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Römischer Tempelbezirk Varnenum: Viel Glück bei der Suche!

Von: Margot Gasper und Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
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Einer von zwei Hinweisen: Auf dem Schild am Ortsausgang von Breinig sind Graffiti und Flechtenbewuchs inklusive. Foto: Harald Krömer
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Der Gallorömischer Tempelbezirk Varnenum in Kornelimünster- Foto: Harald Krömer
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Wer die Reste des Tempelbezirks Varnenum (oben links) sehen möchte, muss zuerst durch Schlaglöcher und Matsch: Sowohl der Feldweg (rechts) als auch der kleine Parkplatz, zu dem er führt (unten links), sind in keinem guten Zustand. Foto: Harald Krömer
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Wer die Reste des Tempelbezirks Varnenum (oben links) sehen möchte, muss zuerst durch Schlaglöcher und Matsch: Sowohl der Feldweg (rechts) als auch der kleine Parkplatz, zu dem er führt (unten links), sind in keinem guten Zustand. Foto: Harald Krömer

Aachen/Stolberg. Wenn am gallo-römischen Tempelbezirk Varnenum oberhalb von Kornelimünster jemand Zaubertränke braut, dann scheint eine Hauptzutat das Pils eines Bierherstellers aus der Eifel zu sein. Zumindest, wenn man nach den Kronkorken geht, die überall auf dem Areal verteilt liegen.

Wahrscheinlich handelt es sich – wie bei den vielen Böller- und Raketenresten – aber eher um Relikte des vergangenen Jahreswechsels, den etliche dort oben offenbar ausgiebig gefeiert haben. Sie haben Varnenum also gefunden. Gut. Es muss sich wohl um Einheimische mit Ortskenntnis gehandelt haben. Denn Touristen finden das Bodendenkmal nur mit Glück.

Ein Hinweisschild steht an der Straße „Iternberg“ am Ortsausgang von Kornelimünster und eins an der Straße „Auf dem Acker“ am Ortsausgang von Breinig. Das war‘s. Den Abzweig auf einen unscheinbaren Feldweg, den man zu den Tempelresten nehmen muss, haben selbst sehr aufmerksame Autofahrer im Handumdrehen übersehen. Nichts deutet auf ein sehenswertes Schätzchen aus der römischen Vergangenheit hin, dessen Grundmauern nur wenige Meter weiter zu sehen sind. Oder, wie die Stadtverwaltung es ausdrückt: Touristische Hinweise sind nicht vorhanden, „so dass die Zielverkehre dort zwangsläufig vorbeifahren“.

Die Verwaltung hat sich mit der Beschilderung des Bodendenkmals beschäftigt, weil die Kommunalpolitik, in diesem Fall die Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim, sich damit beschäftigt hat. Allen voran die SPD-Fraktion. „Ein solches Schätzchen sollte man nicht im Verborgenen lassen“, stellte SPD-Ratsherr Bernd Krott bei der jüngsten Sitzung des Gremiums heraus. Die Sozialdemokraten in Kornelimünster haben beantragt, die Anlage doch bitte besser auszuschildern.

Bei dem „Schätzchen“ handelt es sich aus Laiensicht um eine Ansammlung von Steinen und Mauerfragmenten auf einer Wiese bei Kornelimünster. Für Experten sind die Reste des gallo-römischen Tempelbezirks Varnenum ein wertvolles Kleinod. Eine ganze Reihe von Gebäuden, sagen die Archäologen, haben hier zur Römerzeit gestanden. Fundamentreste sind bis auf einen Meter wieder aufgemauert worden und bis heute zu sehen. Die gesamte Anlage war wohl noch viel größer.

Nach Angaben der NRW-Stiftung, die den Schutz des Ensembles mit Projektmitteln unterstützt, stehen insgesamt fünf Hektar unter Bodendenkmalschutz, denn viele archäologische Zeugnisse ruhen wohl noch im Boden. Die bei Ausgrabungen dort gemachten Funde deuten auf eine Gründung und erste Bauperiode um Christi Geburt herum hin.

Ob der Ort allerdings nur vor rund 2000 Jahren als Kultstätte diente oder das auch heute noch tut, ist nicht ganz sicher. Immerhin geht das Gerücht, dort hielten sich hin und wieder Mitglieder einer heidnischen Gruppe auf, um sich innerhalb der Mauerreste ihren Angelegenheiten zu widmen.

Sicher hingegen ist, dass Varnenum in den warmen Monaten des Jahres beliebter Treffpunkt zum Grillen und Trinken ist, inklusive negativer Begleiterscheinungen wie einem gerüttelt Maß an Abfall, der zurückbleibt. Welchen Umständen die Informationstafel zum Opfer fiel, die Besucher früher über das Denkmal aufklärte, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass sie seit vielen Jahren nicht mehr dort steht.

Die Tempelruinen touristenfreundlicher auszuschildern – zumindest in Sachen Anreise – ist indes offenbar gar nicht so einfach. Zwar hat der Landesbetrieb Straßen NRW als zuständige Behörde grundsätzlich nichts gegen „eine zusätzliche Ausweisung zum Varnenum durch touristische Hinweise nach Z.386 StVO“. Die Behörde fordert jedoch, Standorte genau festzulegen, einen Entwurf sowie einen Ansprechpartner „zwecks Abschluss eines Gestattungs- bzw. Nutzungsvertrages“. Und dann wäre noch zu klären, wer die ganze Sache finanziert. Bisher nicht herausfinden konnte der Landesbetrieb, wer anno 1991 die vorhandenen Hinweisschilder beantragt und finanziert hat.

Auf einstimmigen Beschluss der Bezirksvertretung will man nun gemeinsam mit dem Landesbetrieb Standorte für Schilder festlegen und sich um eine Finanzierung bemühen.

Wenn Geschichtsbegeisterte dann schließlich wissen, wo Varnenum sich befindet, stehen nur noch eine kurze Schlaglochpiste und ein kleiner Parkplatz in schlechtem Zustand zwischen ihnen und dem Tempelbezirk. Auch in dieser Hinsicht hat sich die SPD-Fraktion Verbesserung auf die Fahnen geschrieben.

Geheimtipp

Der Aachener Stadtbetrieb teilte den Politikern mit, Mitte Dezember 2016 Splitt und Asphalt in den Wirtschaftsweg eingebaut zu haben, „so dass sich der Weg wieder in einem guten Zustand befindet“, wie es in der Vorlage für die Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim heißt. Lange gehalten hat das nicht. Den Feldweg hätte man am Dienstag bei der Ortsbesichtigung als matschige Buckelpiste bezeichnen können – ohne dabei zu lügen.

Bis zumindest zusätzliche Beschilderung installiert ist, hat SPD-Mann Krott für Interessierte eine Art Geheimtipp: „Auf dem Kor­neliusmarkt parken und dann zu Fuß auf den ausgeschilderten Wanderweg Nr. 1. Der Weg führt am Varnenum vorbei.“

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