Stolberg - Rein in den OP-Saal: Sommerlesertour im Krankenhaus

Rein in den OP-Saal: Sommerlesertour im Krankenhaus

Von: Toni Dörflinger
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Sommerlesertour
Dreidimensionalität im Operationssaal: Mit Hilfe des hochmodernen Röntgengerätes kann der Arzt schon während des Eingriffs den Sitz des Implantats überprüfen, erklärt Dr. Markus Guinard den Teilnehmern der Sommerleser-Tour. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. „Wie meine Oma beim Waschtag”, schmunzelt Ingrid Schulz, als sie ihr Aussehen beschreibt, nachdem sie in eine grüne Haube und einen Kittel gleicher Farbe geschlüpft ist. Diese Schutzkleidung ist aus hygienischen Gründen erforderlich, damit im Bethlehem-Krankenhaus Besucher Einlass in den Operationssaal erhalten.

Schulz war eine von 26 Lesern, die sich im Rahmen der von unserer Zeitung organisierten Sommerlesertouren mit den Einrichtungen des Bethlehem-Gesundheitszentrums vertraut machten.

Damit die Wegwerfartikel auch korrekt sitzen, leisten die Operationspfleger Jean Claude und Heike Fontana Hilfestellung, indem sie die Kittel zubinden und die eng sitzenden Hauben über die Haare der Besucher streifen. So ausstaffiert werden die Leser im Operationssaal von Dr. Markus Guinard, leitender Oberarzt der Klinik für Orthopädie empfangen, der als Einführung in die Operationstechnik die Funktion und Arbeitsweise des im April dieses Jahres angeschafften, dreidimensionalen Röntgengerätes erklärt.

„Mit Hilfe des rund 350.000 Euro teuren CTs kann während der Operation die Verankerung von Implantaten und der korrekte Sitz von Schrauben im Knochen überprüft werden, die in der Wirbelsäulenchirugie zum Einsatz kommen”, versichert Guinard, der bei komplexen Eingriffen sich den Leistungen der neuen Technik anvertraut, die auf dem Monitor ein Bild liefert, dessen Einzelteile je nach Bedarf vergrößert werden können.

Der Wissensdurst der Leser kennt keine Grenzen als Guinard Hüft- und Kniegelenkprothesen vorstellt, die er in ihrer vielfältigen Form und Ausstattung auf einen Beistelltisch gepackt hat. Im Mittelpunkt steht dabei ein neues Gelenkkopf-Implantat, das aus einer ”Oxinium” genannten Metalllegierung besteht, deren Oberfläche komplett mit Keramik überzogen ist.

Allerdings ist laut Guinard der Einsatz des neuen Materials noch mit hohen Kosten verbunden. ”Wir sind ein katholisches Krankenhaus. Wenn ein Patient ein solches Implantat dringend benötigt, zögern wir nicht, es auch einzubauen”, sagt der Orthopäde und Unfallchirurg, der mit dieser Aussage den hohen moralischen und sozialen Anspruch des Bethlehem-Krankenhauses unterstreicht.

Während Guinard noch mit der Beschreibung des vielfältigen Prothesenmaterials beschäftigt ist, bewegt Leser Paul Scherello ein ganz anderes Problem. Er vermisst den Schleifstein, mit dem die zum Einsatz kommenden Skalpelle immer wieder nachgeschärft werden. Diese nicht ganz ernst gemeine Äußerung veranlasst den Mediziner zu der Bemerkung, dass Skalpelle, Abdeckutensilien und Spülsysteme heute zum Einwegmaterial gehören.

”So füllen wir pro Hüftoperation derzeit allein zwei gelbe Müllsäcke mit Abfallmaterial, das anschließend verbrannt wird”, so Guinard.

Nachdem man sich der ungewohnten Schutzkleidung wieder entledigt hat, führt die Tour in das ”Zap” genannte Zentrum für Rehabilitation und Physiotherapie. Dort wartet Ralf Houfer, leitender Physiotherapeut auf die Gruppe, der das Therapieangebot der vielfältig mit Geräten ausgestatteten Einrichtung vorstellt.

