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Pferdefreunde müssen bald davontraben

Von: Jürgen Lange und Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Die Tage des Reitsports sind an der Donnerberger Stadtrandsiedlung gezählt. Die Pferdefreunde müssen davontraben, wenn die Stolberger Bauland GmbH dort ein großes Neubaugebiet entwickelt. Foto: J. Lange

Stolberg. Auch wenn die Nachricht keine Neuigkeit ist, sitzt der Vorsitzende der Reitergemeinschaft Stolberger Pferdefreunde momentan nicht gerade fest im Sattel. „Das ist eine schockierende Mitteilung, und zwar, weil es jetzt so endgültig ist“, sagt Clemens Arlinghaus. Die Stadt will das von den Pferdefreunden genutzte Turniergelände in ein Neubaugebiet umwandeln.

Und jetzt, da die Ampeln für eine Gründung der Stolberger Bauland GmbH auf Grün stehen, ist der Weg frei für die Großbaustelle an der Donnerberger Stadtrandsiedlung.

Zwei Jahre bleiben noch etwa, um die Wiesen zwischen dem Turnierplatz am Trockenen Weiher und der Stadtrandsiedlung für den Reitsport nutzen zu können. Dann dürften dort bereits erste Straßen gebaut und Häuser errichtet werden. Verständlich für Clemens Arlinghaus, „aber wir müssen weichen, und das ist für uns eine blöde Situation“, so der 59-Jährige. Gerade einmal vier Jahre ist es her, dass Arlinghaus in den Führungssattel des seinerzeit in der Krise steckenden Vereins stieg, die großen Pläne, die die 130 Pferdefreunde hatten, kommen erstmal auf den Mist. Gespräche mit der Stadt seien bereits geführt worden, 2015, spätestens 2016 muss die Reitergemeinschaft davontraben. „Die Stadt ist natürlich nicht in der Lage, uns etwas anderes zu bieten. Da sind wir jetzt auf uns alleine gestellt“, sagt Arlinghaus.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die 1968 gegründete Reitergemeinschaft Sorgen um ihre Existenz macht. Bereits vor zwei Jahrzehnten waren es vergleichbare Pläne der Stadt, die den Pferdefreunden die Sorgenfalten auf die Stirn trieb. Seinerzeit scheiterte die Entwicklung des Wiesengeländes an der Stadtrandsiedlung an den erforderlichen Lärmschutzmaßnahmen zwischen einer geplanten Wohnbebauung sowie den benachbarten Fußball- und Tennisplätzen. Deshalb landeten die Pläne für ein großes Neubaugebiet erst einmal in der Schublade, so dass die Reitergemeinschaft aufatmete und den 2003 auslaufenden Pachtvertrag mit dem Eigentümer der Reithalle und Stallungen verlängerte.

An der Trense ziehen mussten die Pferdefreunde zu diesem Zeitpunkt trotzdem schon. Ein in zweiter Reihe an der Duffenterstraße gelegener ehemaliger Bauernhof, der ihnen als Lager diente und zehn Pferdeboxen beherbergte, wurde 1998 mit dem großen städtischen Immobilienpaket veräußert. Und die Neubauten reihen sich entlang einer Trasse, die zukünftig als Zufahrt ins neue Wohngebiet dienen soll. Auch der kleine Abreite- und Dressurplatz direkt neben der Reithalle ist längst bebaut. Und jetzt muss sich die Reitergemeinschaft mit dem Gedanken vertraut machen, den Rest des von ihr genutzten Freigeländes in absehbarer Zeit zu verlieren.

„Vor ein paar Jahren waren wir sehr gut aufgestellt, auch in Sachen Finanzen. Die Weichenstellung war damals da, wir haben es verpasst“, sieht der Vorsitzende der Pferdefreunde einen „gewaltigen Aufwand“ auf den Verein zukommen. Es sei genügend Energie da, um Dinge voranzutreiben und zu ändern, dennoch macht sich Arlinghaus Sorgen, ob eine „dicke, neue Lösung“ mit den jetzigen Kräften gestemmt werden kann. „Zeit und Geld sind nötig“, betont der Pferdefreund.

Dienstag ist Krisensitzung

Reithalle, Boxen, ein großes Gelände, um weiterhin Turniere ausrichten zu können, Weideflächen: Das geht nur Schritt für Schritt und nicht im Galopp. „Wir prüfen zurzeit viele Dinge, suchen nach Möglichkeiten“, erklärt Arlinghaus, dass die Vereinsmitglieder trotz misslicher Lage „nicht in Schockstarre auf dem Rücken liegen. Wir bewegen uns!“

Und dazu gehören auch Gespräche und Überlegungen. Sei es mit den Reitern auf Gut Hassenberg, um Bedingungen abzustecken für eine eventuelle Fusion – „das war schon immer im Gespräch“ – oder mit den Verwaltungsleuten der Stadt. Ein externes Auslagern von Turnieren sei sicherlich möglich, andere würden zum Beispiel die Aachener Albert-Vahle-Halle mieten, „aber dadurch geht ein großes Stück Identität verloren“, betont Arlinghaus.

Es darf und muss also weiter gegrübelt werden: Am Dienstag treffen sich die Pferdefreunde zur Jahreshauptversammlung um 19.30 Uhr im Restaurant „Prosecco“.

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