Polizei nutzt die Ruhe zur Aufklärung

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
Viele Fragen: Damit die Bürge
Viele Fragen: Damit die Bürger sich rechtzeitig vor dem Aufmarsch der Rechten informieren können, etwa über Verkehrsbehinderungen, standen Polizeibeamte den Stolbergern gestern Rede und Antwort.

Stolberg. Es scheint wie die Ruhe vor dem Sturm. Gut 24 Stunden vor dem ersten Aufmarsch der Rechtsextremen dieses Jahres in Stolberg spielen Dienstagmittag Kinder auf dem Markt Fußball, Mütter spazierten bei strahlendem Sonnenschein mit ihrem Nachwuchs durch die Innenstadt, um noch ein paar Besorgungen zu machen.

„Wenn die Krawallmacher hier rumlaufen, werde ich mich mit meinen Kindern definitiv nicht in der Innenstadt aufhalten”, sagt Sarah Schaeffer. Und sie ist nicht die einzige, die so denkt. „Schauen Sie mich an - meinen sogenannten Migrationshintergrund sieht man mir ja auf hundert Meter Entfernung an. Ich bleibe morgen und am Samstag mit meinen Kinder in meinen eigenen vier Wänden”, sagt eine junge Deutsch-Türkin, die ihren Namen aus gegebenen Umständen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Info-Bulli am Marktplatz

50 Neonazis sind zur heutigen Demonstration angemeldet - „Trauermarsch” nennen sie es, wenn sie zweimal im Jahr die Kupferstand überrollen. Gegen den Aufmarsch geht das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus auf die Stolberger Straßen. 500 Personen erwartet die Polizei bei dieser Gegendemo.

Ebenfalls zur Gegendemo angemeldet hat sich ein bekannter Aachener Linksaktivist, der mit 200 Aktivisten gegen Rechts protestieren wird. Die Polizei hat also alle Hände voll zu tun. „Für uns ist das nichts neues, wir sind bei der Einsatzplanung so sorgfältig vorgegangen wie in den Jahren zuvor”, sagt Polizeisprecher Paul Kemen.

Unterstützung erhält die hiesige Polizei durch Einsatzkräfte aus ganz NRW. „Allein könnten wir das gar nicht schaffen”, sagt Kemen. Am Dienstag, am Tag vor der Demonstration, ist das gesteigerte Polizeiaufgebot in der Kupferstadt für aufmerksame Beobachter bereits nicht zu übersehen.

Uniformierte Beamte verteilen an verschiedenen Standpunkten der Stadt Handzettel, um die Bevölkerung zu informieren. Direkt vor dem Rathaus haben sich zwei Beamte mit ihrem Info-Bulli postiert. „Dieser Service der Polizei wird gut angenommen”, sagt der Beamte Wolf Reyscher. „Auch wenn die Leute in Stolberg die Naziaufmärsche schon zu Genüge kennen, haben sie doch noch viele Fragen”, sagt er.

Alltägliches sei es vor allem, was die Bürger von den Uniformierten wissen wollten. Etwa: Wie bekommt man die kranke Mutter ins Krankenhaus, wenn die wichtigsten Straßen Stolberg wegen der Aufmärsche gesperrt sind? „Diese Fragen beantworten wir den Bürgern dann”, erklärt Kollege Michael Beck. Und manche ließen auch mal Dampf ab.

Auch Manfred Göttgens steht eine ganze Weile bei den Polizisten. „Ich bin richtig genervt von den alljährlichen Demos”, erklärt er. Nicht nur weil er natürlich gegen Rechts ist und die Aufmärsche ein schlechtes Licht auf Stolberg werfen.

Sondern auch aus ganz profaneren Gründen. „Diese Aufmärsche schränken die Bürger einfach ein”, sagt er. „Man kommt nicht in die Stadt hinein, alles ist abgeriegelt, noch nicht mal beim Metzger einkaufen kann man - da fahre ich an solchen Tagen doch eher noch nach Aachen zum Einkaufen als nach Stolberg”, sagt er.

Weil viele Stolberger so denken, lassen schließen einige Geschäftsinhaber ihre Läden früher oder lassen sie vor allem am Samstag, wenn die Rechtsextremen zum zweiten Mal innerhalb einer Woche aufmarschieren, und die Stadt gleich den ganzen Tag belagern, gleich ganz zu. Die Apotheke am Rathaus macht ihre Kunden mit einer Mitteilung im Fenster darauf aufmerksam, dass am Karsamstag wegen der Demonstrationen geschlossen bleibt.

Der Großteil der Einzelhändler will vor den Nazis allerdings nicht kapitulieren. „Wir haben wie gewohnt geöffnet. Von diesen Aufmärschen lassen wir uns nicht beeindrucken”, sagt ein Buchhändler. Auch die Inhaberin eines Kiosks lässt sich von den Nazis nicht beeindrucken. „Wir machen das ja jetzt seit fünf Jahren mit - aber einschüchtern lassen wir uns davon nicht. Auch man nicht viele Kunden erwarten darf - unsere Türen bleiben offen”, sagt sie.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert