Pilze pflücken? Da erwacht der Jagdtrieb!

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Mag den Parasol lieber als den Steinpilz: Gabi Jansen. Die Pilzexpertin freut sich, wenn es wieder Stockschwämmchen, Violette Ritterlinge und Graublättrige Schwefelköpfe gibt. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Wenn es um Pilze geht, gerät Gabi Jansen ins Schwärmen und Schimpfen zugleich. Die anerkannte Pilzexpertin war am Wochenende erst mit einer Gruppe auf Pilzwanderung im Waldgebiet Süssendell unterwegs, an diesem Samstag geht es beim Pilzaktionstag im Zweifaller Kloster auch wieder in den Wald. Und dann kommen zu den schönen Erlebnissen sicherlich auch wieder die weniger schönen.

Dann nämlich, wenn die gewerblichen Sammler wieder unterwegs sind, „in Scharen, mit Geschrei und Müll hinterlassend. Das ist mittlerweile so furchtbar hier und hat auch nichts mehr mit Pilze sammeln zu tun. Das ist kommerzielles Absammeln“, sagt Gabi Jansen.

Und das sei genau das, was sie bei ihren Kräuter- und Pilzwanderungen niemals vermittele. „Pilze sammeln ist eigentlich eine Generationen übergreifende, uralte Tradition, bei der eben auch das Wissen weitergegeben wird.“ Als sie am Wochenende mit 17 Gästen unterwegs war, sträubten sich ihr regelrecht die Haare bei dem Anblick: Rund um Süssendell, Gottfriedskreuz und Talsperre waren Gruppen aus Osteuropa unterwegs, die alle Pilze, egal ob essbar oder nicht, abgrasten und in Plastiksäcke packten. „Für sie mag das Sammeln in den Dimensionen normal sein, aber unser Ökosystem würde auf Dauer zusammenbrechen“, weiß Jansen.

Auf dem Parkplatz sortiere dann erfahrungsgemäß einer die nicht genießbaren Exemplare aus, dann ziehe der Trupp weiter. „Das tut mir in der Seele weh! Aber für ein Kilo Steinpilze gibt es etwa 30 Euro auf dem Markt, für viele ist das wohl genug Anlass, Restaurants und den Markt zu beliefern.“ Für Gabi Jansen gibt es für dieses gewerbliche Sammeln nur ein Wort: Naturfrevel. Sie wünscht sich eine gesetzliche Regelung, die „solche Leute aus dem Wald raushalten würde“.

„Wir können nicht hinter jedem Baum stehen“, sagt Robert Jansen vom Landesbetrieb Wald und Holz. Das sei ja auch nicht Sinn und Zweck, appelliert er an den gesunden Menschenverstand, sich vernünftig zu verhalten.

Aber es sind nicht nur die gewerblichen Sammler, die Gabi Jansen Kopfschmerzen bereiten. In den letzten Jahren beobachtet sie ein zunehmend habgieriges Verhalten. „Ich möchte mich wirklich mal gerne mit dem Förster auf einen Waldparkplatz stellen und die Pilzsammler höflich fragen, warum sie sich in einem Maße umsonst im Wald bedienen, dass es nicht mehr schön ist. Da geht bei manch einem der Sammel- und Jagdtrieb durch!“ Gabi Jansen plädiert dafür, die Leute wieder mehr zu schulen. Es gehe darum, sich wieder zurückzubesinnen. Ihrer Meinung nach könne man nicht einfach losziehen und sammeln. „Ich sage ‚meinen‘ Leuten auch immer: Wenn man zwei Stunden Pilze sammelt, braucht man danach auch zwei Stunden für die Zubereitung, das ist nicht mal eben so gemacht.“

Gerade hat der Steinpilz Hochsaison. Und da landet auch schnell mal der ungenießbare Gallenröhrling, der Name ist Programm, der dem leckeren Steinpilz sehr änlich sieht, im Korb. „Das wissen unerfahrene Sammler aber nicht. Sie sammeln Massen, und da braucht nur ein Gallenröhrling dabei zu sein, der würde die ganze Mahlzeit versauen“, weiß Jansen, die den meisten in unserer Region als „Kräuterhexe“ bekannt ist.

Der Konkurrenzkampf ist groß, das weiß auch Robert Jansen: „Im Moment ist es ganz schön verrückt!“ Immer wieder sind Pilzsammler schon in den frühen Morgenstunden unterwegs, der eine gönnt dem anderen eben nichts. „Um 8 Uhr sieht man die ersten durch die Wälder schleichen. Das ist nicht im Sinne des Wildes, das gerade jetzt die Zeit braucht, um sich fit zu machen für den Winter“, so die 56-Jährige.

Ein Ausflug zum Pilze sammeln sollte also der inneren Uhr der Tiere angepasst werden. Insbesondere in den frühen Morgenstunden und in der Dämmerung werden die Waldbewohner aktiv. Wer Pilze für den Eigenbedarf sammeln möchte, sollte den Wald nicht vor 10 Uhr betreten und ihn gegen 16 Uhr wieder verlassen, rät Gabi Jansen.

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