Stolberg-Büsbach - Pausenbrote gegen knurrende Mägen

Pausenbrote gegen knurrende Mägen

Von: Heike Eisenmenger
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Die Butterbrote schmecken: Darin sind sich diese Erstklässler der Grundschule Büsbach, die die Pausenbrote probierten, einig. „Breakfast 4 Kids” startet in der Grundschule Bischofstraße einen Testlauf, will in Stadt und Kreis Aachen ein Netz aufspannen, damit kein Kind mehr mit knurrendem Magen im Unterricht sitzt. Foto: H.Eisenmenger

Stolberg-Büsbach. Kinder, die hungrig in die Schule müssen, weil ihre Eltern arm sind: Was sich in Deutschland vor wenigen Jahren kaum jemand vorstellen konnte, ist zur traurigen Realität geworden. Immer mehr Menschen leben am Existenzminimum, sparen notgedrungen selbst am Essen.

Kinder leiden ganz besonders unter der Armut, schämen sich, werden ausgegrenzt, so dass einige lieber ihre Not verschweigen, als um Hilfe zu bitten.

Speziell während der Wachstumsphase ist eine ausgewogene Ernährung von elementarer Bedeutung. Damit in Zukunft kein Kind in Stadt und Kreis Aachen mehr mit knurrendem Magen im Unterricht sitzen muss, hat sich der Verein „Breakfast 4 Kids” in Stolberg gegründet.

Offizieller Startschuss für den Verein ist am Montag. An diesem Tag läuft der erste „Testlauf” an, wird „Breakfast 4 Kids” erstmalig eine Schule - auserkoren wurde für den Modellversuch die Grundschule Bischofstraße - mit Pausenbroten versorgen.

„Mit der Grundschule Bischofstraße testen wir, ob unser Konzept funktioniert, wir wollen die Logistik überprüfen und Feinheiten abstimmen”, erklärt Achim Monnartz, Vorsitzender des im Oktober gegründeten Vereins.

Die Versorgung der Grundschule mit Pausenbroten ist für die nächsten sechs Monate gesichert, bilanziert Monnartz. Dafür haben Stolberger Firmen zusammengelegt.

Rund 4500 Euro taten Joachim Friedemann von der Victoria-Versicherung, die Rechtsanwälte Dr. Werner Pfeil und Kollegen, Doris Spreckelmeyer von der gleichnamigen Autoglasfirma sowie Marc Siebertz vom Mercedes-Autohaus in den Topf, um Kindern aus finanziell schlecht gestellten Familien zu helfen.

Zu helfen, ist gar nicht so einfach, denn ihre Not ist vielen Schülern und deren Eltern peinlich. „Darum ist es für uns wichtig, dass die Lehrer die Pausenbrote verteilen, denn sie wissen, welche Schüler Hilfe brauchen”, erläutert der Vorsitzende. „Unser Ziel ist es, ein Netz aufzuspannen, das so engmaschig ist, dass wir jedes Kind, das Hilfe braucht, auch erreichen”, stellt Monnartz klar.

Damit die betroffenen Schüler nicht stigmatisiert werden, und auch, um jede Befangenheit zu nehmen, werden die Brote in den ersten drei Tagen des Projektversuches an alle Schüler der Schule verteilt.

Der „Testlauf” in einer ersten Klasse war jedenfalls viel versprechend: Neugierig bissen die Kinder in ihr Sandwich. Die Schulbrote werden mit unterschiedlichen Belägen angeboten, was nicht nur für geschmackliche Abwechslung sorgt, sondern auch sicherstellt, dass auch muslimische Schüler stets einen Belag finden, der ihrer religiösen Überzeugung Rechnung trägt.

Vorerst übernimmt der Verein die tägliche Belieferung der Schule mit Pausenbroten, die von einer Firma in Alsdorf belegt und in hygienischen Plastikdosen verpackt werden. Der Verein holt die leeren Verpackungen auch wieder ab, um sie fachgerecht zu entsorgen.

Vorerst wird diese Arbeit auf ehrenamtlicher Basis geschultert, wenn allerdings mehrere Schulen im Versorgungsnetz des Vereins aufgenommen sind, „müssen wir überlegen, wie vorzugehen ist”, sagte Monnartz.

Wichtig ist dem Verein aber erstmal, dass der Praxislauf erfolgreich ist. „Rom ist ja auch nicht an einem Tag erbaut worden, wir wachsen mit unseren Erfahrungen”, merkte Walter Wahlen, Vorsitzender des Sozialdienstes Katholischer Männer - die Organisation ist Gründungsmitglied im Vorstand - an.

Wie dringend ein Verein wie „Breakfast 4 Kids” nötig ist, dass machte Schulleiterin Irmgard Remmert deutlich: „Wir haben 360 Schüler. Im Schnitt sind in jeder Klasse drei Kinder, die bedürftig sind. Was es für ein Kind bedeutet, mit knurrendem Magen dem Unterricht folgen zu müssen, brauche ich wohl nicht näher zu erläutern.”

Wie hoch der Bedarf letztlich tatsächlich ist, wird die Praxis zeigen. Bereits bei zwei weitere Schulen in Aachen und Alsdorf hat der Verein angeklopft, will auch sie nach dem Testlauf an der Grundschule in Büsbach mit Pausenbroten versorgen.
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