Stolberg - Saufen, bis der Notarzt kommen muss

Saufen, bis der Notarzt kommen muss

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
6792873.jpg
Immer mehr junge Menschen saufen, bis der Arzt kommt. Sie werden dann mit einer Alkoholvergiftung ins Stolberger Bethlehem-Krankenhaus eingeliefert. Foto: imago/PeterWidmann

Stolberg. „Komasaufen“ liegt offenbar im Trend: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die nach ausgiebigen „Feiern“ mit einer Alkoholvergiftung in das Stolberger Krankenhaus eingeliefert werden, hat dramatisch zugenommen.

Alkohol ist in der Gesellschaft neben dem Zigarettenkonsum ein weit verbreitetes Suchtmittel. Bier und Spirituosen sind preiswert und an jeder Ecke käuflich. Ein Vollrausch ist billiger zu haben als eine Schachtel Zigaretten. Immer mehr junge Menschen greifen zur Flasche und schütten Alkohol in sich hinein – bis zur Bewusstlosigkeit. Trinken ist in. Wer nicht mit den Freunden zur Flasche greift, wird ausgegrenzt.

Doch die Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums werden oft unterschätzt. Oft bringen sich Kinder und Jugendliche mit ihren Saufgelagen in akute Lebensgefahr.

Auch im Stolberger Krankenhaus müssen regelmäßig alkoholisierte Kinder und Jugendliche behandelt werden. Die Statistik des Kraneknhauses erfasst allerdings nur jene jungen Menschen erfasst, die sich ins Koma getrunken haben und stationär aufgenommen werden müssen. Jugendliche, die nach einer Alkoholvergiftung in der Klinik landeten und wenige Stunden später von ihren Eltern wieder abgeholt werden, tauchen in der Liste nicht auf. Doch die Zahl der Fälle, in denen Jugendliche lebensgefährlich betrunken mindestens eine Nacht im Krankenhaus bleiben müssen, hat sich vervielfacht. Wurden in den Jahren 2009 bis 2011 noch jeweils 16 junge alkoholisierte Patienten im Bethelehm-Krankenhaus aufgenommen, waren es im vergangenen Jahr bereits 43. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2013 mussten bereits 23 junge „Schnapsleichen“ im Stolberger Krankenhaus bleiben.

Und bei diesen Zahlen sind nur Patienten im Alter über 17 Jahren erfasst.. Alle anderen werden sofort einem Kinderarzt vorgestellt. Dr. Christian Stolte, Leiter der Zentralambulanz im Bethlehem und Notfallmediziner, hat denn auch festgestellt: „Die Patienten mit Alkoholvergiftung werden immer jünger, und ihre Zahl nimmt zu.“ Auf die Frage, warum die Anzahl der Fälle so steigt, mutmaßt Stolte: „Die Gesellschaft hat sich verändert. Wenn wir früher in einer Gruppe zusammen raus gegangen sind und einer viel getrunken hatte, dann wurde sich rechtzeitig um den Betroffenen gekümmert. Gerade bei Einsätzen als Notarzt ist mir aufgefallen, dass der Zusammenhalt nicht mehr so spürbar ist. Es wird immer seltener Verantwortung übernommen.“ Jörg Frings, Leiter „Medizinisches Controlling“ am Bethlehem-Krankenhaus, haben die aktuellen Zahlen ebenfalls schockiert: „In einigen Fällen war der Alkoholmissbrauch lebensbedrohlich. Das finde ich zutiefst erschreckend.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert