„Open Steinweg“: Leerstand ist immer auch eine neue Chance

Von: Jürgen Lange
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Gut zwölf Kilometer eigens bedrucktes Band werden im Steinweg für Verbindung sorgen.
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Gut zwölf Kilometer eigens bedrucktes Band werden im Steinweg für Verbindung sorgen.

Stolberg. Bei der großen Stadtparty an diesem Wochenende wird er vielleicht nicht so sehr auffallen wie während des Alltags. Aber der Leerstand von Geschäftslokalen vor allem im wenig frequentierten oberen Steinweg ist ein Dorn im Auge der präsenten Einzelhändlern ebenso wie der Stadtväter. Doch das wird sich in Kürze drastisch ändern.

Dann wird pulsierendes Leben einziehen in die Fußgängerzone, dann werden zahlreiche Ladenlokale schlagartig wieder gefüllt sein, dann wird die Weisheit „Leerstand bedeutet frei für neue Chancen“ in die Tat umgesetzt.

„Wir waren angekommen“

„Mehr als 70 ortsansässige Künstler, Musiker und Steinweg-Ladenbesitzer beteiligen sich“, jubelt Dr. Nina Mika-Helfmeier über die gelungene Resonanz, die am Samstag, 28. September, die Kupferstadt beleben soll – zumindest zwischen 12 und 18 Uhr.

„Es wird ein Straßenfestival mit Menschen, mit Kunst, Performance, Tanz, Musik und Kinderprogramm“, verspricht die Amtsleiterin für Kultur und empirische Forschung der Städteregion Nachhaltigkeit: „Ziel an diesem Tag ist es, das Potenzial dieser Straße sichtbar zu machen.“

Basis dieses Ereignisses ist das vom Land geförderte Kunstprojekt „Based in der Städteregion“. Die Intention dieses Projektes an mehreren Orten in der Städteregion ist es, Kunst gezielt zum Seh- und Gesprächsanlass mit gesellschaftlicher Relevanz zu machen. Ein Gesprächsstoff mit Relevanz bot, bietet und wird der Steinweg weiterhin bieten.

Das erkannten auch sechs Künstler und Designer des renommierten Kreativnetzwerkes „Designmetropole Aachen“ gleich beim Startschuss, als sie eigentlich die Burg als Location für ihr Projekt begutachten wollten. Ehe sie das Wahrzeichen der Stadt erreichten, entdeckten sie den Steinweg. Das Ambiente faszinierte sofort.

„Wir brauchten nicht mehr zur Burg, wir waren angekommen“, erzählt Accessoire-Designerin Clara Scharping zu der hübschen, architektonisch interessanten Straße mit umfassendem Leerstand. Sofort war das Interesse geweckt, die Ideen sprudelten. „Genau hier soll etwas passieren“, betont Mika-Helfmeier: „Aus leer wird voll.“

Seit den ersten Treffen zu Jahresbeginn ist mittlerweile viel passiert, berichtet die engagierte Kulturbeauftragte auf Anfrage unserer Zeitung: Diverse Besuche im Steinweg, zwei große Treffen mit vielen, regionalen Kunstschaffenden als Workshop-Wochenenden im städteregionalen KuK in Monschau, viel Konzeptarbeit, organisatorische Telefonate und E-Mails.

„Mittlerweile ist die Sache rund und das Baby trägt den Namen ,Open Steinweg‘“, verrät die Kuratorin einen Monat vor dem großen Happening in Oberstolberg, dem großen Straßenfestival in der Fußgängerzone. Sie wird an diesem letzten Samstag im September verwandelt in Form einer Indoor-Outdoor-Installation.

„So wird der Steinweg zu neuem Leben erweckt“, kündigt Mika-Helfmeier an, will aber noch nicht zu viele Details verraten. Vernetzung wird aber an dem Tag nicht nur ein Schlagwort bleiben. Wie Spinnengewebe werden sich Installationen in, vor und zwischen Ladenlokale und Gebäude ziehen. Das Pflaster wird zur Spielwiese für unterschiedliche Ausdrucksformen, Musik und Malerei, Tanz und Bildhauerei, Theater und Manufaktur. Man darf sich überraschen lassen.

„Das Vorhandene soll integriert werden und als Inspiration dienen, genutzt und neu gesehen werden“, erklärt Nina Mika-Helfmeier. Nicht alle Ladenlokale werden tatsächlich für Besucher begehbar sein – manche Installationen sollen einfach auch nur durch das Schaufenster wirken. Und bei diesem städteregionalen Event ziehen auch die Steinweg-Eigentümer vielfach mit: Die mehr als 70 Aktiven können auf über 20 Spot- und Präsentationsstätten ihrem kreativen Wirken freien Lauf lassen.

Um die Idee dieses neu entstehenden Netzwerkes sichtbar zu machen, wird wortwörtlich ein riesiges Netzwerk gespannt aus zwölf Kilometer speziell bedrucktem Absperrband. Das soll natürlich nicht absperren, sondern verbinden – von Ladenlokal zu Ladenlokal, von Hauswand zu Hauswand.

„Ob Straßenlaterne, Papierkorb oder Passanten – alles und alle sollen integriert werden in dieses Live-Netzwerk; jeder darf und soll teilnehmen“, hofft die Kulturbeauftragte auf eine große Resonanz nicht nur unter den Stolbergern, sondern auch weit über die Grenzen der auch für ihr kulturelles Potenzial und Engagement bekannten Kupferstadt hinaus.

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