Stolberg - Rathausstraße: Die Langsamkeit des Straßenbaus ärgert

Christopher Robin Kino Freisteller Winnie Puuh

Rathausstraße: Die Langsamkeit des Straßenbaus ärgert

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
17015248.jpg
Wenn die Probleme im Untergrund gelöst sind, geht‘s über Tage schneller voran beim Ausbau der Rathausstraße. Vielen ist das zu langsam. Mit der für Mitte Oktober angekündigten Fertigstellung des zweiten Abschnittes liegt die Verzögerung bei dreieinhalb Monaten. Foto: J. Lange
17015253.jpg
Eher harmlos im Vergleich zu anderen Anschlüssen ist diese Leitungsführung in der Rathausstraße.

Stolberg. Sie beschreiben „chaotische Verhältnisse“ und sprechen vom „täglichen Kampf um ihre Existenz“. Geschäftsleute der Rathausstraße fühlen sich getäuscht von der Stadt durch die Baustelle, die „zeitlich völlig aus dem Ruder läuft“. Dies sei „nicht akzeptabel und eine Unverschämtheit“. Längst hätten Rat und Verwaltung reagieren müssen.

„Ich habe lange Zeit die Füße still gehalten, aber im Mai ist die Stimmung gekippt“, bringt Heiner Flink es auf den Punkt. „Versprochen wurde uns jedenfalls etwas anderes“, sagt auch Dieter Rutzen und beschreibt, wie schwierig es über Wochen war, überhaupt in sein Uhrengeschäft zu gelangen.

Der Wonnemonat 2018, die Hochzeit der Brückentage. Nur eine Woche habe wirklich gearbeitet werden können. Während der anderen drei Wochen habe man Bauarbeiter nur vereinzelt erleben können. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt machen sie ihrem Unmut Luft, zeigen kein Verständnis dafür, dass weder zusätzliche Schichten gefahren würden, noch die Anzahl der Tätigen erhöht werde. Neben Flink, Rutzen & Co. aus der oberen Rathausstraße sitzen die Kollegen aus dem mittleren Abschnitt, der als nächstes folgen soll. Sie malen sich angesichts des Erlebten ihre berufliche Zukunft alles andere als rosig aus, wenn dort die Arbeiten los gehen. „Wenn das bei uns so weitergeht, können wir dicht machen“, prophezeit Jutta Steckmann vom Café Urlichs.

Auf der anderen Seite im Saal sitzen Verwaltung und Vertreter des Tiefbauunternehmens: Tobias Röhm, Technischer Beigeordneter, und Ulrich Graaff, Prokurist des Bauunternehmens Lube & Krings, versuchen zu erklären, warum passiert ist, was passiert ist. Sie haben einen schweren Stand. Selbst wenn die Schwierigkeiten der Baustelle nachvollzogen werden können, und bei allem Verständnis für die Mühen, Rechte und Belange der jeweiligen Arbeiter auf der Baustelle, bleibt dennoch das Verständnis aus fürs Ganze. „Mit aller Macht“, so die Einzelhändler hätten die Verantwortlichen aufs Tempo drücken müssen.

Bauzeiten: Der Plan sah für den ersten Abschnitt von Schellerweg bis Steinfeldstraße den Zeitraum 14. August 2017 bis 19. Februar 2018 und überlappend für den zweiten Abschnitt 2. Januar bis 6. Juli vor. Der dritte Abschnitt vom Schellerweg zur Stadthalle hätte am 11. Juni beginnen und am 16. November enden sollen. Jetzt angesagt ist eine Fertigstellung von Schellerweg bis Steinfeldstraße für Mitte bis Ende Juli, für den restlichen Abschnitt bis Kaiserplatz für Mitte Oktober 2018. Erst danach soll der dritte Abschnitt angegangen werden.

Tempo: Um die Erreichbarkeit der Geschäfte gewährleisten zu können, war eine einspurige Verkehrsführung durch den Baustellenbereich Voraussetzung. Dies erschwere die Arbeiten. Zudem seien die Baufelder aufgrund vieler Einfahrten sehr kleinteilig und eng. Schneller könnte nur mit einer Vollsperrung gearbeitet werden. Graaff warb um Verständnis für die Belastungen seiner Mitarbeiter, unter solch schwierigen Umständen arbeiten zu müssen. Zudem verwies er auf gesetzliche und tarifliche Regelungen zu Urlaub, Brückentagen, Arbeits- und Freizeit.

Personal: Mehr Personal als derzeit könne nicht sinnstiftend eingesetzt werden. Für das Leisten von Überstunden fehle die Bereitschaft unter der Belegschaft einer Generation, für die Freizeit und Familie mehr Wert habe als Arbeit und Geldverdienen. Aufgrund des Fachkräftemangels sei neues Personal nur schwierig zu gewinnen. Eine zeitversetzte zusätzliche Schicht antreten zu lassen, bringe die Baustelle nicht weiter, weil zeitgleich die Beschäftigten der Versorgungsunternehmen mitziehen, Kippen und Lieferanten geöffnet haben müssten, so Graaff. Zudem würden die Mehrkosten in keinem Verhältnis zum erreichbaren Nutzen stehen. Angesichts der erforderlichen Kenntnisse der Verhältnisse im Stolberger Untergrund würde ein Personalwechsel mit einer zweiten Schicht eher mehr Probleme als Fortschritte bereiten.

Ursachen: Pläne von Leitungen der Versorgungsträger würden zwar vorliegen, aber die tatsächliche Lage und Höhe weiche oftmals von der Realität ab. Vorhanden seien zahlreiche Altleitungen, die abgeklemmt werden könnten, aber kaum einer könne sagen, welche Leitung alt oder neu sei; somit wolle keiner eine Entscheidung zum Entfernen treffen. Vorhandene Kabeltrassen bestünden aus einer derartigen Vielzahl von Kabeln, dass dazwischen kaum gearbeitet werden könne, ohne Leitungen zu beschädigen. Deshalb habe ein Saugbagger eingesetzt werden müssen, was langwierig sei. Wasser- und Gashausanschlüsse hätten unter vorhandenen Leitungen hergestellt werden müssen.

Außerdem seien eine Reihe von Kabeln und Kanalanschlüssen einbetoniert gewesen, so dass sie komplett von Hand frei gelegt werden mussten. Anstelle von drei Wochen wurden zwei Monate im ersten Bauabschnitt für Kanalhausanschlüsse benötigt. Ursache war ein höherer Grad an Beschädigungen als bei der TV-Untersuchung erkannt wurde. Alle waren mit Betonplomben versehen. Darüber hinaus war der Bestand vielfach so marode, dass Adapter teilweise mehrfach ausgeführt werden mussten. Obwohl vor lauter Leitungen eigentlich kein Platz war, musste dennoch welcher für Fundamente von Ampeln geschaffen werden. Weiterhin strapazierte der Wintereinbruch im Februar und März durch Stillstand den Bauzeitenplan.

Verkehr: Geplant war, die Arbeiten in einem umzäunten Baufeld für jeden Bauabschnitt auszuführen, so Graaff. Aufgrund der vielfältigen Ansprüche, Randbedingungen und Notwendigkeiten wurden alle Arbeiten unter Verkehr ausgeführt – teilweise ein gefährliches Unterfangen für alle Beteiligten. An jedem Tag werde von neuem versucht, auf Bedürfnisse von Geschäftsleuten und Anwohnern Rücksicht zu nehmen.

Schuldige: Keiner der Anwesenden übernahm die Verantwortung für die Verzögerung.

Politik: Gabi Halili (Linke) erinnerte an ihre Forderung nach gebührenfreiem Parken in der Innenstadt, um die fragile Geschäftswelt zumindest ein wenig zu unterstützen; sie sieht die Stadt in der Verantwortung. Rolf Engels (SPD) zeigte sich „sehr unzufrieden mit dem zeitlichen Ablauf“, der eine „Katastrophe für alle Beteiligten“ sei. Es müssten Lösungen her, das bisherige Programm könne so nicht weiter abgespult werden. Rudolf Steltjes (FDP) schlug, „jetzt nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist“, eine Worst-Case-Berechnung der Zeitabläufe vor. Gerd Grüttemeier (CDU) schlug vor, die Stadt solle zukünftig die Leitungspläne der Versorgungsträger archivieren und pflegen. Siegfried Pietz (CDU) regte an, in Absprache mit den betroffenen Geschäftsleuten über zeitweise Vollsperrungen nachzudenken; die Lenkungsgruppe aus Rat und Verwaltung sei gefordert zu handeln.

Konsequenzen: Tobias Röhm kündigte an, dass besagte Lenkungsgruppe intensiv mit den weiteren Bauabschnitten befasst werde. Temporäre Vollsperrungen werden nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen, wenn die Geschäftsleute zustimmen. Nachgedacht werden soll über den Zuschnitt der weiteren drei Bauabschnitt. Es soll nicht mehr übergreifend über Bauabschnitte hinweg gearbeitet werden. Die Baufelder sollen großräumiger abgesteckt werden, um ein effektiveres Arbeiten zu ermöglichen. Dies sei möglich, da weniger Zufahrten zu Privatgrundstücken zu berücksichtigen seien. Angelaufen sei zudem eine zusätzliche Befahrung der Kanalhausanschlüsse, um diese erforderlichenfalls von innen mit Inlinern sanieren zu können; dies werde viel Zeit sparen können.

 

Die Homepage wurde aktualisiert