Stolberg - Sattelzüge blockieren die Landesstraße

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Sattelzüge blockieren die Landesstraße

Von: Jürgen Lange
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Gefährlich: Der weiße Sattelzug will Berzelius nach links verlassen, aber sein Fahrer hat keine Sicht auf den Verkehr, weil sich die Schlange der Zulieferer bis auf die Zweifaller Straße zurückstaut. Gleichzeitig will der Verkehr auf der Zweifaller Straße die parkenden Lkw passieren, während der Pkw-Fahrer stadteinwärts auf die Bremse steigen muss. Foto: J. Lange

Stolberg. Donnerstags ist das Problem zumeist besonders auffällig, aber auch an anderen Tagen der Woche bilden sich vor den Werkseinfahrten von Aurubis und insbesondere der Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer lange Schlangen von Lastwagen auf der Zweifaller Straße.

Ein Passieren der Stoßstange an Stoßstange wartenden Sattelzüge auf der Landesstraße 238 ist kaum oder nur schwierig möglich. Gefährliche Verkehrssituationen ergeben sich immer wieder, reklamieren Leser.

Während die Rohstoffe für ihre Produktion der Bleihütte in erster Linie mit Güterzügen – rund 180.000 Tonnen Bleierze werden über den Hafen Antwerpen bezogen – angeliefert werden, verlassen die Produkte in der Regel mit Lastwagen das Werk, was vor allem in den logistischen Anforderungen der Kunden begründet ist. 50 bis 100 Sattelzüge sind es täglich, die vom Binsfeldhammer in Richtung Autobahn steuern.

Was einerseits ein Zeichen erfolgreicher prosperierender Industrieunternehmen ist, wird für Autofahrer immer mehr zu einem Ärgernis und einem Problem. Ein Problem, das in den Unternehmensleitungen bekannt ist, bekennt Dr. Urban Meurer. „Seit fast zwei Jahren arbeiten wir bereits intensiv an Lösungsmöglichkeiten“, sagt der Geschäftsführer der Berzelius Bleihütte. Doch bislang haben sich alle Alternativen zerschlagen. Dabei ist aus Sicht der Unternehmen eines schon klar: Auf den Firmengeländen fehlt der Platz für Lkw-Aufstellflächen. Das liegt an der historischen Entwicklung. Der Platz am Ufer der Vicht, eingebettet im engen Stolberger Tal, grenzt bereits heute die Möglichkeiten zur betrieblichen Weiterentwicklung extrem ein. Mit einem erheblichen Aufwand verbunden ist derzeit der Einbau einer neuen Silberhütte auf dem beengten Werksgelände. „Damit ist der letzte freie Platz zugebaut“, sagt Meurer. Und auch den gab es nur, weil alte Anlagen demontiert und Abläufe neu strukturiert werden konnten.

Also kann eine Lösung im Wesentlichen auch nur vor den Werkstoren gefunden werden. Immer wieder haben Unternehmen, Stadtverwaltung und der Landesbetrieb Straßenbau beratschlagt und geplant sowie Vorschläge mit den zuständigen Behörden besprochen – bislang ohne durchschlagenden Erfolg.

Eine Idee war, die „nur-so-da“-Brücke zu nutzen. Das Bauwerk war vor Jahrzehnten bei der Planung der „neuen“ Zweifaller Straße konzipiert worden, um einen querungsfreien Anschluss der Steinbrüche zu gewährleisten. Von der Planung bis zur Realisierung verging dann aber so viel Zeit, dass das Abbaugebiete aufgegeben wurden, aber die Brücke trotzdem gebaut wurde. Seitdem wird sie von Wanderern und im Notfall noch von der Feuerwehr genutzt.

Die Idee war, den meist geballt auftretenden Lkw-Verkehr von der Zweifaller Straße zu holen und über die Brücke zu einer Wartefläche zu lenken und bedarfsorientiert ins Werk abzurufen. Ein absolutes „no go“, befanden die Umweltschutzbehörden. Denn das 81 Hektar große Gelände der Steinbrüche Binsfeld- und Bernhardshammer ist ein Natura-2000-Gebiet, deren Fauna und Flora besonders strengen europäischen Schutzvorschriften unterliegen. Was übrigens für den 32 Hektar großen Hammerberg auf der anderen Seite des Burgholzer Grabens und den 27 Hektar großen Bärenstein gleich neben der Vennbahnlinie am westlichen Werksgelände der Bleihütte ebenfalls gilt.

Nachgedacht wird in der Bleihütte derzeit auch über eine Aufweitung der Werkszufahrt an der Zweifaller Straße. Für eine deutliche Verbreiterung der Fahrbahn der Landesstraße fehlt im Tale aber ebenso der Platz. Gesucht wird also weiterhin nach Alternativen, um den wartenden Schwerlastverkehr an einem nahen, aber verkehrssicheren Ort konzentrieren und die Lastwagen dann einzeln zum Werk beordern zu können. Dies soll auch weiter vertieft werden bei einer Besprechung im Juli zwischen Firmen, Behörden und Bürgermeister.

„Mit einer Lösung der Lkw-Problematik ist es aus unserer Sicht noch nicht getan“, sagt Dr. Meurer und verweist auf die Einmündung der Ausfahrt von der Hütte zur Zweifaller Straße. Angesichts des Verkehrsaufkommens muss dort in die Sicherheit investiert werden. „Alleine im vergangenen Jahr hat es hier zwei schwere Verkehrsunfälle geben“, sagt der Berzelius-Geschäftsführer, dem es ein Herzensanliegen ist, dass seine Mitarbeiter sicher von und zur Arbeit gelangen können.

Doch der Einmündungsbereich der Straße „Binsfeldhammer“, über die auch die Biologische Station der Städteregion erschlossen wird, ist nicht ausreichend dimensioniert, um einen Kreisverkehr anlegen zu können, der auch den Schwerlastverkehr abwickeln könnte. Eine andere Lösung muss her. Auch in diesem Fall engagiere sich das Unternehmen intensiv, um zu einer Alternative zu gelangen, betont Meurer. Unterstützung erhält er dabei auch von der IG Metall und dem Betriebsrat. Vorsitzender Jürgen Müllejans hat in der Belegschaft von Berzelius und den umliegenden Unternehmen bereits mehr als 800 Unterstützungsunterschriften gesammelt.

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