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Präsident der Ersten Großen KG: Schon als Kind von Karneval infiziert

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Als neuer Präsident der Ersten Großen hat Michael Bartz den Stolberger Prinzen Axel I. (Wirthmüller) in der Burg proklamiert. 2010 saß Bartz selbst auf dem Narrenthron der Kupferstadt. Foto: D. Steffens

Stolberg. Michael Bartz ist der neue Präsident der Ersten Großen KG, die in der laufenden Session mit 8x11 Jahren ein jeckes Jubiläum feiert. Bartz war 2010 selbst Stolberger Prinz, ist Vizepräsident des Karnevalskomitees der Kupferstadt.

Dirk Müller sprach mit ihm über seinen karnevalistischen Werdegang bis heute, die Prinzenlieder aus seiner Feder und einiges mehr.

Wie sind Sie zum Karneval gekommen?

Bartz: Durch meine Familie. Ich war schon als Kind karnevalsbegeistert. Der Kinderkarnevalszug in Büsbach war immer wieder das Highlight für die ganze Familie. Unser Haus an der Hostetstraße war bei dieser Gelegenheit mit rot-blauer Fahne geschmückt und mit selbst gemalten Fensterbildern verziert.

Es gab Erbsensuppe, und mein Bruder Mathias und ich saßen auf der Fensterbank und haben den Zug bestaunt. Den Büsbacher Zug am Karnevalssonntag schauen wir uns übrigens immer noch dort an, da mein Bruder jetzt das Haus bewohnt. Irgendwann kam dann aber der Gedanke auf: Zuzuschauen ist toll, das Mitmachen noch besser.

Und wie haben Sie mitgemacht?

Bartz: Da mein Bruder und ich damals bei den Pfadfindern aktiv waren, haben wir uns zunächst der Pfadfindergruppe angeschlossen, die bis heute in originellen Kostümen für viel Freude in den Stolberger Zügen sorgt. Im Jahr 2000 haben wir dann eine eigene Zuggruppe gegründet: die IG junge Narren. Zuerst sind wir mit Bollerwagen, später auch mit Fahrzeugen in den Karnevalszügen mitgegangen. Wir haben dabei fünf Jahre lang untereinander sehr viel Spaß gehabt.

Ist aus der IG junge Narren die KG Teuflische Jecke entstanden?

Bartz: Ganz genau. 2005 haben wir die Teuflischen Jecke gegründet – als Alternative zu den alteingesessenen Traditionsgesellschaften sollte die KG jung, frisch und dynamisch sein, sich immer wieder selbst neu erfinden. So ist sie auch geblieben.

Aber wir haben uns von Beginn an eindeutig als einen Teil des gesamten Stolberger Karnevals gesehen. Daher war schon bei der Gründung klar, dass wir dem Kupferstädter Karnevalskomitee beitreten wollten. Der damalige Komitee-Ehrenpräsident Hans-Josef Wellmann hat sich sehr für uns stark gemacht, und die KG Teuflische Jecke wurde schnell ins Komitee aufgenommen.

Wie kam es, dass Sie Stolberger Karnevalsprinz wurden?

Bartz: Das war äußerst klassisch: 2009 habe ich an einer Theke verlauten lassen, dass ich gerne einmal Prinz werden möchte. Einige Tage später folgte ein Anruf von Andreas Smyra, seinerzeit Präsident der Ersten Großen. Wir haben uns getroffen, und ich habe die Bedingung gestellt: Wenn ich Prinz werde, begleitet die Tanzgarde der Teuflischen Jecke mich bei den Auftritten.

Das war gar kein Problem, und ich habe rasch gemerkt, dass die Erste Große eben nicht eingefahren und unnahbar ist, und solche Vorurteile völlig falsch sind. Ich bin seinerzeit stets netten und offenen Leuten begegnet – und das sind die Mitglieder der Ersten Großen auch heute noch. 2010 war ich dann tatsächlich Stolberger Prinz.

Wie haben Sie Ihre närrische Regentschaft erlebt?

Bartz: Es war eine absolut fantastische Zeit mit den Stolberger Jecken – und auch mit der Prinzengarde der Ersten Großen. Die Prinzengarde trägt die Tollität in der Session bildlich gesprochen auf Händen, und das ist wirklich keine Floskel. Die Mitglieder der Garde leben in der Session mit ganzer Leidenschaft für den Prinzen. Das hat mich immer wieder enorm beeindruckt.

So beeindruckt, dass Sie selbst Mitglied der Prinzengarde wurden?

Bartz: Auch, wobei mehrere Faktoren zusammenspielten. Als feststand, dass Torsten Graf aus meinem Hofstaat meine Nachfolge als Prinz antreten würde, wollte ich ihn gerne in seiner Session begleiten. Und die Erste Große suchte einen Prinzenadjutanten. Ein Amt, für das ich mich befähigt fühlte, da ich ja noch frische Prinzenerfahrung hatte. Es hat mich sehr gefreut, dass ich als Adjutant in die Prinzengarde aufgenommen wurde.

Dann erweiterten Sie Ihr närrisches Engagement noch im Stolberger Karnevalskomitee...

Bartz: Ja. Durch meine Mitgliedschaft in der Prinzengarde der Ersten Großen habe ich viele Freundschaften zu anderen Gesellschaften geschlossen, und die Arbeit im Komitee hat mich interessiert. In der Session 2011/2012 wurde ich mit Unterstützung des Komitee-Präsidenten Josef Behlau zum Vizepräsidenten des Karnevalskomitees gewählt.

In der aktuellen Session tragen Sie aber nicht mehr die Uniform der Prinzengarde.

Bartz: Stimmt, ich habe die Gardeuniform mit der Elferratsuniform getauscht, weil ich im Sommer 2016 zum Präsidenten der Ersten Großen gewählt wurde und die Nachfolge von Heinz Hartmann angetreten habe. Es ist mir eine große Freue und Ehre. Und die Erste Große im Jubiläumsjahr des 8x11-jährigen Bestehens zu repräsentieren, ist natürlich besonders großartig.

Als ich in der Burg den amtierenden Stolberger Prinzen, Axel I. Wirthmüller, proklamieren durfte, hat sich für mich persönlich auch ein Kreis geschlossen, da ich selbst ja im Jahr 2010 auf dem Narrenthron saß. Jetzt Axel zu inthronisieren war ein tolles Erlebnis. Zumal die Stolberger Proklamation in stilvollem Rahmen und im Wahrzeichen der Stadt weit über unsere Region hinaus einzigartig ist.

Für die Erste Große steht nach dem Burggrafenfest am Sonntag, 22. Januar, das Sessions-Highlight mit der Gala-Kostümsitzung an (siehe Infokasten). War es eine gute Entscheidung, die Galasitzung um Kostüme zu erweitern?

Bartz: Absolut. Es wäre allerdings ein Fehler gewesen, aus der Gala- eine Kostümsitzung zu machen. Das zeigt jedes Jahr unser Publikum, denn nach wie vor kleiden sich viele Gäste der Sitzung gerne in Abendgarderobe. Dass jetzt ebenfalls viele Gäste in bunten, originellen und festlichen Kostümen in der Stadthalle sind, wertet die Sitzung noch auf. Die Mischung stimmt einfach, und die Stimmung ist sehr gut.

Was wird dem Publikum bei der Gala-Kostümsitzung diesmal geboten?

Bartz: Wenn die Sitzung am Samstag, 28. Januar, um 19.30 Uhr in der Stadthalle beginnt, präsentieren wir unseren Gäste traditionell ein hochkarätiges Programm. Unter anderem treten die „3 Colonias“, die „Beckendörfer Knallköpp“ und die Tanzgruppe „Original Kölsch Hännes‘chen“ auf. Die „Druckluft Marching Band“ aus Köln spricht auch das jüngere Publikum an, und wir sind besonders stolz darauf, dass wir die Ehrengarde der Stadt Köln präsentieren können, die übrigens schon vor 25 Jahren bei unserer Sitzung aufgetreten ist.

Was das kulinarische Angebot betrifft, wird jetzt ein externer Caterer eine breitere Palette an Speisen zu zivilen Preisen bereitstellen. Und selbstverständlich wird der Auftritt des Stolberger Prinzen, Axel I., ein Höhepunkt der Sitzung sein. Axel wird sein Prinzenlied und ein Medley mit seiner eigenen Tanzflotte zum Besten geben.

Apropos Prinzenlied: Den Song von Axel I. haben Sie komponiert und getextet. Wie bereits andere Prinzenlieder zuvor. Wie kam es denn dazu?

Bartz: Musik ist schon lange mein Hobby. Als Kind habe ich in der Musikschule Merz Keyboard gelernt, später Bassgitarre bei dem Stolberger Ausnahmemusiker Peter Sonntag. Die Blockflöte ist glücklicherweise an mir vorübergegangen, stattdessen habe ich bei einem Blues-Workshop in der Stolberger Volkshochschule Mundharmonika gelernt. Seit 2016 nehme ich noch E-Gitarren-Unterricht bei Norbert Walter Peters im Musikstudio Steinweg.

Als Jugendlicher habe ich ein Hobby-Tonstudio aufgebaut und war später auch als DJ aktiv. 2010 habe ich dann mein eigenes Prinzenlied geschrieben und in der Folge ein professionelles Tonstudio aufgebaut. Es ist für mich ein reines Hobby geblieben, aber – Kindertollitäten mitgezählt – habe ich inzwischen zwölf Prinzenlieder getextet und komponiert und war als Produzent und Textschreiber an einigen weiteren beteiligt.

Sie sind gleichzeitig Präsident der Ersten Großen und Vizepräsident des Stolberger Karnevalskomitees. Kommt es dabei nicht zu Interessenkonflikten?

Bartz: Ganz im Gegenteil, denn beide Ämter profitieren voneinander. Bei der Komiteearbeit ist es durchaus von Nutzen, dass ich in einer KG aktiv bin, und weiß, wie der Karneval an der Basis funktioniert. Umgekehrt profitiere ich als Präsident der Ersten Großen – so wie die anderen Komitee-Gesellschaften auch – von der Mitgliedschaft im Komitee.

Durch den Austausch auf Bundesebene tragen wir viele Themen wie Jugendarbeit, GEMA, juristische Aspekte und mehr in die Vereine hinein. Das Komitee vermittelt den angeschlossenen Gesellschaften so wertvolle Informationen. Die Treffen auf Bundesebene haben für mich dabei noch einen schönen Nebeneffekt: Man merkt, der Stolberger Karneval braucht sich in keinster Weise hinter anderen Städten zu verstecken, sondern ist einzigartig und wirklich prima.

Wie hat sich das Stolberger Karnevalskomitee entwickelt?

Bartz: Sehr gut. Im 6x11. Jahr seines Bestehens sind dem Komitee 13 Stolberger Karnevalsgesellschaften angeschlossen – so viele wie noch nie. Und was noch wichtiger ist: Der Zusammenhalt ist sehr gut, die Gesellschaften ziehen alle an einem Strang.

Die übersichtliche Größe des Stolberger Komitees ist dabei auch ein Vorteil, denn im Vergleich zu großen Verbänden mit mehr als 100 Mitglieds-Gesellschaften ist der Kontakt miteinander in Stolberg viel persönlicher. Trotzdem haben wir noch Luft nach oben. Und es sieht auch ganz so aus, als würde das Stolberger Komitee künftig noch wachsen.

Bedeutet eine Mitgliedschaft im Komitee, dass die beitretende KG auf große Tollitäten verzichten muss?

Bartz: Nein, das stimmt nicht. Natürlich wäre es schöner, wenn es in Stolberg nur einen großen Prinzen geben würde. Aber wenn es in Stadtteilen traditionell erwachsene Tollitäten gibt, ist diese gewachsene karnevalistische Struktur kein Hindernis, Mitglied im Stolberger Karnevalskomitee zu werden.

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