Ökumenisches Beispielsprojekt in Stolberg

Von: Sarah Sillius
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Schulterschluss für Stolberge
Schulterschluss für Stolberger Christen: Der katholische Pfarrer Hans-Rolf Funken (links) und sein evangelischer Kollege Andreas Hinze vor dem künftig gemeinsam genutzten Gemeindehaus. Foto: Sarah Sillius

Stolberg. Alles hat bei einem gemeinsamen Mittagessen nach dem ökumenischen Pfingstgottesdienst in Stolberg vor zwei Jahren begonnen. Bei Tisch fassten die Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Stolberg und der katholischen Kirchengemeinde St. Lucia einen bislang weit über die Region hinaus einzigartigen Plan.

In Stolberg soll schon im Sommer das erste ökumenische Gemeinde- und Verwaltungszentrum im gesamten Rheinland entstehen.

Das evangelische Gemeindehaus im Stadtzentrum, mittlerweile viel zu groß und zu teuer für die schrumpfende Gemeinde, wird zur Hälfte an die katholische Gemeinde verkauft. Dieser fehlte nach der Fusion der Ortsgemeinden zur Pfarre St. Lucia dringend ein Versammlungsort und ein Pfarrbüro in zentraler Lage, erklärte Hans-Rolf Funken, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Lucia.

Nach einer gemeinsam finanzierten energetischen Sanierung des Gebäudes wollen beide Gemeinden die Veranstaltungsräume für Kommunion- und Konfirmandenunterricht, Seniorennachmittage, Jugendtreffs und Bibelkreise gleichberechtigt nutzen. Alle laufenden Kosten werden künftig geteilt. Auf dem Vorplatz soll zudem ein neues Verwaltungsgebäude gebaut werden.

Funken sieht die ökumenische Entwicklung in Stolberg vor allem als Chance: „Es tut uns gut, wenn die Christen an dieser Stelle mit einer Stimme sprechen.” Die Ökumene hat in Stolberg lange Tradition. Nicht nur die zwei Pfarrer sind befreundet, auch die beiden Gemeinden haben schon Vieles gemeinsam gefeiert. Andreas Hin- ze, Pfarrer der evangelischen Gemeinde, verspricht, dass es nicht zu einer Kürzung der Angebote kommen wird: „Wir bereichern uns gegenseitig, nichts fällt weg.”

Beide Seiten stellen sich mit dem Projekt den enormen Finanznöten. „Wir hätten das Haus sonst verkaufen müssen”, erklärt Uwe Loeper, Vorsitzender des Presbyteriums. Geld soll auch durch die Vermietung des Gemeindezen­trums in die Kassen fließen, das auch ein kultureller Veranstaltungsort werden soll. Zudem wird die evangelische Gemeinde ihr Gemeindeamt vermieten. Die katholische Gemeinde St. Lucia hat bereits ein Pfarrhaus im Stadtteil Atsch vermietet, weitere Verpachtungen sind angedacht. Die Gotteshäuser sollen jedoch erhalten werden, auch an den Verkauf von Immobilien sei nicht gedacht.

Für Uwe Loeper, den Vorsitzenden des Presbyteriums, hat das Stolberger Projekt eine Signalwirkung auf andere Gemeinden: „Das ist ein starkes ökumenisches Zeichen - auch nach Aachen.”
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