„Open Steinweg“: Ein „Sorgenkind“ blüht dank Kultur auf

Von: Dirk Müller
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Im „Open Steinweg“ spinnen Künstler gemeinsam mit den Bürgern eine gigantische Kunstinstallation aus 12 Kilometer langem Band mit der Aufschrift „Konnektor“ und verbinden so nicht nur im übertragenden Sinne die Menschen miteinander und mit ihrer Stadt. Foto: D. Müller
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Der Kupferstädter Kulturverein „City Starlights“ steuerte gleich mehrere Programmpunkte zu dem Festival bei und sprach damit Jung und Alt gleichermaßen an.
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Nach knappen zwei Stunden hieß es im Steinweg „Kopf einziehen“, denn das Gesamtkunstwerk nahm immer mehr Gestalt an.

Stolberg. Als die Aktion „Open Steinweg“ um 12 Uhr von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler offiziell eröffet worden war, zeigte sich ein ungewohntes Bild in der einstigen Einkaufstraße. Dieses rührte zu Beginn noch weniger von den spinnennetzartigen Installationen oder den Bühnen her, sondern vielmehr davon, dass der längst dauerhaft zum innerstädtischen „Sorgenkind“ avancierte Steinweg gut frequentiert war und ungewöhnlich viele Menschen dort flanierten.

Auch die Ladenlokale zeugten nicht von tristem Leerstand, da verwaiste Geschäfte mittels Kultur zum Leben erweckt wurden. Statt des leider schon gewohnten „Zu Vermieten“ prangte das eigens entworfene „Open Steinweg“-Logo an den Schaufensterscheiben und im Innern waren Installationen oder Bilder zu bestaunen, Shows und Konzerte konnten hautnah erlebt werden.

„Aus leer wird voll“ war die Devise des Straßenfestivals im Rahmen des Städteregionsprojekts „Based in der SR AC“, und für Stolberger Verhältnisse ging dieser Leitspruch voll auf. „Zu Hause in der Städteregion Aachen“ und vor allem in der Kupferstadt fühlen sich offenbar die mehr als 70 Aktiven, die sich schon im Vorfeld des „offenen Steinwegs“ engagierten, um die Kultur- und Partymeile zu ermöglichen. „Es ist wirklich toll, wie die Menschen sich eingebracht und für die Aktion in ihrer Stadt eingesetzt haben“, lobte Dr. Nina Mika-Helfmeier, Amtsleiterin für Kultur und empirische Forschung der Städteregion.

Doch bei dem Einsatz von Kupferstädter Künstlern, Musikern, Vereinen, Initiativen und mehr sollte es nicht bleiben: Tatsächlich waren am Ende weit mehr als 100 Menschen im Steinweg aktiv, denn Besucher, die gezielt in den „Open Steinweg“ gekommen waren, wie Passanten, die eher zufällig vorbeikamen, unterstützten die Künstler der „Designmetropole Aachen“ bereitwillig und gut gelaunt bei der „Vernetzung“ der Straße, so dass schon innerhalb der ersten beiden Stunden der Aktion eine gigantische Installation entstand.

Zwischen Popcornstand und Biergartenbereich, Kinderschminken und Café-Wagen, den Innen- und Außenbühnen wurde mit 12 Kilometer langem Band ein riesiges Netz gespannt. Dieses Band trug die Aufschrift „Konnektor“ nicht von ungefähr, denn nicht nur Gebäude, Laternen, Stände, Bänke und die vielfältigen Aktionen wurden künstlerisch verbunden, sondern auch die Menschen miteinander, da sie gemeinsam zu Werke gingen. Nicht zuletzt drückten viele Stolberger damit zudem die Verbundenheit zu ihrer Stadt aus. In der Passage zu dem Parkplatz „An der Krone“ zum Beispiel erläuterte Wolfgang Lennartz in seiner Ausstellung Interessierten die Theorie, dass die dort befindlichen Stuckköpfe für die vier Jahreszeiten stehen. Die Entstehung der spinnennetzartigen Installation im Steinweg verfolgte er mit süffisantem Lächeln. „Ich habe hier gestern erstmal stundenlang die Spinnenweben entfernt“, verwies Lennartz auf eine gewisse Ironie. Im Gegensatz zum tierischen Netz, habe die Kunstaktion bei dem Stolberger Straßenfestival aber Chancen auf Nachhaltigkeit, betonte Mika-Helfmeier: „Die vielen Aktiven aus verschiedenen kulturellen Bereichen, die Stadtverwaltung, die Gewerbetreibenden der offenen und die Besitzer der leeren Ladenlokale sind nun besser miteinander vernetzt als vor dem Straßenfestival.“

Auf dieser Grundlage könne sich die Gesamtsituation im Steinweg positiver entwickeln. Den ersten Effekt erreichte die Aktion im Vorfeld, als Nachbarn und Kulturtreibende ins Gespräch kamen, nun zieht der „Open Steinweg“ Kreise über die Kupferstadt hinaus: Dem Projekt wird seitens der Städteregion Modellcharakter bescheinigt, und die Aktion soll in ähnlicher Form künftig auch in anderen Kommunen realisiert werden.

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