„Positiver Alltag“ in Stolbergs Sekundarschule

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
Jörg Klein und Petra Mersmann
Die Vorbereitungen auf das zweite Jahr laufen schon: Jörg Klein und Petra Mersmann ziehen nach 15 Wochen eine erfreuliche Zwischenbilanz für die Sekundarschule.

Stolberg. Nach 100 Tagen gibt es die erste Zwischenbilanz. Das ist bei Politikern so üblich, bei Schulleitern hingegen eher nicht. Mit der Wahl des Zeitpunktes haben es Jörg Klein und Petra Mersmann deshalb auch nicht so ganz genau genommen.

Zum Ende des Jahres blicken der Leiter und seine Stellvertreterin im Gespräch mit unserer Zeitung auf 15 Wochen Sekundarschule in Stolberg zurück – und auf einen aus ihrer Sicht insgesamt gelungenen Start.

Sie sind im August mit viel Begeisterung und großer Zuversicht in das erste Schuljahr der neuen Sekundarschule gegangen. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Klein: Auch wenn zu Beginn noch nicht alles fertig war, sind wir sehr gut in das Schuljahr gekommen. Natürlich muss sich an einer neuen Schule alles einspielen. Inzwischen ist in der Sekundarschule aber der Alltag eingekehrt, und das in einem sehr positiven Sinne. Der Umgang mit dem gemeinsamen Lernen wird immer routinierter und besser.

Was ist besonders positiv aufgefallen?

Mersmann: Nach den Herbstferien haben wir die Lernbüros eingeführt, die machen sich wirklich bezahlt. Das ist ein von den Schülern sehr gut angenommenes System, in dem sie eine intensive Arbeitskultur entwickeln.

Was genau passiert in den Lernbüros?

Mersmann: In den Lernbüros verbringen die Schüler pro Woche sechs Stunden, in denen sie ganz individuell auf sie abgestimmte Einzelarbeiten erledigen und auch ganz individuell ihre Fragen stellen können. Das geschieht zunächst in den Hauptfächern. Dabei werden sie klassenübergreifend immer von einem Fachlehrer betreut.

Wie sehr ist die Idee vom gemeinsamen Lernen schon umgesetzt worden?

Klein: Zu 85 Prozent ist der Unterricht doppelt besetzt, nicht immer, aber meistens mit einem Förderschullehrer und einem Allgemeinpädagogen. Das Zusammenspiel funktioniert immer besser, die Teams harmonieren immer mehr. Das gemeinsame Lernen bietet ein breites Feld von Handlungsmöglichkeiten, es gibt viele Spielarten, die von den Kollegen sehr kreativ genutzt werden.

Bei Ihnen kommen die Schüler freiwillig 15 Minuten früher in die Klassen.

Klein: Ja, denn wir haben das Projekt „gemeinsamer Anfang“, das sehr gut angenommen wird. Unterrichtszeit soll Lernzeit sein, und die beginnt bei uns um 8 Uhr. Weil die Schüler aber gerne auch vorher schon zusammen sind und Rituale wie beispielsweise Erzählen oder Vorlesen sehr schätzen, treffen sie sich schon um 7.45 Uhr in den Klassen.

Gibt es denn auch das Projekt „gemeinsames Ende“?

Mersmann: Für die Zeit nach dem Ende des regulären Unterrichts, also nach 15 Uhr, wollen wir ab dem nächsten Schuljahr etwas anbieten. Das können Angebote zur individuellen Förderung sein, aber auch Dinge im Wohlfühlbereich mit einem hohen Spaßfaktor.

Die Leitung der Kogelshäuserschule hat wenige Wochen nach Schuljahresbeginn gegenüber unserer Zeitung darauf hingewiesen, dass sie, so wörtlich, nicht in der Versenkung verschwinden will. Wie funktioniert das Miteinander der nun auslaufenden Hauptschule und der neu gegründeten und wachsenden Sekundarschule unter einem Dach?

