die Bebauung des Ortes heranrücken.Fotomontage: Arbeitsgruppe

Stolberg. Unter dem Namen „Zweifaller Arbeitsgruppe Windkraftanlagen“ haben die Bürger von Zweifall eine Arbeitsgruppe gegründet. Das Gremium soll sich mit den geplanten Windenergieanlagen befassen, die rund um Zweifall errichtet werden sollen.

33 Bürger aus Zweifall und Umgebung haben sich jetzt getroffen und die Arbeitsgruppe (ZAG-WKA) gegründet. Als Sprecher wurden Ralph Schunk, Elke Gerhards und Ute Mommer-Breuer bestimmt. Das Gründungstreffen wurde von Albert Willems, Technischer Beigeordneter im Ruhestand, mit einem informativen Vortrag eingeleitet.

Willems referierte über den Bau von Windkraftanlagen und die beiden für Stolberg ins Auge gefassten Standorte Hedchensknepp/Pützberg und Wolberberg/Frackersberg. Nach der anschließenden Diskussion wurde festgehalten, dass sich die Arbeitsgruppe nicht grundsätzlich gegen die Energieerzeugung per Windkraft ausspricht. Allerdings, so betonten die Mitglieder der Arbeitsgruppe, müsse bei den Planungen „der Mensch im Vordergrund“ stehen.

Und dieser Leitgedanke sei den Planungen für die Windkraftanlagen in Zweifall bislang in vielerlei Hinsicht nicht verwirklicht worden. So seien die Bürger nicht genügend in die Planungen eingebunden worden. Daraus resultierten entsprechende Mängel. Wenn die Windräder dort aufgestellt würden, wo es die Stadtverwaltung plane, müsse man in Zweifall mit starken Beeinträchtigungen rechnen. Durch Lärm, Schattenwurf und Leitfeuer der Anlagen. Der Wohn- Freizeit- und Erholungswert des Ortes sinke erheblich. Eine große Wertminderung der Zweifaller Immobilien sei absehbar. Aber auch die Tier- und Pflanzenwelt werde unter den Windrädern leiden.

Die Arbeitsgruppe hinterfragt deshalb grundsätzlich die Eignung der Flächen „Hedchensknepp“ und „Pützberg“ als Konzentrationsflächen für Windenergieanlagen. Die Arbeitsgruppe fordert die Stadtverwaltung auf, die europaweite Investorensuche bis zur Klärung besagter Fragen zu stoppen.

Schwerpunkte gesetzt

Die ZAG-WKA hat ihre Arbeit innerhalb verschiedener Arbeitskreise aufgenommen. Die Arbeitskreise werden sich mit den Schwerpunkten beschäftigen: Positive Aspekte der Windkraft, mögliche Vorteile der Standorte rund um den Stolberger Stadtteil Zweifall, bekannte Folgen durch große Windkraftanalgen, die Bedeutung besagter Flächen für die Windräder als Naherholungsgebiet, Veranstaltungen und Aktionen sowie die Organisation einer Unterschriftensammlung.

Wenig erfreut

Beim zweiten Bürgerforum in Zweifall waren die Einwohner von Zweifall und Breinig wenig erfreut gewesen von der Nachricht, dass sie demnächst nicht mehr nur auf Wald, sondern auf riesige Masten mit Windrädern zwischen den Bäumen schauen sollen. Bis zu 200 Meter würden die Windräder aus den Bäumen heraus ragen. Und die Rotoren für reichlich Wind über den Baumwipfeln sorgen. Im Gasthaus zur Post hatten sie ihren Unmut denn auch zur Sprache gebracht. Amtsleiter Andreas Pickhardt hatte auf Studien verwiesen, nach denen die Stadt Stolberg insgesamt zwölf Windkraftanlagen auf ihrem Gebiet aufstellen könnte.

Bislang gebe es aber nur drei Anlagen in Stolberg. Wenn es sich nicht um besonders wertvolle Baumbestände handele, könnten Windräder nach neuester Rechtsprechung auch in Wäldern aufgestellt werden. Deshalb komme nun auch Zweifall als möglicher Standort in Frage. Pickhardt hatte versichert, dass die Windräder in einem Abstand von mindestens 750 Metern zu Wohngebieten und 500 Metern zu Mischgebieten aufgestellt würden. Schon allein diese Zahlen hatten den Widerstand der Zweifaller beim Bürgerforum hervor gerufen. Ein Abstand von mindestens 1000 Metern sei erforderlich, hatte es geheißen.

Inzwischen hatte das Sprechergremium der Arbeitsgruppe Windkraftanlagen einen Gesprächstermin bei Bürgermeister Tim Grüttemeier im Rathaus. Dabei konnten die Sprecher die Vorbehalte der Arbeitsgruppe gegen das Windkraftprojekt in Zweifall vorbringen. Insbesondere die Fragen zur fehlenden Bürgerbeteiligung, dem momentanen Stand der Planungen und der Ausschreibungen für mögliche Betreiber wurden vom Bürgermeister und den zuständigen Mitarbeitern beantwortet.

Der Bürgermeister habe eingeräumt, dass eine frühere Bürgerbeteiligung durchaus sinnvoll gewesen sei, so Ralph Schunk in einer Mitteilung an die Zweifaller. Die langwierigen Planungen seien noch nicht abgeschlossen, so dass noch nicht klar sei, ob die ausgewiesenen Flächen rund um Zweifall denn auch tatsächlich geeignet seien, dort Windkraftanlagen zu installieren.

Antworten auf diese Fragen erwartet sich die Stadtverwaltung im Rahmen der Ausschreibung, an der sich Fachunternehmen beteiligen sollen. Dabei werde heraus kommen, ob diese Unternehmen die Flächen für geeignet erachten oder nicht. Die Stadt selbst habe keine Experten zur Beurteilung dieser Frage im Haus. Insofern müsse zunächst die Rückmeldung abgewartet werden.

Entsprechend werde auch der Flächennutzungsplan in besagter Region noch nicht geändert. Der Bürgermeister begrüßte das Interesse der Zweifaller Bürger am Thema Windkraft und versprach, mit den Fraktionsvorsitzenden seiner Koalition die Arbeitsgruppe zu besuchen und dort Rede und Antwort zum Thema zu stehen.

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