„Oberste Priorität hat die Sicherheit”

Von: Heike Eisenmenger
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Was ist zu tun? Auch nach eine
Was ist zu tun? Auch nach einem Verkehrsunfall kann man noch viel falsch machen. Die Polizei rät, zunächst auf die Sicherheit zu achten, damit nicht Folgeunfälle provoziert werden. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Metall kreischt, Glas splittert - innerhalb von Sekunden ist der Unfall passiert. Der Schreck ist im ersten Moment groß, auch wenn niemand zu Schaden gekommen sind, sondern „nur” die Fahrzeuge beschädigt sind.

Sich in einem solchen Moment richtig zu verhalten, ist von eminenter Bedeutung. „Oberste Priorität hat die Sicherheit. Bevor sich die Beteiligten darum kümmern sollten, wie der Unfall entstanden ist und wie groß der Schaden an den Fahrzeugen ist, muss für die Sicherheit gesorgt werden, damit der Unfall nicht noch Folgeunfälle mit sich bringt”, sagt Polizeihauptkommissar Axel Melcher vom Verkehrskommissariat 1 der Stolberger Polizei.

Im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten Berufserfahrung hat er Tausende Unfälle bearbeitet. Manche dieser Unfälle kosteten Leben oder es werden Menschen so schwer verletzt, dass sie für immer auf Pflege angewiesen sein werden. Melcher greift ein Beispiel aus dem Alltag auf: „Nehmen wir an, Sie kollidieren auf einer stark befahrenen Straße mit einem andern Fahrzeug. Es ist nur Sachschaden entstanden. Im Hinblick auf die Sicherheit sollten die Autos so gesetzt werden, dass keine Gefahr mehr besteht und dass auch der Verkehr nicht blockiert wird”, sagt Melcher. Doch hat das nicht Nachteile für die spätere Beweisführung? „Machen Sie Fotos vom Unfallort aus unterschiedlichen Perspektiven.” Der Kommissar empfiehlt, eine Einweg-Kameras griffbereit im Handschuhfach immer dabei zu haben.

Kontaktdaten notieren

Zeugen seien oft das Zünglein an der Waage, wenn es später zu einem Rechtsstreit kommt, weiß Melcher aus Erfahrung. Sofern Zeugen in der Nähe sind, sollten man sich unbedingt die Kontaktdaten notieren. Und natürlich die Daten des Unfallgegners: „Wichtig sind das Kennzeichen, Name, Anschrift und Telefonnummer.” Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: „Lassen Sie sich den Führerschein zeigen, um auszuschließen, dass falschen Angaben gemacht werden”, betont Melcher. „Hilfreich ist auch, das zuständige Straßenverkehrsamt, das den Führerschein ausgestellt hat, aufzuschreiben.”

Dass falsche Angaben gemacht werden, geschieht Melcher leider immer wieder. Auch im Bereich der Fahrerflucht. „Ein Fall war besonders dreist: Ein Autofahrer hatte auf einem Parkplatz ein anderes Fahrzeug versehentlich beschädigt. Den Vorfall hatten Passanten gesehen und der Mann wusste, dass er nun aufmerksam beobachtet wurde, wie er sich verhalten würde”, schildert der Beamte die Situation. „Der Unfallverursacher tat so, würde er seine Anschrift notieren und klemmte das Papier hinter die Wischer des anderen Autos und fuhr dann weg.” Auf dem Papier hatte er aber nicht seine Anschrift geschrieben - dort stand auch noch ein nicht zitierfähiger Spruch, der klar sagte, dass der Unfallverursacher im Traum nicht daran denkt, für den Schaden aufzukommen. Wir hatten schon alles dabei: Falsche Name, Fantasie-Adressen oder es wird sich einfach aus dem Staub gemacht.”

Letzteres passiert am häufigsten. Ganz abgesehen vom moralischen Aspekt, fragt man, warum jemand ein solches Risiko überhaupt auf sich nimmt? Die Strafen für nachgewiesene Fahrerflucht sind empfindlich und peinlich ist die Entdeckung allemal. „Viele, die Fahrerflucht begehen, handeln in einer Kurzschlussreaktion.” Abgesehen davon, ist das Risiko, entdeckt zu werden, nicht so hoch wie viele vielleicht glauben. Sofern es keine Zeugen gibt oder Kommissar Zufall den Ermittlern hilft, wird es schwierig.

„Fahrerflucht nachzuweisen, ist juristisch sehr kompliziert. Entscheiden muss ein Richter, aber ein pfiffiger Anwalt wird bei einem drohenden Schuldspruch ein Gutachten verlangen.” Diese Gutachten seien kostspielig und auf juristischer Ebene sei es fast unmöglich, dem Beklagten nachzuweisen, dass er den Unfall tatsächlich bemerkt hat.

Wer ein anderes Auto beschädigt, sollte unbedingt auf den Besitzer warten oder die Polizei anrufen, um über den Vorfall zu informieren. Eine handschriftliche Mitteilung oder Visitenkarten an der Windschutzscheibe zu hinterlassen, reiche keinesfalls aus und könnte als Fahrerflucht ausgelegt werden. Ehrlich währt eben am längsten.
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