Klein: Die Abläufe und Abstimmungen funktionieren immer besser. Es ist wirklich eine sehr erfreuliche Zusammenarbeit. Und es herrscht ein positives Klima. Ich nenne nur mal zwei Beispiele: Vor den Weihnachtsferien haben die Kinder beider Schulen gemeinsam den Abschlussgottesdienst gefeiert. Das war völlig selbstverständlich. Und die Kollegien beider Schulen haben sich zum gemütlichen Ausklang noch einmal getroffen, bevor sie in die Ferien gegangen sind.

Noch ist die Kogelshäuserschule das große System.

Klein: Natürlich, und von diesem profitieren wir als Sekundarschule, die gerade erst gegründet worden ist und schrittweise aufgebaut wird, sehr. Die Mittagspausengestaltung etwa wird durch die Hauptschule gewährleistet, für alle Schüler. Das könnten wir als Sekundarschule derzeit personell gar nicht stemmen. Wir haben uns auch am Nikolaus-Schwimmen beteiligt, weil das mit einer Jahrgangsstufe alleine keinen Sinn machen würde. Grundsätzlich gilt: Wo es zu einer Belebung der System führt, da wird kooperiert. Und es ist klar, dass es auf Dauer eine Rollenverschiebung geben wird und dann die Hauptschule zunehmend von der Sekundarschule profitieren wird.

Im vergangenen Jahr waren sie auf großer Werbetour unterwegs in Stolberg. Wie präsentiert sich die Sekundarschule diesmal im Vorfeld des Anmeldeverfahrens?

Klein: Wir haben für das zweite Jahr schon frühzeitig vereinbart, dass wir keine Informationsveranstaltungen außerhalb unserer Schule anbieten werden. Die Beratungen für die zukünftigen Fünftklässler und ihre Eltern finden in den Grundschulen statt.

Hat sich die Sekundarschule in Stolberg schon ausreichend etabliert?

Klein: Ich hoffe, dass unser System bei den Stolbergern angekommen ist als ein überschaubares System des gemeinsamen Lernens. Ob das tatsächlich der Fall ist, wird das Anmeldeverfahren zeigen.

Anders als die Gesamtschule in Stolberg haben Sie kein vorgezogenes Anmeldeverfahren.

Mersmann: Das liegt daran, dass bei uns im Gegensatz zur Gesamtschule nicht sicher ist, ob wir Überkapazitäten haben werden. Für die Bürger ist das aber ein großer Vorteil. Denn das bietet all denjenigen Kindern, die an der Gesamtschule angemeldet worden sind, aber dort nicht angenommen werden, weil es nicht genug Plätze gibt, die Möglichkeit, sich anschließend in der Zeit vom 24. Februar bis 21. März in Ruhe an der Sekundarschule anzumelden.

Wie viele Plätze werden Sie für die Eingangsstufe 2014/15 haben?

Klein: Wir könnten theoretisch 90 Fünftklässler aufnehmen, werden aber drei Klassen à 28 Schüler bilden, zu denen insgesamt sechs bis acht Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gehören.

Mit der Schülerzahl wird auch die Zahl der Lehrer steigen. Gibt es dazu schon konkrete Angaben?

Klein: Genaue Zahlen kann ich noch nicht nennen, voraussichtlich werden wir sechs neue Stellen einrichten können. Wir sind schon dabei, Personal zu sichten. Darüber hinaus, und das hängt natürlich auch zusammen, müssen wir frühzeitig weitere inhaltliche und pädagogische Weichen stellen. Da geht es beispielsweise darum, welche zweite Fremdsprache wir im nächsten Schuljahr einführen werden, und wie wir unsere Niveaustufen weiterentwickeln. Ein weiteres Ziel wird es dann sein, das Feld der Berufswahlorientierung zu besetzen.

Sie haben den Anspruch formuliert, einen engen Kontakt zu den Eltern aufzubauen. Ist das schon geschehen?

Klein: Da ist sicherlich in den ersten Monaten noch einiges zu kurz gekommen, manchmal fehlte mir schlichtweg die Zeit. Bei der Beratung zur Laufbahn unserer Schüler und auch im täglichen pädagogischen Umgang gibt es aber schon intensive Kontakte zu den Eltern. Einen weiteren wichtigen Impuls erhoffe ich mir von der Gründung des Fördervereins, die wir im Januar vollziehen wollen.

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