Offene Ganztagsschule: Gressenich zieht positive Bilanz

Von: Michael Grobusch
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Sport und Bewegung zählen zu den zentralen Punkten im Angebot der offenen Ganztagsgrundschule Gressenich. Das Programm stimmen Schulleiterin Hildegard Lüttecke (1.v.l.), Koordinatorin Astrid Schober (2.v.l.) und der Förderverein ab. Foto: M. Grobusch

Stolberg-Gressenich. Heute kann sich Hildegard Lüttecke entspannt zurücklehnen und lächeln. Doch vor zehn Jahren war ihr gar nicht zum Lachen zu Mute. Der Streit um die Eröffnung der ersten offenen Ganztagsgrundschule in Stolberg hatte im Juni 2003 seinen Höhepunkt erreicht. Nach wochenlangen Diskussionen und drei (Sonder-)Sitzungen des Schulausschusses schien das Projekt an der Ablehnung von CDU und FDP, die die Finanzierung nicht gesichert sahen, gescheitert zu sein.

„Ich saß zwischen den Stühlen“, erinnert sich die Christdemokratin und heutige Schulleiterin, die nach eigener Aussage damals vergeblich versuchte, ihre Parteikollegen umzustimmen.

Was ihr nicht gelang, schaffte am Ende der geballte Bürgerwille. Am 27. Juni verkündete die Ratsmehrheit ziemlich unverhofft ihre Zustimmung, nachdem eine Vielzahl entschlossener Eltern angekündigt hatte, ihren Protest gegen die politische Verweigerung weiter intensivieren zu wollen. Der Rest war dann nur noch Formsache: Dem Votum von Hauptausschuss und Rat Ende Juli folgte quasi postwendend die Genehmigung der Bezirksregierung. Am 4. August 2003 war die erste offene Ganztagsgrundschule (OGS) in Stolberg beschlossene Sache. Und der Beginn einer Erfolgsgeschichte markiert.

Dem Beispiel der Pioniere aus Gressenich folgten viele Nachahmer, seit dem Schuljahr 2006/07 kann die Kupferstadt ein flächendeckendes Angebot vorweisen, nachdem mit den Grundschulen Atsch, Donnerberg, Zweifall und Hermannstraße auch die letzten der insgesamt zehn Einrichtungen im Stadtgebiet die Nachmittagsbetreuung eingeführt hatten.

Zehn Jahre offene Ganztagsgrundschule in Stolberg sind, das steht für Astrid Schober fest, ein Grund zum Feiern. „Die Gesellschaft hat sich geändert. Heute ist es selbstverständlich, dass eine Betreuung gewährleistet wird, damit sich Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren lassen“, weiß die Koordinatorin des Ganztagsbetriebes in Gressenich aus vielfacher Erfahrung.

17 verschiedene Kurse und Arbeitsgemeinschaften – die Palette reicht von Spiel und Sport über Naturerfahrung bis hin zu musisch-kultureller Bildung – hat sie aktuell im Programm, „damit der Nachmittag ganz nach den individuellen Neigungen und Fähigkeiten gestaltet werden kann“. Dafür sorgen „die richtigen Mitarbeiter, die mit ganzem Herzen dabei sind“. Auch Lehrer sind beteiligt, allerdings ist das wöchentliche Stundenkontingent auf 18 beschränkt. „Mehr dürfen wir nicht“, verweist Hildegard Lüttecke auf die Vorgaben des Landes.

Aber wären mehr Stunden denn tatsächlich gewünscht? In Maßen sehr wohl. Den offenen in einen gebundenen und damit verpflichtenden Ganztag umzuwandeln, davon halten Koordinatorin und Schulleiterin allerdings wenig. „Es gibt nach wie vor Eltern, die ihre Kinder nachmittags zu Hause haben möchten. Diese Möglichkeit sollte man ihnen auch in Zukunft geben“, rät Astrid Schober. Und Hildegard Lüttecke verweist darauf, dass sich mit einem gebundenen Ganztag „ganz viel ändern würde an der Grundschule, auch für die Lehrer“.

Aus pädagogischer Sicht hält sie das nicht für erforderlich, denn: „Alle Kinder, für die es wichtig ist, dass sie besonders gefördert werden, sind auch im offenen Ganztag.“ Insgesamt nehmen rund zwei Drittel der 180 Kinder das Angebot wahr. Sie profitieren neben den erwähnten Kursen vor allem auch von der Hausaufgabenbetreuung und den Fördergruppen, in den Lerndefizite aufgearbeitet werden.

Dass manche Familie die immerhin 50 Euro Monatsbeitrag (zuzüglich des Beitrags von 2,50 Euro pro Mittagessen) nicht aufbringen kann und ihr Kind deshalb aus der „OGS“ fernhält, schließt Hildegard Lüttecke aus. „Wenn es ein finanzielles Problem gibt, steht der Förderverein bereit.“ Er ist als Träger des offenen Ganztags eine von drei Säulen, auf denen die Nachmittagsbetreuung in Gressenich ruht. Schulleitung und Koordinatorin komplettieren das „Trio“, das alle wichtige Entscheidung im Bereich Finanzen und Personal gemeinsam trifft. „Die Zusammenarbeit ist wirklich sehr gut“, sagen Lüttecke und Schobert unisono, vielfach gebe es Einigkeit und Einstimmigkeit unter den Beteiligten.

„Alle Räume werden genutzt“

Das gilt auch für den Wunsch nach einer Ausweitung des OGS-Angebotes. Der aber scheitert derzeit an den räumlichen Verhältnissen in Gressenich. „Aula, Turnhalle, Klassen – es werden wirklich alle verfügbaren Räume genutzt“, erklärt die Schulleiterin, die sich zusätzliche Kapazitäten, beispielsweise in weiteren Pavillons, wünscht. Einem absehbaren Argument der Politik tritt sie dabei vorzeitig entgegen: Rückläufige Schülerzahlen haben wir nicht. Bei uns wird es im nächsten Schuljahr mehr Kinder geben.“

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