Wie Houfer bestätigt, werden im Zap nicht nur ambulante Rehabilitationen und tagesklinische Behandlungen angeboten, sondern auch Einzelmaßnahmen auf Rezept wie Krankengymnastik, Ergotherapie und Massagen durchgeführt. ”Im Mittelpunkt der Behandlung steht unter anderem das Ausdauertraining, der Muskelaufbau und die Erhaltung der Beweglichkeit nach dem Einbau von Implantaten”, sagt Houfer, der die Leser mit einer Preisfrage überrascht. Er will nämlich wissen, seit wann es die Einrichtung für Physiotherapie gibt. Die richtige Antwort hat Marianne Franke parat.

Sie weiß, dass das Zap 1996 gegründet wurde. Belohnt wird sie mit einem Gutschein, der ihr für einen Monat die kostenlose Inanspruchnahme von Präventativsport beschert. Ein Musterzimmer, das den Komfort der im Ausbau begriffenen, zukünftigen Privatstation verdeutlicht, präsentiert danach Organisationsleiter Hans Fräger.

”Neben einem WLAN-Anschluss verfügen die 19 neuen Einzelzimmer auch über einen Flachbildbildschirm, einer Stereoanlage und eine geräumige Nasszelle”, versichert Fräger, der darüberhinaus den Blick der Besucher auf den hell wirkenden Anstrich der Zimmer lenkt. Denn drei unterschiedliche Farbtöne - Grün, Bordeauxrot und Erdfarbe - werden demnächst für ein freundliches Flair der Räume sorgen. Mit ”Schön, toll gemacht”, kommentiert Leserin Marlies Fischer, die Ausstattung der neuen Patientenzimmer.

Einweihung im November

Danach führt Fräger die Besucher in die Baustelle der neuen Zentralambulanz, die, wenn alles nach Plan läuft, im November eingeweiht werden soll. Derzeit hängen dort noch Kabelstränge von der Decke herab und gelagerte Materialien warten auf ihren Einbau. ”Geänderte Baunormen haben uns dazu veranlasst, die alte Betondecke höher zu legen”, sagt Fräger, der auf eine neu eingezogene Decke weist, die rund einen Meter höher liegt als das alte Bauwerk.

Abgeschlossen wird der Rundgang mit einem Besuch in der Cafeteria ”Essbar”, in der das Betreiberehepaar Sandra Ritzen und Raymond Lauber je nach Wunsch kühle oder heiße Getränke reicht sowie mit Pflaumen, Erdbeeren oder Äpfeln belegtes leckeres Gebäck kredenzen.

Begonnen hatte die zweistündige Tour mit einer Einführung im Foyer, in der der Geschäftsführer des Bethlehem-Gesundheitszentrums, Thomas Schellhoff, die Stationen des Rundganges erläuterte und die in Frage kommenden Führer vorstellte.

Krankenstationen, Kapellen und die Orthopädie

Daten zum Bethlehem-Krankenhaus:
1863 Eröffnung einer ambulanten Krankenstation in ”Bergenes Hof” am Steinweg (Rathausnähe).
1867: Wechsel zum Kupferhof ”Vorderes Steinfeld” an der Steinfeldstraße. Das Bethlehem-Krankenhaus entsteht.
1886: Der Kupferhof ”Hinteres Steinfeld” wird in den Komplex einbezogen und ein Neubau wird errichtet.
1893: Die an der Steinfeldstraße gelegene frühere Antonius-Kapelle wird eingeweiht.

1913 bis 1916: Ein zusätzlicher Neubau erweitert oberhalb des Vichtbaches das Krankenhaus. 1950: Im hinteren Bereich entsteht eine neue Frauenstation. 1956: An der Steinfeldstraße wird ein mehrstöckiges Bettenhaus eröffnet. 1959: Eine neue Kapelle wird eingeweiht.

1968 bis 1971: Anstelle der Frauenstation entsteht eine neue Orthopädieklinik mit Labor, Ambulanz und Bäderabteilung.
1986 -1988 Ein neuer Operationstrakt entsteht.

Ab 2007: Die Modernisierung des vorderen Bettenhauses beginnt. Es entstehen neue Patientenzimmer, eine Liegendeinfahrt, ein Café und eine zentrale Notfallambulanz.

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