Stolberg - Nur gemeinsam schaffen Sozialvereine den schwierigen Spagat

Nur gemeinsam schaffen Sozialvereine den schwierigen Spagat

Von: Heike Eisenmenger
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Kooperation: Dr. Mark Brülls
Kooperation: Dr. Mark Brülls (r.), Geschäftsführer SKM Stolberg, und Alois Poquett, Geschäftsführer der Wabe Aachen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Nur gemeinsam schaffen es die Sozialvereine überhaupt noch, ihre Hilfsangebote aufrecht zu erhalten: Das sagen Dr. Mark Brülls, SKM-Geschäftsführer und sein Amtskollege Alois Poquett von der Wabe Aachen unisono.

Diese Erkenntnis war für beide Vereine der Auslöser, einen Kooperationsvertrag zu vereinbaren. Basis des Vertrages sind die Arbeitsfelder Möbelhilfe und Sozialkaufhaus.

Das SKM-Möbellager an der Obersteinstraße in Büsbach sei geschlossen und mit dem Sozialkaufhaus zusammengelegt worden, skizziert Brülls die Neuerungen. Bereits seit einigen Jahren habe sich das Möbellager als defizitär erwiesen. „Dafür gab es mehrere Gründe”, resümiert der 37-Jährige. Es sei aber insbesondere die ungünstige Lage zurückzuführen sowie die anstehende kostspielige Sanierung der Räumlichkeiten, die das bisherige Möbelhilfe-Konzept am Standort Büsbach nicht mehr tragfähig machten.

Das Sozialkaufhaus an der Ellermühle hingegen liegt unmittelbar in der Stadtmitte. Wie zuvor in Büsbach, werden dort gebrauchter Hausrat, Elektronikartikel, jedoch auch Textilien sowie Spielzeug zum kleinen Preis angeboten. Die Kunden sind in der Hauptsache Hartz IV-Empfänger.

Synergieeffekte zu nutzen, war das treibende Argument für die Zusammenlegung. „In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Zuschüsse für Sozialkaufhäuser und Tafeln dramatisch verringert und es wird auch in Zukunft weiter zusammengestrichen”, berichtet Wabe-Geschäftsführer Alois Poquett. „Gerade in Stolberg ist der Bedarf an Hilfsangeboten wie das Sozialkaufhaus enorm hoch”, betont der 55-Jährige. „Die Arbeitslosigkeit ist in Stolberg immer noch deutlich höher. Auch der Anteil an Langzeitarbeitslossen ist signifikant höher als in den Nachbarkommunen.”

Ergo ist das Bündeln von Kräften die logische Konsequenz, um den Menschen, die am Existenzminimum leben, zu helfen. Was im ersten Moment einleuchtend-simpel klingt, erfordert auf bürokratischer Ebene sensibles Vorgehen. Eine Zusammenlegung kann den Wegfall von Zuschüssen bedeuten, weil sich Zuständigkeiten ändern oder die Definition nicht mehr hundertprozentig passt, obwohl die Hilfsbedürftigkeit nach wie vor vorhanden ist.

Die SKM-Möbelhilfe ist ursprünglich aus dem Umweltschutz im früheren Kreis Aachen hervorgegangen und bezieht aus diesem Ressort auch Finanzhilfen. „Die Idee war, Möbel zu recyceln, statt sie auf dem Müll zu entsorgen, um auf diese Weise die natürlichen Ressourcen zu schonen und auch unnötigen Müll zu reduzieren”, erklärt Brülls. Im konkreten Fall gab es seitens der zuständigen Stelle in der Städteregion keine Probleme.

Kaum Geld zur Verfügung zu haben, ist für die Langzeitarbeitslosen bei weitem nicht das einzige Problem. Arbeit sei von essentieller Bedeutung, stellen Brülls und Poquett klar. Dazu der Wabe-Geschäftsführer: „Man definiert sich über seine Arbeit, sie gibt einem das Gefühl, gebraucht zu werden.”

Aktuell arbeiten 66 Langzeitarbeitslose und vier Festangestellte, die die Ein-Euro-Jober anleiten, im Sozialkaufhaus. 30.000 Euro stehen hierfür monatlich zur Verfügung. Der langjährige Leiter des SKM-Möbelhilfe Thorsten Bings wird jetzt an der Ellermühlenstraße anzutreffen sein.

Die Ein-Euro-Jobber sind im Verkauf tätig, bereiten Möbel vor, arbeiten in der Landwirtschaft auf einem Bio-Bauernhof in Aachen oder helfen in der Küche. Das Sozialkaufhaus in der City bietet täglich einen Mittagstisch an.

„Oftmals ist das Sozialkaufhaus der einzige Treffpunkt, den die Leute haben”, erzählt der Wabe-Geschäftsführer. Die Kooperation soll weitere Felder der Zusammenarbeit öffnen: So sollen Angebote wie Schuldner- oder Familienberatung im Sozialkaufhaus installiert werden. „Berater gehen dorthin, wo die Menschen sind, die ihrer Hilfe bedürfen”, erklärt Poquett. Was den Vorteil habe, dass Hemmschwellen abgebaut werden.

Ungeachtet aller Anstrengungen müsse man sich mit der Tatsache auseinandersetzen, „dass es einen Bodensatz an Menschen geben wird, die dauerhaft arbeitslos bleiben. So lange es als erstrebenswert gilt, ein Maximum an Gewinn aus Firmen herauszuholen, ohne dabei einen Gedanken an die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern zu verschwenden, wird der Bodensatz nur noch größer werden”, warnt Poquett. „Es müssen sich die gesellschaftlichen Werte ändern”, sagen Brülls und Poquett - auch dieses Mal wieder unisono.
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