Stolberg - Rathausstraße: Verwaltung will Farbe auspacken

Weltmeisterschaft Weltmeister WM Pokal Russland Fifa DFB Nationalmannschaft

Rathausstraße: Verwaltung will Farbe auspacken

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
5485414.jpg
An Frankental soll es nur noch zwei Fahrspuren geben. Die Parkplätze werden zur Mitte verlegt. Auch zur Umgestaltung des Bastinsweihers wird Freiraum geschaffen. Foto: J. Lange

Stolberg. Wer sich auf dem schmalen Bürgersteig der Rathausstraße etwa zwischen Villa Lynen und Steinfeldstraße bewegt, sollte vorsichtig sein. Eng und nah am Fußgänger rauscht auf drei Spuren der Verkehr über die Fahrbahn. Kommt einem ein Kinderwagen entgegen, bleibt fast nur ein Sprung auf die Straße.

 Werbetafeln, Lichtmaste oder Poller wollen deshalb mit Achtsamkeit umkurvt werden. Platz für Auslagen der Geschäfte bleibt hier nicht. Ein konträres Bild bietet die innerstädtische Verkehrsachse im Bereich Frankental. Breite Gehwege, breite Parkflächen, breite Fahrbahnen und ein schmucker Weiher hinter Gittern verbreiten das städtebaulich verbesserungswürdige Flair vergangener Zeiten.

„Die Rathausstraße ist die Lebensader der Innenstadt. Hier dürfen wir bei der Umgestaltung keine Fehler machen. Deshalb sollen die Ideen für eine längere Testphase nur mit Farbe aufgemalt werden“: Das sagte Rolf Engels – im Dezember des Jahres 2000, seinerzeit als stellvertretender Parteivorsitzender. Vergleichbares wird er auch am kommenden Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung (Rathaus, 18 Uhr) erklären.

Dem schlägt die Verwaltung – nach sanftem Druck aus dem auch mit Politikern besetzten Lenkungsausschuss Innenstadtkonzept – genau das vor, was das heutige SPD-Ratsmitglied seinerzeit anregte. Die innerstädtische Verkehrsachse zwischen Rathaus und Mühlener Ring soll nun umgestaltet werden: Zunächst nur mit Markierungsarbeiten, Baken und Schranken, damit entsprechend den Erkenntnissen nachgebessert werden kann.

Möglich ist das seit 1997, als mit der Eröffnung des Tunnels der L 238n die Europastraße als innerörtliche Umgehung fertiggestellt war. Doch aus vielfältigen Gründen wurden die Pläne zu einer Umgestaltung der Rathaus- und Salmstraße immer wieder verworfen.

Die Vorschläge dürften heute wieder zu einem ebenso „heißen Eisen“ werden wie vor rund 15 Jahren. Seinerzeit gab es zwei unterschiedliche, von Planungsbüros entworfene Varianten, aus denen die Verwaltung eine dritte stricken sollte. Parteien und Stadt luden zu Ortsbesichtigungen und Bürgerversammlungen, der Einzelhandel meldete sich vehement zu Wort, und diverse Änderungsvorschläge zur Verkehrsführung wurden allseits präsentiert.

Letztlich folgte Anfang dieses Jahrhunderts der Stadtrat, die Erfahrungen aus Fußgängerzone und Salmstraße vor Augen, einer Schlagzeile, die seinerzeit die FDP zur Umgestaltung der Rathausstraße formulierte: „Nichts tun ist die beste Variante im Straßenausbau“. Dieses Schicksal teilten auch alle fünf Jahre präsentierte Pläne zu einer Öffnung des Bastinsweihers, die nach den Wahlterminen aus Geldmangel stets wieder in den Schubladen verschwanden.

Doch in diesem Jahr 2013 soll alles anders sein: „Im Rahmen des Entwicklungskonzeptes Talachse Innenstadt beziehungsweise mit der damit verbundenen Förderkulisse soll nun die Planung in einer modifizierten Form realisiert werden“, schlägt Fachbereichsleiter Bernd Kistermann dem am Donnerstag tagenden Ausschuss vor. Der soll sogleich Nägel mit Köpfen machen und die Markierungsarbeiten sowie Anpassungen an den Ampeln veranlassen. Dabei soll „der verhältnismäßig eng bemessene und – wenn überhaupt – nur an wenigen Stellen erweiterbare Raum der Rathausstraße“ so neu aufgeteilt werden, dass „die innenstadttypische Vielfalt unterschiedlicher Nutzungen in verträglicher Weise abgewickelt werden kann“. Will sagen: Fußgängern soll mehr Raum eingeräumt und dabei auch die Belange von Radfahrern, Autos, Bussen, Parken und Andienung berücksichtigt werden.

