Offener Ganztag ist in Stolberg ein Erfolgsmodell

Von: gro
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Stolberg-Gressenich. Heute kann sich Hildegard Lüttecke entspannt zurücklehnen und lächeln. Doch vor zehn Jahren war ihr gar nicht zum Lachen zu Mute. Der Streit um die Eröffnung der ersten offenen Ganztagsgrundschule in Stolberg hatte im Juni 2003 seinen Höhepunkt erreicht.

 Nach wochenlangen Diskussionen und drei (Sonder-)Sitzungen des Schulausschusses schien das Projekt an der neuerlichen Ablehnung von CDU und FDP gescheitert zu sein. „Ich saß zwischen den Stühlen“, erinnert sich die Christdemokratin und heutige Schulleiterin, die nach eigener Aussage vergeblich versuchte, ihre Parteikollegen von den Vorteilen des neuen Modells zu überzeugen.

Was ihr nicht gelang, schaffte am Ende der geballte Bürgerwille. Am 27. Juni verkündete die Ratsmehrheit ziemlich unverhofft ihre Zustimmung, nachdem eine Vielzahl entschlossener Eltern angekündigt hatte, ihren Protest gegen die politische Verweigerung weiter intensivieren zu wollen.

Dem Beispiel der Pioniere aus Gressenich folgten viele Nachahmer, seit dem Schuljahr 2006/07 kann die Kupferstadt ein flächendeckendes Angebot vorweisen, nachdem mit den Grundschulen Atsch, Donnerberg, Zweifall und Hermannstraße auch die letzten der insgesamt zehn Einrichtungen im Stadtgebiet die Nachmittagsbetreuung eingeführt hatten.

Zehn Jahre offene Ganztagsgrundschule in Stolberg sind, das steht für Astrid Schober fest, ein Grund zum Feiern. „Die Gesellschaft hat sich geändert. Heute ist es selbstverständlich, dass eine Betreuung gewährleistet wird, damit sich Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren lassen“, weiß die Koordinatorin des Ganztagsbetriebes in Gressenich aus vielfacher Erfahrung. 17 verschiedene Kurse und Arbeitsgemeinschaften – die Palette reicht von Spiel und Sport über Naturerfahrung bis hin zu musisch-kultureller Bildung – hat sie aktuell im Programm, „damit der Nachmittag ganz nach den individuellen Neigungen und Fähigkeiten gestaltet werden kann“.

Den offenen in einen gebundenen und damit verpflichtenden Ganztag umzuwandeln, davon halten Koordinatorin und Schulleiterin wenig. „Es gibt nach wie vor Eltern, die ihre Kinder nachmittags zu Hause haben möchten. Diese Möglichkeit sollte man ihnen auch in Zukunft geben“, rät Astrid Schober. Und Hildegard Lüttecke verweist darauf, dass sich mit einem gebundenen Ganztag „ganz viel ändern würde an der Grundschule, auch für die Lehrer“.

Aus pädagogischer Sicht hält sie das nicht für erforderlich, denn: „Alle Kinder, für die es wichtig ist, dass sie besonders gefördert werden, sind auch im offenen Ganztag.“ Insgesamt nehmen rund zwei Drittel der 180 Kinder das Angebot wahr. Sie profitieren neben den erwähnten Kursen vor allem auch von der Hausaufgabenbetreuung und den Fördergruppen, in den Lerndefizite aufgearbeitet werden.

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