„Politik versucht, Gesamtschule als ihren Erfolg zu verkaufen“

Von: gro
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Achim Graetz fühlt sich von einer Äußerung der CDU brüskiert und tritt als Vorsitzender des Fördervereins zurück. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Kurz vor der Kommunalwahl wird es plötzlich politisch in der Stolberger Gesamtschule. Stein des Anstoßes und des daraus resultierenden Streits ist eine Aussage von Jochen Emonds im Rahmen unserer Befragung zum Thema Schule. Dort hatte der CDU-Parteichef angemerkt: „Durch die Elternbefragung der CDU 2010 wurde die Gesamtschule auf den Weg gebracht.“

Achim Graetz hat das mächtig in Rage gebracht. So sehr, dass der Vorsitzende des Fördervereins sein Amt nun mit sofortiger Wirkung niedergelegt. „Eine weitere Zusammenarbeit ist auf dieser Grundlage leider nicht mehr möglich“, erklärte er am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung mit Blick auf den von ihm kritisierten Emonds, der Lehrer an der Stolberger Gesamtschule ist und als Schriftführer auch dem Vorstand des Fördervereins angehört.

Graetz, der 2009 zu den Mitbegründern einer Elterninitiative zählte, die sich für eine Gesamtschule in Stolberg nachdrücklich eingesetzt und einen maßgeblichen Anteil an deren Eröffnung zum Schuljahr 2012/13 hatte, sieht in der Darstellung des Christdemokraten „eine völlige Verdrehung der Tatsachen, die alle Leute auf die Palme bringt, die sich damals für die Gesamtschule ins Zeug gelegt haben“. Schließlich habe sich gerade die CDU lange Zeit einer solchen Schulform verweigert. „Der seinerzeitige Spitzenkandidat der CDU, Paul M. Kirch, hat im letzten Kommunalwahlkampf vehement die Notwendigkeit einer Gesamtschule bestritten“, moniert Achim Graetz. Und der Landtagsabgeordnete Axel Wirtz habe die Gesamtschule unter anderem mit dem Hinweis abgelehnt, dass befürchtet werden müsse, deren Einrichtung sei der erste Schritt „zur Einheitsschule“.

Dererlei Schuhe will sich Jochen Emonds allerdings nicht anziehen. „Die Politik hatte bei der Schulentwicklungsplanung parteiübergreifend zehn Jahre geschlafen. Aber 2009 hat es einen Umschwung gegeben. Und an dem war ich an vorderster Front beteiligt“, betont der Parteivorsitzende. Die Aussage zur Elternbefragung sei inhaltlich richtig. „Für mich galt es, alte Zöpfe abzuschneiden.“ Deshalb sei es als schulpolitischer Sprecher noch vor der Kommunalwahl, im Juni, eine seiner ersten Maßnahmen gewesen, den Antrag auf eine Elternbefragung zu schreiben. „Mir und allen Verantwortlichen der CDU war klar, dass die Abstimmung pro Gesamtschule ausgehen würde.“

Den Rücktritt von Achim Graetz kann Jochen Emonds nicht nachvollziehen – „weder persönlich noch inhaltlich. Wir haben sehr gut miteinander gearbeitet und uns auch sehr gut verstanden“, bedauert Emonds den Schritt.

Bei dem Achim Graetz aber, so hat er am Donnerstag bekräftigt, bleiben wird. „Die Gesamtschule in Stolberg, wie wir sie heute haben, gibt es vor allem, weil viele Eltern für ihre Einführung gekämpft und Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung sich an ihrer konzeptionellen Entwicklung beteiligt haben.“ Das aber, stellt Graetz enttäuscht fest, gehe jetzt völlig unter. „Heute versucht die Politik, diesen Erfolg für sich zu verkaufen.“

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