Stolberg - Saint-Gobain Sekurit: Betriebsrat will Entscheidung nicht hinnehmen

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Saint-Gobain Sekurit: Betriebsrat will Entscheidung nicht hinnehmen

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Bei Saint-Gobain Sekurit geht die Angst um, Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze: Dass 80 der 320 Stellen wegfallen könnten, will der Betriebsrat nicht hinnehmen. Foto: Jürgen Lange

Stolberg. Die Resonanz war heftig. Am Mittwoch hatte Saint-Gobain Sekurit Deutschland angekündigt, 80 Stellen im Werk Stolberg streichen zu müssen, einen Tag später saßen Betriebsrat und Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) zusammen. Ergebnis der Sitzungen am Donnerstag: Die Entscheidung wird nicht kampflos hingenommen.

Juristin eingeschaltet

„Das ist ein Schock, wenn man gesagt bekommt, dass der eigene Job in Gefahr ist”, beschreibt der Betriebsratsvorsitzende von Sekurit, Peter Alt die Stimmung unter den 320 Mitarbeitern des Werks. „Die ist nun mehr als gedrückt.”

Die ursprünglich für den kommenden Donnerstag anberaumte Betriebsversammlung ist kurzerhand abgesagt worden, stattdessen wird die Belegschaft aufgefordert, an diesem Tag an einer Demonstration, voraussichtlich am Tor 1 des Werkes in Stolberg, teilzunehmen. Und nicht nur diese: Die Arbeitnehmervertreter haben beschlossen, alle Beschäftigten aus den Saint-Gobain-Werken der Region und darüber hinaus zur Teilnahme aufzurufen. Betriebsrat und IGBCE hoffen auf die Solidarität der Kollegen unter anderem in Aachen und Herzogenrath.

Die Betriebsversammlung soll erst zwei Wochen später stattfinden. „Wir haben ja gar keine Informationen, die wir den Kollegen mitgeben könnten”, klagt Alt. In die von der Geschäftsleitung angekündigten Gespräche gehe der Betriebsrat deshalb zunächst mit der Vorgabe, alle relevanten Informationen über die wirtschaftliche Lage zu erhalten. Für die juristische Beratung habe man sich deshalb bereits die Dienste einer Rechtsanwältin gesichert.

Verständnis für den Entschluss der Unternehmensleitung, auf die eingebrochene Auftragslage mit Stellenabbau zu reagieren, haben Alt und seine Kollegen jedenfalls nicht. Die Begründung, dass Arbeitnehmer entlassen werden müssten, weil für eine Produktionslinie keine Aufträge mehr vorhanden seien, sei für die Arbeitnehmervertreter nicht nachvollziehbar.

Schließlich nutze das Unternehmen das Mittel der Kurzarbeit erst seit Januar. „Warum nutzt man nicht die Möglichkeiten aus, die das Konjunkturprogramm II bietet?”, fragt Alt. Man könne zum Beispiel die Kurzarbeit auf anderthalb Jahre ausdehnen, anstatt nach gerade einmal sieben Wochen schon auf Stellenabbau zu setzen.

Dass in einer Studie der Wirtschaftszeitung Handelsblatt die Firma Saint Gobain kürzlich als „Top-Arbeitgeber” eingestuft wurde, darüber können die Arbeitnehmervertreter nur lachen: „Verhält man sich so gegenüber einer Belegschaft, die über Jahre hinweg Zugeständnisse bei der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich gemacht hat?”, fragen Betriebsrat und Gewerkschaft rhetorisch in einer gemeinsamen Erklärung.

Das Unternehmen solle seiner sozialen Verantwortung nachkommen und gemeinsam mit den Arbeitnehmern nach einer Lösung ohne Entlassungen suchen, fordert Alt. Geradezu grotesk findet der Betriebsratsvorsitzende von Sekurit, dass im Werk nebenan die Kollegen von Saint Gobain Glass gedrängt würden, einer Arbeitszeitverlängerung zuzustimmen, während bei Sekurit Entlassungen drohten.

Der stellvertretende Bezirksleiter der IGBCE im Bezirk Alsdorf, Manfred Maresch, kündigte an, „alle Mittel und Wege zu nutzen um diese drohenden Entlassungen zu verhindern”. Und Peter Alt ergänzte: „Wir nehmen diese Entscheidung nicht einfach hin, wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz, den wir halten können.”
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