Rund 30.000 Verkehrsschilder „schmücken” die Kupferstadt

Von: Sara Lienemann
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Seit 20 Jahren gibt es in dem kleinen Harz-Städtchen Stolberg nun bereits kein einziges Verkehrsschild mehr. Denn bei der damaligen Sanierung der Stadt entschloss sich diese, die ursprünglich 84 Schilder zu entfernen und den kompletten Ort zur Tempo-30-Zone umzuwandeln.

„Alles läuft seitdem ruhiger. Es war eine sehr gute Entscheidung, denn jeder Autofahrer gibt so mehr Obacht. Es wird langsamer und disziplinierter gefahren, und auch Besucher passen sich an”, sagt der zufriedene Bürgermeister Ulrich Franke. Denn dank der Regelung hätten auch Fußgänger in der Partnerstadt mehr Freiheiten, und es gebe so gut wie keine Raser mehr.

Auch Unfälle passieren laut Franke dank der schilderfreien Straßen kaum noch. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Aufgabe des Schilderkaufs völlig ausbleibe: „Straßenschilder werden immer wieder besprüht und müssen gereinigt oder ausgewechselt werden”, erklärt Ulrich Franke. So spart das Städtchen zusätzlich also auch noch Geld. In Stolberg im Harz gibt es außerdem auch keine Antennen oder Hochleitungen, damit alles in dem historischen Ort seine ursprüngliche Schönheit behält.

Kann Stolberg/Harz hier nicht Vorbild für Stolberg/Rheinland sein? „Ich würde mir wünschen, dass wenigstens ein Teil der Verkehrsschilder abgeschafft wird, denn viele der Schilder sind vollkommen überflüssig. Ich bewundere Kommunen wie Stolberg im Harz oder auch andere Kommunen in den Niederlanden, die erfolgreich einen Großteil ihrer Schilder abgeschafft haben”, äußert sich Heinz Heitkämper, stellvertretender Leiter des städtischen Betriebsamtes.

Zwischen 25.000 und 30.000 Verkehrsschilder gibt es laut Heitkämper in der Kupferstadt. „Leider geht der Trend eher hin zu noch mehr Straßenschildern. Sobald irgendwo jemand falsch parkt, wird sofort ein Schild aufgestellt”, bemerkt Heinz Heitkämper. Auch der zuständige Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt räumt ein: „Wenn ich hier im Rathaus aus dem Fenster schaue, sehe ich direkt vier Schilder. Natürlich stellt ein Überfluss an Straßenschildern auch manchmal eine Reizüberflutung dar, so dass einzelne Schilder von Autofahrern weniger wahrgenommen werden. Und ich bin mir sicher, dass zehn Prozent der Schilder auch abgehängt werden könnten, ohne dass etwas passieren würde.”

Trotzdem sieht Andreas Pickhardt keine Möglichkeit für ein Straßenschild-freies Stolberg im Rheinland: „Wir haben hier ein sehr vielseitiges Straßennetz mit großen Landes- und Hauptstraßen. Außerdem gibt es sehr viel Busverkehr. Wenn wir jetzt auf der Rathausstraße Rechts-vor-Links einführen würden, würde das bei diesem Verkehrsfluss nichts taugen. Außerdem gibt es unersetzbare Schilder, die zum Beispiel auf Parkverbote oder Schulkinder hinweisen. Da hilft auch eine Tempo-30-Zone nicht.”

Gleichwohl gibt es aber im Rathaus Überlegungen, zum Beispiel den Willy-Brandt-Platz im Rahmen eines neuen Innenstadtkonzeptes zu einem sogenannten „shared space”, also einem von Fußgängern, Auto- und Fahrradfahrern gleichermaßen geteilten Ort umzuwandeln. Dafür gebe es, sagt Pickhardt, anderswo bereits gut funktionierende Modelle. Alle Straßenschilder werden dabei in einem bestimmten Bereich entfernt. So soll erreicht werden, dass die verschiedenen Verkehrsteilnehmer besser aufeinander achten.

Ob die Idee auch umgesetzt wird, ist allerdings noch offen. Für den Augenblick deutet wenig darauf hin, dass sich der Schilderwald an der Vicht in naher Zukunft lichten wird.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert