Stolberg - Regenbogenschule: Teilhaben am gemeinschaftlichen Leben

Regenbogenschule: Teilhaben am gemeinschaftlichen Leben

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Gemüse schneiden für die Gul
Gemüse schneiden für die Gulaschsuppe: Jaqueline, Aurelie, Angelina, Kim und Bianca (von links) sind mit Eifer bei der Sache. Lehrerin Marlies Obholzer schaut den Mädchen über die Schultern. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Ob Jaqueline, Aurelie, Angelina, Kim und Bianca schon einmal das Wort „Inklusion” gehört haben oder überhaupt wissen, was es damit auf sich hat, weiß die Lehrerin der Mädchen, Marlies Obholzer, nicht. Was sie sehr wohl weiß, ist, dass sich die Mädels prima beim Kantinendienst machen und mit viel Eifer dabei sind. Es gibt Gulaschsuppe, und die Küchenhelferinnen schnibbeln eifrig Gemüse.

Die Kantinengruppe ist nur eine Klasse, die sich die Lehrer aus Stolbergs Regelschulen heute anschauen. Die Regenbogenschule möchte sich laut Schulleiterin Gundula Brüggenwirth „sehr stark nach außen öffnen”, Kontakte mit Schulen und Einrichtungen in Stolberg schließen, um der Schülerschaft eine Teilhabemöglichkeit am gemeinschaftlichen Leben zu eröffnen. „Für uns ist es wichtig, die gute Arbeit an unseren Förderschulen und die Rahmenbedingungen, die geistig behinderte Schüler und Schülerinnen brauchen, an andere Institutionen weiterzugeben, damit zukünftige inklusive Bestrebungen auch für unsere Schülerschaft positiv zum Tragen kommen”, sagt Brüggenwirth.

„Keine Verwahrungsstätte”

Zwar hätten die Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung immer ihre eigenen, guten und individuellen Lernwege der Förderung für die sehr heterogene Schülerschaft gefunden. „Trotzdem brauchen wir verbindliche Rahmenbedingungen.” Bisher werden laut Brüggenwirth nur wenige Schüler mit einer geistigen Behinderung von den Eltern an den Regelschulen angemeldet. „Viele Eltern wünschen sich zwar eine gemeinsame Beschulung ihrer Kinder, sehen aber die guten Strukturen an der Regenbogenschule und melden ihr Kind dort an”, so die Schulleiterin.

Eins ist der Schulleitung besonders wichtig: „Wir sind hier keine Verwahrungsstätte”, betont Konrektorin Petra Schnitzler. Aber genau das habe sich in einigen Köpfen festgesetzt, weiß Gundula Brüggenwirth. „Wir haben alle allgemeinbildenden Schulen eingeladen. Gekommen sind Kollegen aus Grund-, Haupt- und Realschule. Schön wäre es gewesen, wenn sich auch jemand vom Gymnasium blicken lassen würde, aber die scheinen sich nicht zu trauen”, sagt Gundula Brüggenwirth. Das möchte Bernd Decker, Leiter des Goethe-Gymnasiums, so nicht stehen lassen, sein zurzeit sehr voller Terminplan habe den Besuch an der Stettiner Straße schlichtweg nicht zugelassen. Decker: „Das Thema Inklusion kommt sicherlich, und ich bin dem auch aufgeschlossen gegenüber. Dennoch: Es ist viel guter Wille da, aber die Randbedingungen müssen auch stimmen, sonst gibt es viel Reibung!” Die Erfahrungen seien sehr gemischt. Drei Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen das Goethe-Gymnasium, ein Kind mit einer Seh-, ein anderes mit einer Hörbehinderung. Der dritte Schüler ist laut Bernd Decker Autist und baut demnächst sein Abitur. Der Schulleiter hält es nicht für realistisch, „dass ein geistig behindertes Kind unsere Schule besucht”. Irgendwann stoße man an Grenzen.

Gundula Brüggenwirth sieht den informativen Vormittag mit Einblick in die verschiedenen Unterrichtsangebote der Regenbogenschule als weiteren Schritt auf dem gemeinsamen Weg, „um diesen zu gehen, müssen wir natürlich auch langfristig Anknüpfungspunkte finden”, weiß die Rektorin. Vielleicht sei der Begriff Inklusion auch zu hochgegriffen, „aber wir wollen uns vermischen und möchten auch, dass die anderen sich trauen, sich mit uns zu vermischen”, sagt sie. Den ein oder anderen ihrer Schüler

„Sehr nachdenklich”

Deutsch, Mathe, Sachunterricht, Arbeitslehre-Berufsvorbereitung, Schwerstbehindertenförderung und Hundetherapie - die Lehrergruppe bekommt so einiges zu sehen. Kristoffer Klaassen bereitet mit seiner Klasse Einladungen für die „Ehemaligen-Disco” vor, Markus tippt Adressen in den Computer, Marie sucht nach schönen Bildern, die die Einladungen aufpeppen sollen. Im Mathematik-Unterricht von Jochen Woldt sitzen die Schüler an einem Tisch und lösen gemeinsam verschiedene Rechenaufgaben.

Mittags begegnen sich die Pädagogen zum gemeinsamen Austausch. „Die Kollegen waren schon sehr nachdenklich”, fasst Gundula Brüggenwirth den Besuch zusammen. Man habe auch festgestellt, dass es schon große Unterschiede in den Systemen gebe, „wir müssen in kleinen Schritten aufeinander zugehen, mehr kann ich nach diesem Vormittag nicht sagen”, resümiert die Rektorin.

Fest steht für Gundula Brüggenwirth aber auf jeden Fall, dass es an ihrer Schule ein Potenzial für eine Regelbeschulung gibt. „Wir haben hier auf jeden Fall Schüler, die, was ihre kognitiven Fähigkeiten, das soziale Verhalten und die Belastbarkeit betrifft, es schaffen würden.”

Bis dahin ist es sicherlich noch ein weiter Weg, für die Schulleiterin ist es aber auch wichtig, dass die Förderschulen mit ins Boot genommen werden müssen. Sie favorisiert standortbezogene Lösungen, also eine ressourcenorientierte Inklusion.

Mitglied in regionaler Bildungsinitiative

Die Schulleitung der Regenbogenschule ist Mitglied der regionalen Bildungsintiative Stolberg, die einen Austausch mit den allgemeinbildenden Schulen und konkrete Vereinbarungen zur Zusammenarbeit bietet.

Georg Hermanns, Schulleiter Förderschule Talstraße: „Der Einstieg in die Bildungsinitiative erfolgte aus dem Bewusstsein, die Möglichkeit aktiv wahrzunehmen, mitgestaltend inklusive Arbeit in den Stolberger Schulen umzusetzen.”
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