Im Wesentlichen sind drei Abschnitte von den Plänen betroffen:

E An der Krone bis Steinfeldstraße: Der derzeit dreispurige Abschnitt soll nur noch zwei Fahrspuren aufweisen. Für die beiden südlichen Richtungen werden die Abbiegespuren „Kaiserplatz“ und „An der Krone“ zusammengelegt, die Fahrspur in Richtung Norden rückt zur Fahrbahnmitte. Der neu gewonnene Raum soll für einen breiteren Gehweg und für den ruhenden Verkehr genutzt werden. Ladezonen sollen ein Parken in zweiter Reihe vermeiden, da anderenfalls der Verkehrsfluss zusammenbrechen würde. Um das zu vermeiden, ist außerdem eine Anpassung der Schaltungen der Ampeln an den Einmündungen von Rathaus-, Steinfeldstraße und Schellerweg erforderlich.

- Steinfeldstraße bis Talbahnstraße: Aufgrund des schmalen Straßenquerschnitts und des Erfordernisses eines schnellen Verkehrsflusses vom und zum Bethlehem Gesundheitszentrum könne der Abschnitt zwischen Steinfeldstraße und Schellerweg nur bedingt umgestaltet werden. Lediglich der Aufstellbereich für Linksabbieger von der Rathaus- auf die Steinfeldstraße soll auf 5,50 Meter Breite vergrößert werden, da aufgrund der derzeitigen Breite von nur 4,75 Metern auch der Geradeaus-Verkehr in Richtung Rathaus häufig nicht abfließen könne – und sich somit Staus in diesem ohnehin schwer belasteten Bereich ergeben würden. Darüber hinaus müsse dem Kurvenverhalten von Linienbussen und anderem Schwerlastverkehr Rechnung getragen werden durch eine Rücknahme von Haltelinien.

Derzeit keine Veränderungen vorgesehen sind für den weiteren Abschnitt zwischen Schellerweg und der Talbahnstraße an der Stadthalle; dort sind in einem ersten Bauabschnitt bereits der Vorplatz sowie angrenzende Gehwegbereiche umgestaltet worden. Auf den zweiten Bauabschnitt in Richtung Villa Lynen ist bislang aus Geldmangel verzichtet worden.

- Talbahnstraße bis Mühlener Ring: Durch eine deutlich überdimensionierte Fläche mit teils vier Fahrspuren zeichne sich der Abschnitt von der nördlichen Talbahnstraße/ Am Bastinsweiher in Richtung Norden aus. Dementsprechend möchte die Verwaltung den Bereich „seiner angestammten Funktion entsprechend anpassen“: Zukünftig soll es dort nur noch zwei Fahrspuren geben. Gleichzeitig sollen die aktuell vor dem Bastinsweiher gelegenen Schrägparkstände aufgehoben werden, um eine zukünftige Umnutzung mit verändertem Zugang zum Bastinsweiher ermöglichen zu können. Der frei werdende Raum soll für breitere Gehwege und ein Mehr an Parkflächen an den verbleibenden beiden Fahrspuren entlang genutzt werden. Außerdem ist vorgesehen, eine Querungshilfe vor dem Haus Rathausstraße Nummer 95 anzulegen.

Versuch kostet 35.000 Euro

„Bevor die kostspielige Umgestaltung dieser Straßenabschnitte realisiert werden kann, sollen in einer halbjährigen Erprobungsphase mit Hilfe von Markierungsarbeiten etwaige Auswirkungen der geplanten Maßnahmen beispielsweise auf den Verkehrsfluss getestet werden“, schlägt Fachbereichsleiter Kistermann den Politikern vor. Dazu vorgesehen sind 800 Meter Markierungen in Gelb, 17 Pfeilmarkierungen, 15 Baken und 35 Meter Schranken sowie eine Anpassung der Schaltungen der Ampelanlagen. Die Kosten für diese Versuchsphase kalkuliert die Verwaltung mit 35.000 Euro.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert