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Organspende im Bethlehem: Ein schwieriges Thema

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Über das Thema Organspende sollte sich jeder Gedanken machen – auch wenn man absolut gegen eine Spende ist, kann man dies im Organspendeausweis eintragen. Die Ausweise gibt es zum Beispiel am Empfang des Stolberger Krankenhauses. Foto: S.-L. Gombert
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Der Internist Arne Bienert ist seit einigen Monaten Transplantationsbeauftragter am Bethlehem.

Stolberg. Mehr als 10.000 Menschen bundesweit warten nach Informationen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) auf ein Spenderorgan. Das letzte Mal, dass ein Organ im Stolberger Krankenhaus, immerhin offiziell als Entnahmeklinik registriert, entnommen worden ist schon mehrere Jahre her.

Für das Bethlehem-Gesundheitszentrum ist das Thema Organspende dennoch aus dem Alltag nicht wegzudenken: Der neue Transplantationsbeauftragte, Arne Bienert, hat erst vor wenigen Monaten einen entsprechenden Lehrgang abgeschlossen. Das Credo des jungen Internisten: Auch wenn Organentnahmen in kleinen Krankenhäusern wie dem Stolberger Bethlehem selten sind: Offene Gespräche über dieses sensible Thema sind wichtig für Patienten und Angehörige.

Natürlich bekommen längst nicht alle Patienten des Stolberger Krankenhauses mit Arne Bienert in seiner Funktion als Transplantationsbeauftragter zu tun: „Bevor wir überhaupt über das Thema Organspende nachdenken, müssen ganz bestimmte Kriterien erfüllt sein“, erklärt der Arzt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Damit ein Patient als Spender überhaupt infrage kommt, sei es unabdingbar, dass zunächst zwei Ärzte unabhängig voneinander den „irreversiblen Hinfunktionsausfall“, den sogenannten Hirntod, feststellen. Das bedeutet, dass der Patient beatmet werden muss und dass er auch auf viele Tests keine Reaktion mehr zeigt. Bienert formuliert es so: „Das, was den Menschen als Mensch ausmacht, ist unwiederbringlich weg.“

Viele Faktoren müssen stimmen

Kommen diese Faktoren zusammen, suchen Bienert und seine Kollegen das Gespräch mit den Angehörigen des Patienten: „Es gibt ab diesem Zeitpunkt nur noch zwei mögliche Wege“, erklärt der Internist. Die erste Möglichkeit ist: Man stellt die Beatmung ein, der Tod bei dem bereits „hirntoten“ Patienten tritt ein. Die zweite Möglichkeit: Vor dem Abstellen der Maschinen könnte eventuell ein Mensch, der an einer schlimmen Krankheit leidet, von einer Organspende profitieren.

Hier kommt es übrigens nicht nur auf einen entsprechend ausgefüllten Organspendeausweis an. Denn über dieses Thema mit den Hinterbliebenen zu sprechen ist in Bienerts Augen das Wichtigste. „Selbst wenn der Patient auf einem Organspendeausweis ausgefüllt hat, dass er zur Spende bereit ist: Gegen den Willen der Hinterbliebenen würden wir nie agieren.“ Bienert hofft, dass durch offene Gespräche mit den Beteiligten der Vertrauensverlust in das System Organspende wieder ein Stück weit rückgängig gemacht werden kann.

„Trotzdem ist ein Organspendeausweis eine wichtige Sache“, sagt Bienert. Erstens kann man dort auch vermerken, dass man mit einer Spende grundsätzlich nicht einverstanden ist – oder das nur bestimmte Organe entnommen werden sollen. „Und zweitens bedeutet ein Spenderausweis in der Regel, dass der Patient schon mal im Familienkreis über ein unangenehmes Thema gesprochen hat.“ Das kann für die Hinterbliebenen, die sich gerade ohnehin in einer schwierigen Lage befinden, eine wichtige Hilfe sein.

Stiftung koordiniert

Doch wie käme im Fall der Fälle ein Dialyse-Patient beispielsweise an eine Niere aus Stolberg? „Die Organisation der Organspende übernimmt für deutsche Krankenhäuser die DSO“, erklärt Bienert. Ein DSO-Koordinator ist für die registrierten Krankenhäuser stets ansprechbar. Dort weiß man, wer auf der Warteliste steht, zu wem das Organ passen könnte und ob diese Person auch derzeit in der Lage ist, sich kurzfristig einer Operation zu unterziehen.

„Wenn der potenzielle Empfänger beispielsweise gerade an einem Infekt leidet, kommt er für solch eine Operation wahrscheinlich nicht infrage.“

Für die Warteliste wiederum ist die niederländische Stiftung „Eurotransplant“ mit Sitz in Leiden verantwortlich. Diese Stiftung ist die Vermittlungsstelle für Organspenden in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Andere europäische Länder sind haben die Organspende anders organisiert.

Gäbe es also nun in Stolberg einen geeigneten Spender, dessen Familie mit einer Entnahme einverstanden ist, und einen dazu passenden Empfänger, käme ein Team der DSO ins Bethlehem-Gesundheitszentrum, um gemeinsam mit den Stolberger Ärzten die Entnahme vorzubereiten. „Der DSO-Koordinator ist auch bei der OP dabei“, sagt Bienert.

Jetzt spielt der Faktor Zeit eine immer wichtigere Rolle: „Für den Transport von Herzen oder Lungen beispielsweise haben wir nur vier bis sechs Stunden Zeit“, sagt Bienert. Denn die Zeit, in der die Organe nicht durchblutet werden, gilt es möglichst kurz zu halten. Weniger heikel ist es bei der Niere: Das Organ kann laut DSO 24 Stunden nach der Entnahme noch transplantiert werden.

Potenzieller Spender, ein passender Empfänger, und ein sehr kleines Zeitfenster: Es kommt selten vor, dass all diese Faktoren zusammenpassen. „Nicht ohne Grund liegt die durchschnittliche Wartezeit für eine Spenderniere in Deutschland bei rund sieben Jahren“, sagt Arne Bienert.

Dass es in Stolberg so wenige Entnahmen gibt, liegt in seinen Augen auch an der Nähe zum Aachener RWTH-Klinikum. Trotzdem: Sollte es im Stolberger Krankenhaus zum Fall der Fälle kommen: Die Klinik ist vorbereitet. „Es ist schließlich unser Auftrag, den Menschen zu helfen.“

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