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Rathausstraße: Ein Provisorium für weitere zwei Jahre

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Frühestens im Jahr 2016 steht die Umgestaltung der Rathausstraße auf der Ausbau-Agenda. Foto: J. Lange
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Frankental soll im nächsten Jahr eine städtebauliche Einheit werden. Foto: J. Lange

Stolberg. Einstimmig fällt die Entscheidung, die Verwaltung mit der Umbauplanung für die Einkaufsachse von Rathaus- und Salmstraße zu beauftragen. Obwohl die Sprecher der großen Fraktionen im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt darauf verweisen, dass sie seit vielen Jahren diesem Startschuss für die Aufwertung der Innenstadt entgegengefiebert hätten, so plagt die Politik doch noch ein wenig das schlechte Gewissen.

„Wie wollen sie das denn in der nächsten Zeit etwas netter gestalten?“, fragt Rolf Engels (SPD) in Richtung Verwaltung. Dazu wird sich Bernd Kistermann erst einmal Gedanken machen müssen. „Ihnen gefallen die Baken nicht?“, antwortet der Leiter des Amtes für Immobilienmanagement und Technische Infrastruktur (wie seine Aufgabe seit Mittwoch heißt) schmunzelnd. Er werde schon etwas finden, um die Testphase ein wenig attraktiver zu gestalten, zeigt sich Kistermann zuversichtlich.

Denn die Stolberger und ihre Besucher werden noch eine Weile mit der Probephase zur Verkehrsführung auf der Einkaufsachse leben müssen. Mindestens zwei Jahre, verdeutlicht Planungschef Andreas Pickhardt. Denn vor 2016 werde mit einem Aus- und Umbau vor der innerstädtischen Lebensader nicht zu rechnen sein. Das lege nicht nur daran, dass die Verwaltung langwierige Großbaustellen vermeiden möchten, die dem Gewerbe das Leben unnötig schwer machen würden, sondern das vor allem daran, dass das Entwicklungskonzept Talachse schrittweise über mehrere Jahre umgesetzt werden soll. „Wir erwarten die Bewilligung des Projektes innerhalb der nächsten vier Wochen“, avisiert Pickhardt, dass der Rahmen dann mit Leben, sprich einzelnen Projekten, gefüllt werden müsse.

Die Prioritäten dafür stehen fest: Frankental und der Kaiserplatz sollen im kommenden Jahr umgestaltet werden. Für das Quartier hat der Vergabeausschuss eine Stunde zuvor schon die Ausschreibung eines Wettbewerbes beauftragt. Der Bastinsweiher mit der Flora, die Wiese an der Jordanstraße sowie der überbreite Verkehrsraum zwischen diesen beiden Polen sollen zu einer städtebaulichen Einheit werden, die das Wasser des Weihers stärker in den Fokus rückt, mehr Aufenthaltsqualität erzeugt und den Verkehr auf zwei Fahrspuren reduziert. Für 2018 ist außerdem vorgesehen, das Umfeld des angrenzenden Mühlener Bahnhofs aufzuwerten.

Bereits im kommenden Jahr soll‘s auch dem Klassizismus auf dem Kaiserplatz an den Kragen gehen, dessen Elemente die Nutzbarkeit des „Wohnzimmers“ der Stolberger in ihrer Stadt stark einschränken. Das soll deutlich anders werden, lässt dieser Tage schon einmal der Bürgermeister durchblicken. Mit der Umgestaltung der Drummen-Villa zu einem gehobenen, barrierefreien Wohnprojekt wird mit dem Investor auch an eine Attraktivitätssteigerung des Kaiserplatzes mit Außengastronomie gearbeitet, verrät Dr. Tim Grüttemeier.

Die Vorstellungen der Planer für das Quartier Frankental sollen in diesem Bereich auch zum Maßstab für den Rückbau der Rathausstraße werden. Sie werden auch mit einer Reduzierung Parkplätze im Vergleich zur aktuellen Probephase verbunden sein, lässt Pickhardt durchblicken. „Die meisten davon sind nur Verlegenheitslösungen, um den Raum zu füllen.“ Während erste Vorstellungen für Frankental Anfang nächsten Jahres bewundert werden können, wird es etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, bis die Entwürfe für den Hauptstraßenzug den Bürgern vorgestellt werden können.

Einen „gemeinsamen niveaugleichen Raum, den alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt nutzen können“, wünscht sich schon einmal Carsten Hecht (Grüne). Ob dies angesichts der Verkehrsbelastung möglich sein wird, lässt Pickhardt erst einmal offen: „Wir hatten uns aber solch einen ,shared space‘ für den Bereich Willy-Brandt-Platz vorgestellt.“

Was aber jetzt bereits in jedem Fall getan werden sollte, schreibt Patric Peters vor allem der Politik ins Stammbuch: „Suchen Sie endlich den Dialog mit den Eigentümern und Geschäftsleuten entlang der beiden Straßen“, sagt der Sprecher der Gesellschaft für Stadtmarketing Stolberg (SMS). Nicht nur weil auf die Anlieger deutliche Kosten für die Umgestaltung vor ihren Haustüren zukommen, sondern vor allem deshalb, weil schon kleine Veränderungen der gewohnten Verkehrssituation große Auswirkungen auf die Existenz von Geschäftsleuten haben können. Daher sei es auch bei der Umsetzung der Neugestaltung so wichtig, die Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt zu minimieren.

Ein wenig hadert Peters über eine verpasste Chance. Der Ausschuss hat auf eine weitere Befragung der Geschäftsleute durch die SMS verzichtet. „Ich hätte als meine letzte Amtshandlung sehr gerne eine Bilanz vorgelegt“, sagt Peters und verweist auf das ausgesprochen differenzierte Stimmungsbild in der Geschäftswelt zu Beginn der Versuchsphase. Ein aktuelles Meinungsbild wäre wohl spannend und aufschlussreich gewesen, prognostiziert Peters. Immerhin hatten die Erkenntnisse der SMS mehrfach zu Nachbesserungen während der Testphasen geführt. „Es hätten weitere Konsequenzen gezogen werden können“, moniert der Rechtsanwalt, dass einige Anregungen aus den Gesprächen mit den Geschäftsleuten nicht umgesetzt wurden.

Einen weiteren Vorschlag gibt er Politik und Verwaltung jetzt mit auf den Weg. Sie mögen die Schaffung weiterer Kurzzeit-Parkplätze im Bereich der Post prüfen. Die Idee erscheint nicht unrealistisch zu sein, denn die Verwaltung möchte mit einer computergestützten Simulation untersuchen lassen, ob zwischen Rathausumfahrt und Steinfeldstraße die Ampeln so geschaltet werden können, dass in diesem Abschnitt auf die dritte Fahrspur komplett verzichtet werden könne.

Mehr sorgen bereitet Stadtplaner Pickhardt dagegen die Achse zwischen der Steinfeldstraße und dem Schellerweg. Dort ist der Verkehrsdruck so stark, dass wenig Spielraum für eine Gestaltung bleibt. „Ich bin einmal gespannt, wie wir den Bereich aufwerten können.“

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